Das ner­vö­se Kö­nig­reich

Nach An­schlag in Man­ches­ter: Meh­re­re Per­so­nen in Haft – Abe­di flog über Düs­sel­dorf

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

In Groß­bri­tan­ni­en herrscht Ner­vo­si­tät nach dem Ter­ror­an­schlag am Mon­tag­abend in Man­ches­ter, bei dem ein Selbst­mor­dat­ten­tä­ter 22 Men­schen ge­tö­tet hat. Die Er­mitt­ler ge­hen da­von aus, dass Sal­man Abe­di Teil ei­nes Netz­werks war. Erst­mals seit zehn Jah­ren gilt auf der In­sel die höchs­te Ter­ror­warn­stu­fe.

Von Ka­trin Pribyl

LON­DON. Es sind so vie­le Ge­schich­ten. Von Hel­den und Hel­fern, von To­des­op­fern und Ter­ror, von Po­li­zei­ar­beit und Po­li­tik. Sie al­le wer­den der­zeit auf der In­sel er­zählt und über­wäl­ti­gen die Bri­ten, die ver­su­chen, das Un­be­greif­li­che zu be­grei­fen. 22 Men­schen ver­lo­ren bei dem Ter­ror­an­schlag in Man­ches­ter ihr Le­ben, dar­un­ter zahl­rei­che Kin­der und Te­enager. Noch im­mer lau­fen die Er­mitt­lun­gen zu den Hin­ter­grün­den der Tat.

Wer war Sal­man Abe­di? Wer war je­ner Mann, der sich nach dem Pop­kon­zert von Te­e­nie-Star Aria­na Gran­de im Foy­er in die Luft spreng­te? Die Er­mitt­ler ge­hen mitt­ler­wei­le da­von aus, dass Abe­di Teil ei­nes Netz­wer­kes war, wie der Po­li­zei­chef von Man­ches­ter be­stä­tig­te.

Em­pört zeig­ten sich die bri­ti­schen Be­hör­den über un­dich­te Stel­len im Aus­land. So hät­ten US-Me­di­en be­reits zum zwei­ten Mal sen­si­ble In­for­ma­tio­nen ver­öf­fent­licht, be­vor die Si­cher­heits­diens­te im Kö­nig­reich die­se frei­ge­ge­ben oder sich da­zu ge­äu­ßert hät­ten. Die In­dis­kre­tio­nen be­las­ten das Ver­hält­nis der bei­den Län­der.

Erst wur­de der Na­me des At­ten­tä­ters deut­lich frü­her ver­öf­fent­licht, als dies die Er­mitt­ler auf­grund der Un­ter­su­chun­gen wünsch­ten. Nun wur­den fo­ren­si­sche Auf­nah­men „ge­le­akt“, wo­für die Re­gie­rung in Lon­don so­wie Po­li­ti­ker und Be­am­te in Man­ches­ter die US-Ge­heim­diens­te scharf kri­ti­sier­ten. In der „New York Ti­mes“sind ers­te Bil­der vom Tat­ort zu se­hen, dar­un­ter Fo­tos ei­nes zer­fetz­ten blau­en Ruck­sacks und ei­nes Zün­ders. Als Kon­se­quenz will die Po­li­zei nun kei­ne In­for­ma­tio­nen über den An­schlag mehr mit den Di­ens­ten in den USA tei­len.

Und die Sa­che soll auf höchs­ter Ebe­ne ge­klärt wer­den. Die ver­är­ger­te Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May be­schwer­te sich am Ran­de des Nato-Gip­fels bei US-Prä­si­dent Do­nald Trump – der ver­sprach Auf­klä­rung.

Es herrscht Ner­vo­si­tät: Nach zehn Jah­ren rief Groß­bri­tan­ni­en erst­mals wie­der die höchs­te Ter­ror­warn­stu­fe aus. Da­nach könn­te ein wei­te­rer An­schlag un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen. Zu­dem wur­de das Mi­li­tär ge­ru­fen. Fast 1000 be­waff­ne­te Sol­da­ten wer­den ein­ge­setzt, um et­wa die Ord­nungs­hü­ter um den Re­gie­rungs­sitz in Dow­ning Street, den West­mins­ter-Pa­last oder den Bucking­hamPa­last zu un­ter­stüt­zen. Auf der Su­che nach mög­li­chen Kom­pli­zen gab es meh­re­re Raz­zi­en. Don­ners­tag­abend be­fan­den sich acht Ver­däch­ti­ge in Po­li­zei­ge­wahr­sam, die of­fen­bar in Ver­bin­dung mit dem An­schlag ste­hen könn­ten.

Über den 22-jäh­ri­gen mut­maß­li­chen At­ten­tä­ter kom­men der­weil im­mer mehr De­tails ans Licht. Abe­di, des­sen El­tern vor dem Gad­da­fi-Re­gime aus Li­by­en ins Kö­nig­reich ge­flüch­tet sind, wur­de 1994 in Man­ches­ter ge­bo­ren, ging hier zur Schu­le. Sein Wirt­schafts­stu­di­um an der Sal­ford-Uni­ver­si­tät in Man­ches­ter hat der jun­ge Mann, der zwei Brü­der und ei­ne Schwes­ter hat­te, of­fen­bar ab­ge­bro­chen.

Va­ter in Li­by­en ver­haf­tet

Von Be­kann­ten wur­de er als „zu­rück­hal­tend“und im Um­gang als „re­spekt­voll“be­schrie­ben. Der Va­ter, Ra­ma­dan Abe­di, der sich zur­zeit in Tri­po­li auf­hält, gab am Mitt­woch

ein In­ter­view, in dem er sei­nen Sohn als „un­schul­dig“be­zeich­ne­te, be­vor er selbst von der li­by­schen Po­li­zei fest­ge­nom­men wur­de. Ge­nau­so wie sein an­de­rer Sohn Ha­chem Abe­di. Die­ser ha­be laut Be­hör­den aus­ge­sagt, dass er eben­so wie der Selbst­mor­dat­ten­tä­ter der Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on des selbst er­nann­ten Is­la­mi­schen Staats (IS) an­ge­hö­re.

In­nen­mi­nis­te­rin Am­ber Rudd zu­fol­ge sei Sal­man Abe­di be­reits in der Ver­gan­gen­heit ins Vi­sier der Be­hör­den ge­rückt. Of­fen­bar wur­de er aber nicht als Hoch­si­cher­heits­ri­si­ko be­trach­tet. Da­bei kehr­te der Bri­te erst vier Ta­ge vor dem An­schlag aus Li­by­en nach En­g­land heim. Wäh­rend sei­ner Rück­rei­se ver­brach­te er auch kur­ze Zeit im Tran­sit­be­reich des Düs­sel­dor­fer Flug­ha­fens. Laut dem fran­zö­si­schen In­nen­mi­nis­ter Gé­r­ard Col­lomb sei Abe­di wahr­schein­lich auch nach Sy­ri­en ge­reist. Welt­wei­ter Kampf ge­gen den Ter­ror: mehr da­zu auf noz.de/is

Trotz und Trau­er:

Ar­ti­kel zu Groß­bri­tan­ni­en auf noz.de/po­li­tik

Roya­le Vi­si­te am Kran­ken­bett: Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. be­such­te ges­tern in ei­nem Kin­der­kran­ken­haus in Man­ches­ter Op­fer des An­schlags – wie Mil­lie Rob­son. Die 15-Jäh­ri­ge wur­de bei der Ex­plo­si­on schwer an den Bei­nen ver­letzt. Fo­to: AFP

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