Du­ter­te: Ich wer­de bru­tal sein

Phil­ip­pi­ni­scher Prä­si­dent will oh­ne Rück­sicht auf zi­vi­le Ver­lus­te ge­gen IS-Ter­ro­ris­ten auf der In­sel Mind­a­nao vor­ge­hen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke -

Von Gir­lie Li­nao und Chris­toph Sa­tor

Auf der La­de­flä­che ist kaum noch Platz. Mehr als ein Dut­zend Leu­te ha­ben sich hin­ten auf den Trans­por­ter ge­zwängt, vor al­lem Frau­en und Kin­der. Ei­ne jun­ge Mut­ter hat ihr Ba­by auf dem Schoß. Al­le wol­len sie raus aus Ma­ra­wi, ei­ner Stadt mit mehr als 200 000 Ein­woh­nern auf Mind­a­nao, der zweit­größ­ten In­sel der Phil­ip­pi­nen. Ei­ner Stadt, die seit Ta­gen von is­la­mis­ti­schen Re­bel­len ter­ro­ri­siert wird. Der Prä­si­dent des In­sel­staa­tes, Ro­d­ri­go Du­ter­te, hat des­halb so­gar das Kriegs­recht aus­ge­ru­fen.

So wie das Dut­zend Leu­te auf der La­de­flä­che sind Tau­sen­de auf der Flucht. Auf der Stra­ße in die nächst­grö­ße­re Stadt hat sich ein lan­ger Stau ge­bil­det. Es sind Bil­der, wie man sie aus an­de­ren Kri­sen­ge­bie­ten kennt, wo Is­la­mis­ten das Sa­gen ha­ben. Aber nicht von den Phil­ip­pi­nen, Asi­ens ein­zi­gem Land mit mehr­heit­lich christ­li­cher Be­völ­ke­rung. Vi­ze-Gou­ver­neur Ma­min­tal Adi­ong spricht von ei­nem „Mas­sen-Exo­dus“.

Für die Pa­nik gibt es durch­aus Grund. In Ma­ra­wi spie­len sich schlim­me Sze­nen ab. Et­wa 100 be­waff­ne­te Re­bel­len brann­ten Häu­ser nie­der, dar­un­ter zwei Schu­len und ei­ne Kir­che. Dort nah­men sie den Pfar­rer und meh­re­re Kirch­gän­ger als Gei­seln. Der ört­li­che Po­li­zei­chef wur­de ent­haup­tet. Dann zo­gen die Is­la­mis­ten mit Fah­nen der Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Is­la­mi­scher Staat (IS) durch die Stra­ßen.

Aus­lö­ser der Kri­se war der Ver­such von Re­gie­rungs­trup­pen, ein pro­mi­nen­tes Mit­glied der is­la­mis­ti­schen Ter­ror­grup­pe Abu Say­yaf fest­zu­neh­men, die mehr­mals auch schon Deut­sche ent­führt hat: Is­ni­lon Ha­pil­ton, ei­nen der meist­ge­such­ten Ter­ro­ris­ten der Welt, der sich in Ma­ra­wi ver­steckt hal­ten soll. Der Na­me des 51-Jäh­ri­gen steht auch auf der Fahn­dungs­lis­te des FBI. Auf sei­ne Er­grei­fung sind bis zu fünf Mil­lio­nen US-Dol­lar Be­loh­nung aus­ge­setzt.

Doch der Ver­such schlug fehl. Die Re­bel­len rie­fen Ver­stär­kung her­bei. Bei Feu­er­ge­fech­ten mit Re­gie­rungs­trup­pen gab es seit Di­ens­tag mehr als 20 To­te. Am Don­ners­tag warf die Luft­waf­fe über der Stadt auch Bom­ben ab. Du­ter­te droh­te den Auf­stän­di­schen da­mit, ih­ren Vor­marsch mit äu­ßers­ter Här­te nie­der­schla­gen zu las­sen. „Wenn das den Tod von vie­len Leu­ten be­deu­ten soll­te, dann sei es so.“Er be­grün­de­te dies auch mit dem Kampf ge­gen den IS, des­sen Fuß­spu­ren „über­all“sei­en.

Das Kriegs­recht auf Mind­a­nao, ei­ner In­sel mit mehr als 20 Mil­lio­nen Be­woh­nern, ist nun zu­nächst ein­mal 60 Ta­ge in Kraft, bis in den Ju­li. Der 72-jäh­ri­ge Prä­si­dent – selbst von Mind­a­nao – deu­te­te aber be­reits an, dass es auf ein Jahr ver­län­gert wer­den könn­te. Zu­dem droh­te Du­ter­te da­mit, das Kriegs­recht aufs ge­sam­te Land aus­zu­wei­ten. Das weckt bö­se Er­in­ne­run­gen an den frü­he­ren Dik­ta­tor Ferdinand Mar­cos (1917–1989), der auf die­se Wei­se über Jah­re hin­weg sei­ne Macht ge­fes­tigt hat­te. Da­mals wur­den Tau­sen­de Mar­cos-Geg­ner will­kür­lich ge­tö­tet. Zehn­tau­sen­de wur­den in­haf­tiert und ge­fol­tert. Du­ter­te sag­te da­zu: „Kriegs­recht ist Kriegs­recht. Es wird kei­nen Un­ter­schied zu dem ge­ben, was Prä­si­dent Mar­cos ge­macht hat. Ich wer­de bru­tal sein.“

Wer weiß, wie er ge­gen die Dro­gen­sze­ne des Lan­des vor­geht, ahnt, was das be­deu­ten kann. Seit sei­nem Amts­an­tritt vor elf Mo­na­ten gab es schon meh­re­re Tau­send To­te. Zu­dem hat­te Du­ter­te bei sei­nem Mos­kau­be­such am Di­ens­tag Russ­land um mo­der­ne Waf­fen ge­be­ten.

In Pa­nik ver­lie­ßen Tau­sen­de Fili­pi­nos die Stadt Ma­ra­wi auf der In­sel Mind­a­nao, die von IS-Ter­ro­ris­ten heim­ge­sucht wird. Fo­to: AFP

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