Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te aus­ge­la­den

Vi­ze­prä­si­den­tin Roth em­pört über Vor­ge­hen An­ka­ras – Er­do­gan spricht mit EU-Spit­ze

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Nach der jüngs­ten Ab­sa­ge ei­ner Rei­se von deut­schen Par­la­men­ta­ri­ern in die Tür­kei sieht Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­den­tin Clau­dia Roth (Grü­ne) ei­ne „neue Es­ka­la­ti­ons­stu­fe“im Ver­hält­nis zu An­ka­ra er­reicht. Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) sprach von ei­nem „schwer­wie­gen­den Vor­gang“.

Roth und drei wei­te­re Ab­ge­ord­ne­te woll­ten ei­ne seit Wo­chen ge­plan­te Rei­se in die Tür­kei an­tre­ten. Schwer­punk­te des Pro­gramms la­gen auf der in­nen­po­li­ti­schen Si­tua­ti­on in der Tür­kei nach dem um­strit­te­nen Ver­fas­sungs­re­fe­ren­dum und den Be­zie­hun­gen zur Eu­ro­päi­schen Uni­on. Da­zu woll­te die Bun­des­tags­de­le­ga­ti­on mit Par­la­men­ta­ri­ern und Re­gie­rungs­ver­tre­tern in An­ka­ra spre­chen, au­ßer­dem war ein Ab­ste­cher in die Kur­denHoch­burg Diyarba­k­ir vor­ge­se­hen.

Ziel sei es ge­we­sen, „den Ge­sprächs­fa­den und den Aus­tausch ge­ra­de in schwie­ri­gen Zei­ten, in an­ge­spann­ten Zei­ten fort­zu­füh­ren“, sag­te Roth. Am Di­ens­tag sei­en die Ab­ge­ord­ne­ten dann in­for­miert wor­den, dass der Be­such „von al­ler­höchs­ter tür­ki­scher Sei­te“als un­er­wünscht er­ach­tet wer­de. Of­fi­zi­el­le Ge­sprä­che und ein Be­such des tür­ki­schen Par­la­ments sei­en nicht mög­lich ge­we­sen.

EU will Zu­sam­men­ar­beit

Bei ei­nem Tref­fen mit dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan hat EURats­prä­si­dent Do­nald Tusk in Brüssel die zen­tra­le Be­deu­tung der Men­schen­rech­te her­vor­ge­ho­ben. „Ich ha­be die Fra­ge der Men­schen­rech­te in den Mit­tel­punkt un­se­rer Dis­kus­sio­nen ge­stellt“, schrieb er an­schlie­ßend im Kurz­bot­schaf­ten­dienst Twit­ter. Er­do­gan, Tusk so­wie EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker woll­ten dort un­mit­tel­bar vor dem Nato-Gip­fel über die Zu­kunft der EU-Bei­tritts­ver­hand­lun­gen mit der Tür­kei spre­chen. Sie lie­gen we­gen des mas­si­ven Vor­ge­hens Er­do­gans ge­gen tür­ki­sche Re­gie­rungs­kri­ti­ker seit dem Putsch­ver­such im Ju­li ver­gan­ge­nen Jah­res de fac­to auf Eis.

Nach An­ga­ben ei­nes Spre­chers von Juncker wur­den „zen­tra­le Punk­te von ge­gen­sei­ti­gem In­ter­es­se“in ei­ner „gu­ten und kon­struk­ti­ven At­mo­sphä­re“be­spro­chen. Die EU und die Tür­kei müss­ten und wür­den wei­ter zu­sam­men­ar­bei­ten, er­gänz­te die­ser. Vor sei­ner Rei­se nach Brüssel hat­te Er­do­gan be­tont, es sei an der EU zu ent­schei­den, ob sie die Tür­kei als Mit­glied wol­le oder nicht. Die Tür­kei wer­de nicht wie ein „Bett­ler“auf­tre­ten, um der Ge­mein­schaft bei­tre­ten zu kön­nen.

Die Be­schleu­ni­gung des Bei­tritts­ver­fah­rens war ei­ne zen­tra­le Be­din­gung An­ka­ras für die Un­ter­zeich­nung des Flücht­lings­ab­kom­mens mit der EU im März. Es soll die Zahl der aus dem Bür­ger­kriegs­land Sy­ri­en nach Eu­ro­pa ge­lan­gen­den Flücht­lin­ge sen­ken. Die Be­zie­hun­gen der Ge­mein­schaft zur Tür­kei ver­schlech­ter­ten sich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten aber deut­lich. Er­do­gan er­wägt in­zwi­schen auch die Wie­der­ein­füh­rung der To­des­stra­fe. Die EU mach­te be­reits deut­lich, dass der Schritt au­to­ma­tisch das En­de der Bei­tritts­ver­hand­lun­gen be­deu­ten wür­de.

Im Rin­gen um die Frei­las­sung des be­reits seit mehr als zwei Wo­chen in der Tür­kei in­haf­tier­ten fran­zö­si­schen Fo­to­jour­na­lis­ten Ma­thi­as De­par­don si­cher­te Er­do­gan dem fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Em­ma­nu­el Ma­cron ei­ne „schnel­le“Prü­fung der An­ge­le­gen­heit zu.

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