Mit ge­bläh­ten Se­geln

„Pi­ra­tes of the Ca­rib­be­an – Sa­la­zars Ra­che“: Dis­neys fünf­ter Pi­ra­ten­film er­zeugt Völ­le­ge­fühl

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Von Jens Hin­rich­sen

Die Black Pe­arl steckt noch im­mer in ei­ner Fla­sche. Wie aus dem Bud­del­schiff wie­der der aus­ge­wach­se­ne Vier­mas­ter wird, er­fährt man in „Sa­la­zars Ra­che“, wo­bei der Ge­gen­zau­ber – das See­räu­ber­schiff wächst se­kun­den­schnell ins se­gel­tüch­ti­ge Nor­mal­for­mat – nur ein klei­nes Ju­wel in der über­vol­len Schatz­kis­te des fünf­ten Teils ist.

Pe­arl-Ka­pi­tän Jack Spar­row (John­ny Depp) bleibt we­nig Zeit zur Wie­der­se­gelns­freu­de, denn der un­to­te Ka­pi­tän Ar­man­do Sa­la­zar (Ja­vier Bar­dem) und sei­ne vor sich hin mo­dern­de Mann­schaft sind hin­ter ihm her, auf ei­nem Schiff, das an­de­re Schif­fe frisst. Ret­tung ver­heißt ein ver­wun­sche­ner Ort auf ho­her See, zu dem auch an­de­re Hel­den un­ter­wegs sind, dar­un­ter ein jun­ges Lie­bes­paar. Dif­fe­ren­zen wer­den aus­ge­foch­ten, Al­li­an­zen ge­schmie­det: Man kennt das aus den vor­he­ri­gen Fil­men.

Die seit „Fluch der Ka­ri­bik“an­no 2003 auf Er­folgs­kurs se­geln­de Rei­he ba­siert zwar auf der gleich­na­mi­gen Dis­ney­World-At­trak­ti­on, plün­dert aber aus­gie­big die ein­schlä­gi­ge Li­te­ra­tur und das Pi­ra­ten­film-Gen­re und wirft noch ei­ne or­dent­li­che La­dung Fan­tas­tik da­zu. Wie „Star Wars“die Sci­ence-Fic­tion in Rich­tung Fan­ta­sy-Gen­re über­schrei­tet, sind auch Jack Spar­rows Aben­teu­er nicht wirk­lich von die­ser Welt. Zu den Stan­dards zählt die Sa­gen­ge­stalt des „Flie­gen­den Hol­län­ders“. Im ers­ten Film spiel­te Hec­tor Bar­bos­sa (Ge­off­rey Rush, in Teil 5 wie­der mun­ter da­bei) die Rol­le des un­to­ten See­manns, da­nach war Da­vey Jo­nes (mit ek­li­gem Tin­ten­fisch­ge­sicht) der Ver­damm­te der Mee­re, im neu­en Se­quel gibt der spa­ni­sche Kom­man­deur Sa­la­zar den Salz­was­ser­zom­bie. Wie er da­zu wur­de und war­um Sa­la­zar sich rä­chen will, er­zählt ei­ne Rück­blen­de, für die John­ny Depp in den di­gi­ta­len Jung­brun­nen ge­taucht wur­de und Ja­vier Bar­dem wie ein Zwil­ling des le­gen­dä­ren Hol­ly­woo­dF­rei­beu­ters Ant­ho­ny Quinn wirkt. Und auch als dem nas­sen Gr­ab Ent­kom­me­ner ist Bar­dem ei­ne Wucht, fast ver­gisst man, wie aus­tausch­bar Dis­neys Pi­ra­ten­ge­schich­ten ge­wor­den sind.

Zu den Schau­wer­ten der zwei­ten 3-D-Pi­ra­ten­pro­duk­ti­on nach „Frem­de Ge­zei­ten“zählt ein Bank­raub, bei dem Spar­rows be­rit­te­ne Man­nen nicht nur den Tre­sor, son­dern die gan­ze Bank bis zur Küs­te schlei­fen, und das Fi­na­le, in dem sich das Meer teilt, um den von ver­schie­de­nen Pi­ra­ten­par­tei­en ge­such­ten Drei­zack Po­s­ei­dons frei­zu­le­gen.

Gott sei Dank war­tet am En­de im­mer ein Wun­der­mit­tel, das die Ge­schi­cke für Jack Spar­row und sei­ne Mit­strei­ter zum Gu­ten wen­det.

Der Weg zu die­sem Ziel ist dreh­buch­sei­tig lei­der schon ziem­lich aus­ge­tre­ten, zu­dem fällt es dem Re­gie­ge­spann Espen Sand­berg und Joa­chim Røn­ning sicht­lich schwer, an den ele­gan­ten Flo­rettstil Go­re Ver­bins­kis in Teil eins bis drei an­zu­schlie­ßen. Re­gie-Nach­fol­ger Rob Mar­shall, ob­wohl in Teil 4 arg eklek­tisch auf Spiel­bergs und In­dia­na Jo­nes’ Spu­ren, punk­te­te mit viel Sinn für Raum und Dra­ma.

Das ju­gend­li­che Paar reißt es lei­der auch nicht raus: Wäh­rend Kei­ra Knight­ley und Or­lan­do Bloom ih­re an­ge­stamm­ten Rol­len nur in kur­zen Gast­auf­trit­ten wie­der­auf­neh­men, wird die Lie­bes­ge­schich­te an Bren­ton Thwai­tes (als Spross des be­währ­ten Paars) und Ka­ya Scodel­ario (als selbst­be­wuss­te As­tro­no­min) de­le­giert. Weil sie fa­de ge­zeich­net sind, ruht das Un­ter­neh­men ein­mal mehr auf den schma­len Schul­tern von Jack Spar­row. Als Dan­dy der Mee­re, win­dig, flink und hel­le trotz Dau­ersuff, bleibt John­ny Depp un­ver­zicht­bar.

Ein Quiz zur „Fluch der Ka­ri­bik“-Rei­he fin­den Sie auf noz.de/ver­misch­tes

Auch im fünf­ten Teil wie­der mit an Bord: John­ny Depp ali­as Jack Spar­row. Fo­to: dpa/Dis­ney

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