Mer­kels spä­te Dro­hung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Er­hard Böh­mer e.boeh­mer@noz.de

Die nächs­te Es­ka­la­ti­ons­stu­fe ist er­reicht: Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel droht da­mit, die deut­schen Sol­da­ten aus dem tür­ki­schen In­cir­lik ab­zu­zie­hen. Sie hat­te kei­ne an­de­re Wahl mehr. Mer­kel ist na­he­zu die letz­te deut­sche Po­li­ti­ke­rin, die die­se Kon­se­quenz aus dem brüs­kie­ren­den Vor­ge­hen der tür­ki­schen Re­gie­rung zie­hen will. Ein wei­te­res Zau­dern wä­re der Kanz­le­rin end­gül­tig als Ku­schen vor Re­cep Tay­yip Er­do­gan aus­ge­legt wor­den.

Ein Nato-Part­ner un­ter­sagt den Be­such von Par­la­men­ta­ri­ern ei­nes an­de­ren auf ei­nem Stütz­punkt: Das ist ein ab­sur­der Vor­gang. Aber Er­do­gan und an­de­re Re­gie­rungs­ver­tre­ter sche­ren sich dar­um nicht.

Wer die Hoff­nung heg­te, die har­schen Tö­ne der ver­gan­ge­nen Mo­na­te aus An­ka­ra sei­en Teil des Wahl-

kampf­ge­tö­ses vor dem Ver­fas­sungs­re­fe­ren­dum, der wird seit Mit­te April ei­nes Bes­se­ren be­lehrt. Staats­chef Er­do­gan be­hält den har­ten Kurs ge­gen­über al­len Kri­ti­kern bei.

Das Ver­hält­nis zu Deutsch­land ist auf Re­gie­rungs­ebe­ne ak­tu­ell mi­se­ra­bel. Um die Be­zie­hun­gen der Tür­kei zur EU steht es nicht viel bes­ser. Aber ab­ge­se­hen von wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen hat Er­do­gan auch kei­ne gro­ße Lust, sich von Brüssel oder ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten die Welt er­klä­ren zu las­sen. Er blickt längst in an­de­re Rich­tun­gen: nach Russ­land und Chi­na zum Bei­spiel.

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