Karls­preis für Br­ex­it-Geg­ner

His­to­ri­ker Gar­ton Ash für Eu­ro­pa-En­ga­ge­ment aus­ge­zeich­net

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er sieht auch nach dem Br­ex­it ei­ne en­ge Be­zie­hung der Eu­ro­päi­schen Uni­on zu Groß­bri­tan­ni­en. „Wir blei­ben Nach­barn, wir blei­ben auf ewig eng mit­ein­an­der ver­floch­ten“, sag­te er bei der Karls­preis-Ver­lei­hung an den bri­ti­schen His­to­ri­ker Ti­mo­thy Gar­ton Ash in Aa­chen. Groß­bri­tan­ni­en müs­se sich aber über sei­ne zu­künf­ti­ge Rol­le klar wer­den.

Gar­ton Ash er­hielt den In­ter­na­tio­na­len Karls­preis für sei­ne Ver­diens­te um ein frei­es und ge­ein­tes Eu­ro­pa. St­ein­mei­er wür­dig­te den Po­pu­lis­mus-Kri­ti­ker und Br­ex­it-Geg­ner als lei­den­schaft­li­chen Ver­fech­ter von Frei­heit, Auf­klä­rung und De­mo­kra­tie. Gar­ton Ash ha­be als Chro­nist wie kein an­de­rer Eu­ro­pas Wach­sen und Wer­den er­forscht und be­schrie­ben.

Markenzeichen des 61-jäh­ri­gen His­to­ri­kers und Pu­bli­zis­ten sei, „Mut zu schöp­fen aus der Ge­schich­te und zu­gleich mit scho­nungs­los kla­rem Blick auf die Ge­gen­wart zu schau­en“. Das sei auch ein Ap­pell an Eu­ro­pas Re­gie­run­gen: „Schaut auf das Kost­ba­re, was Eu­ro­pa er­reicht hat – ver­spielt es nicht, über­win­det die Kri­se!“

St­ein­mei­er be­ton­te, soll­te Groß­bri­tan­ni­en nicht mehr zur EU ge­hö­ren, blei­be es doch im­mer Teil der eu­ro­päi­schen Idee. „Denn die Idee Eu­ro­pas, die Herr­schaft von Recht über Will­kür, von Frei­heit über to­ta­li­tä­re Ideo­lo­gie, die bleibt auch ein bri­ti­sches An­lie­gen und muss es blei­ben – mehr noch, ei­ne welt­po­li­ti­sche Auf­ga­be.“

Der Preis­trä­ger for­der­te, Deutsch­land und Frank­reich soll­ten in Eu­ro­pa ge­mein­sam vor­an­ge­hen. Mit wach­sen­der Be­wun­de­rung ha­be er nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung be­ob­ach­tet, wie Deutsch­land sei­ne „zwei­te Chan­ce“ge­nutzt ha­be, al­so fried­fer­tig und im Bund mit Eu­ro­pa füh­ren­des Land auf dem Kon­ti­nent zu wer­den. „Ich fin­de es un­glaub­lich be­we­gend, dass sich heu­te Flücht­lin­ge aus al­ler Welt nach Deutsch­land seh­nen, als wä­re es das Ge­lob­te Land“, sag­te Gar­ton Ash. Deutsch­land ra­ge wie ei­ne In­sel der Stabilität, der Be­son­nen­heit und der Li­be­ra­li­tät aus ei­nem Oze­an des na­tio­na­lis­ti­schen Po­pu­lis­mus.

Ti­mo­thy Gar­ton Ash Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.