Im Bo­den ist der Wurm drin

Was die klei­nen Bo­den­tie­re al­les kön­nen und was ih­nen zu­setzt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von Kath­rin Pohl­mann

Im Bo­den ist der Wurm drin – al­ler­dings fühlt er sich in vie­len Äckern of­fen­bar nicht mehr so wohl. Der WWF hat An­fang des Jah­res das so­ge­nann­te „Re­gen­wurm-Ma­ni­fest“ver­öf­fent­licht. In dem Pa­pier wird aus­führ­lich be­schrie­ben, was dem Bo­den­tier zu­setzt. Das sind un­ter an­de­rem Dün­ger, Pes­ti­zi­de aus der in­ten­si­ven Land­wirt­schaft und die Be­ar­bei­tung des Bo­dens.

In Zah­len aus­ge­drückt: Von den rund 46 Ar­ten, die einst den deut­schen Un­ter­grund durch­pflüg­ten, fres­sen sich un­ter den meis­ten deut­schen Äckern nur drei bis vier von ih­nen durch den Bo­den. Mehr als die Hälf­te al­ler Ar­ten stuft der WWF als „sehr sel­ten“oder so­gar „ex­trem sel­ten“ein.

Ein be­son­ders har­tes Schick­sal droht den Re­gen­wür­mern laut WWF auf oder eher un­ter Mais-Mo­no­kul­tu­ren. Re­gen­wür­mer le­ben von al­lem, was an Pflan­zen auf dem Bo­den üb­rig bleibt. Doch auf vie­len Äckern ist die­ser fast wie blank ge­putzt. Ab­ge­stor­be­ne Res­te ver­schie­dens­ter Pflan­zen fin­den sich dort kaum noch.

In Wäl­dern le­ben Re­gen­wür­mer von ab­ge­wor­fe­nem Laub, to­ten Fein­wur­zeln und Kräu­tern, in Wie­sen und Wei­den von ver­ge­hen­den Kräu­tern und Gras­hal­men. In Mo­no­kul­tur­bö­den mit ex­trem ein­tö­ni­ger Frucht­fol­ge und sehr star­kem Ma­schi­nen­und Che­mie­ein­satz gibt es nach An­ga­ben des WWF ma­xi­mal 30 Tie­re pro Qua­drat­me­ter. Ein durch­schnitt­li­cher Bo­den in der noch re­la­tiv klein­struk­tu­rier­ten Land­wirt­schaft Süd­deutsch­lands wür­de da­ge­gen rund 120 ent­hal­ten. „Bei ei­nem Rück­gang des or­ga­ni­schen An­teils im Bo­den gibt es für vie­le Tie­re kaum noch Nah­rung, so­dass ih­re Ver­meh­rung deut­lich zu­rück­geht“, sagt Dr. Jörg Römbke von der ECT Öko­to­xi­ko­lo­gie Gm­bH im hes­si­schen Flörs­heim. Ei­ne aku­te Ge­fähr­dung der Re­gen­wurm­po­pu­la­tio­nen in Deutsch­land sieht er aber nicht: „Der Re­gen­wurm stirbt nicht aus.“Al­ler­dings ge­be es bis­her kei­ne be­last­ba­ren Zah­len zum Vor­kom­men die­ser Tie­re. Ge­mein­sam mit Part­nern des Sen­ken­berg­in­sti­tuts forscht der Bo­den­öko­lo­ge da­her rund um das Be­fin­den der Re­gen­wür­mer. Erst wenn For­schungs­er­geb­nis­se vor­han­den sei­en, kön­ne ge­nau­er ge­sagt wer­den, wie es um die Re­gen­wür­mer in Deutsch­land be­stellt sei.

Doch fest steht, dass der Re­gen­wurm für ei­nen ge­sun­den Bo­den wich­tig ist. Durch sein ste­ti­ges Gr­a­ben be­lüf­tet er den Bo­den und schich­tet Nähr­stof­fe von un­ten nach oben. Auf ei­nem Bo­den mit vie­len Re­gen­wurm-Gän­gen staut sich kei­ne Näs­se, son­dern die Er­de saugt den Re­gen auf wie ein Schwamm. Auch Pflan­zen­wur­zeln und wich­ti­ge Bo­den­or­ga­nis­men ha­ben es in lo­cke­rem Bo­den leich­ter. Der Kot von Re­gen­wür­mern ist nichts an­de­res als nähr­stoff­rei­che Er­de. Laut Na­bu ha­ben Bo­den­bio­lo­gen her­aus­ge­fun­den, dass ein Re­gen­wurm­häuf­chen ein bes­se­rer Dün­ger ist als die glei­che Men­ge Kom­post.

Zu­neh­men­de Über­schwem­mun­gen auf Acker­flä­chen auch nach nor­ma­lem Stark­re­gen sind bei­spiels­wei­se deut­li­che An­zei­chen da­für, dass we­nig Ge­würm im Bo­den ist.

Der Re­gen­wurm hat es un­ter deut­schen Äckern nicht leicht. Vie­le Ein­flüs­se ma­chen ihm dort das Le­ben schwer. Fo­to: Ste­fa­nie Preu­in

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