Öl-Al­li­anz ver­län­gert das För­der­li­mit

Opec hält an Dros­se­lungs­stra­te­gie fest – An­le­ger re­agie­ren ent­täuscht – Preis fällt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Le­sen Sie mehr auf noz.de/ener­gie

Opec- und Nicht-OpecStaa­ten rü­cken im Rin­gen um ei­nen hö­he­ren Öl­preis im­mer nä­her zu­sam­men. Doch das Si­gnal ei­ner Ver­län­ge­rung des För­der­li­mits ist am Markt zu­nächst ver­pufft. Gut für die Au­to­fah­rer.

WI­EN. Die Al­li­anz aus Opec- und Nicht-OpecStaa­ten hält an ih­rer Stra­te­gie ei­ner knap­pe­ren Pro­duk­ti­on fest, um den Öl­preis zu sta­bi­li­sie­ren. Die Fach­mi­nis­ter der Or­ga­ni­sa­ti­on erd­öl­ex­por­tie­ren­der Län­der (Opec) be­schlos­sen am Don­ners­tag in Wi­en, die seit Ja­nu­ar gel­ten­de Pro­duk­ti­ons­kür­zung um neun Mo­na­te bis zum März 2018 zu ver­län­gern. Auch Nicht-Opec-Mit­glie­der wie Russ­land be­tei­li­gen sich an die­sem Schritt, durch den ins­ge­samt 1,8 Mil­lio­nen Bar­rel (159 Li­ter je Fass) täg­lich we­ni­ger Roh­öl ge­för­dert wer­den sol­len.

„Neun Mo­na­te sind das Op­ti­mum“, be­grün­de­te Sau­di-Ara­bi­ens Ener­gie­mi­nis­ter Kha­lid Al-Fa­lih die Ver­län­ge­rung der Frist. Un­ter die­sen Be­din­gun­gen soll­ten die La­ger­be­stän­de an Öl wie­der auf den Fünf-Jah­res-Schnitt sin­ken. Die Kür­zung ent­spricht rund zwei Pro­zent der täg­li­chen Welt­pro­duk­ti­on und in et­wa dem Über­an­ge­bot.

Für Au­to­fah­rer dürf­te sich da­mit vor­erst we­nig än­dern. Die Märk­te re­agier­ten zu­nächst mit fal­len­den Prei­sen auf die Ent­schei­dung. So kos­te­te ein Bar­rel der US-Sor­te WTI am Abend we­ni­ger als 50 Dol­lar. Der Preis für ein Bar­rel der Nord­see­sor­te Brent sank auf 52,24 US-Dol­lar – das wa­ren 1,72 Dol­lar we­ni­ger als am Vor­tag.

Russ­land sieht das Bünd­nis mit den Opec-Staa­ten den­noch als Er­folgs­mo­dell, das ver­tieft wer­den soll­te. „Wir star­ten in ei­ne neue Ära der Ko­ope­ra­ti­on“, sag­te Ener­gie­mi­nis­ter Alexander No­wak zu Be­ginn der zwei­ten ge­mein­sa­men Mi­nis­ter­sit­zung der Opec-Staa­ten mit elf Nicht-Opec-Län­dern. „Um die vol­le Wir­kung zu er­zie­len, brau­chen wir noch ei­ni­ge Mo­na­te“, mein­te No­wak. Die Ei­nig­keit der Al­li­anz sei be­mer­kens­wert. Kaum ei­ner der Markt­be­ob­ach­ter ha­be er­war­tet, dass sich die 24 teil­neh­men­den Staa­ten so strikt an ih­re ei­ge­nen Vor­ga­ben hal­ten wür­den, sag­te der rus­si­sche Ener­gie­mi­nis­ter.

Die Ver­län­ge­rung des För­der­li­mits ist al­ler­dings ei­ne Grat­wan­de­rung zwi­schen dem Ver­such der Preis­stüt­zung und dem Kampf um Markt­an­tei­le. Be­son­ders Opec-Staa­ten wie das von Un­ru­hen und wirt­schaft­li­chem Cha­os ge­plag­te Ve­ne­zue­la wä­ren auf stei­gen­de Ein­nah­men aus dem klas­si­schen Öl­ge­schäft an­ge­wie­sen. Das Öl-Kar­tell be­schloss ges­tern in Wi­en, die Dros­se­lung der Öl­för­de­rung bis März 2018 zu ver­län­gern. Zu­gleich macht aber ein stei­gen­der Öl­preis die Er­schlie­ßung von Schie­fe­rölFel­dern in den USA at­trak­tiv, wo der Roh­stoff auch mit der mo­der­ne­ren Fracking-Me­tho­de ge­för­dert wird. Oh­ne­hin hat die US-Kon­kur­renz zu­letzt an Bo­den ge­won­nen.

Wäh­rend vie­le Mi­nis­ter die wie­der zu­neh­men­de Schie­fe­r­öl-Pro­duk­ti­on nicht über­be­wer­ten woll­ten, sprach Ve­ne­zue­las Öl­mi­nis­ter Nel­son Mar­tí­nez von ei­ner „Be­dro­hung“. US-Pro­du­zen­ten ha­ben ih­re För­der­kos­ten ge­senkt und sind we­sent­lich kon­kur­renz­fä­hi­ger ge­wor­den.

Der Öl­preis war durch die Pro­duk­ti­ons­kür­zung bei rund 50 Dol­lar pro Fass sta­bi­li­siert wor­den. Zu ei­ner deut­li­chen Ver­teue­rung des Öls ist es ent­ge­gen der Hoff­nung der För­der­län­der aber bis­her nicht ge­kom­men. Auch An­le­ger re­agier­ten ent­täuscht, da sie auf ei­ne noch stär­ke­re Kür­zung ge­hofft hat­ten. Ei­ni­ge hat­ten auch da­mit ge­rech­net, dass die Dros­se­lung län­ger aus­fal­len wür­de als neun Mo­na­te.

Ener­gie­po­li­tik und Öl­prei­se: Die Or­ga­ni­sa­ti­on Erd­öl ex­por­tie­ren­der Län­der (Opec) büßt nach An­sicht von Roh­stoff­markt­ex­per­ten wie et­wa Jo­chen Stanzl von der Fi­nanz­han­dels­platt­form CMC Mar­kets ih­re Kon­trol­le über den Öl­preis ein. Als Grund wird viel­fach der Boom in der US-ame­ri­ka­ni­schen Schie­fe­röl­pro­duk­ti­on an­ge­führt. Der Öl­mi­nis­ter des Opec-Mit­glieds­lan­des Ve­ne­zue­la, Nel­son Mar­tí­nez, be­zeich­net die­se so­gar als „Be­dro­hung“. Tat­säch­lich be­hin­dert der Öl-Aus­stoß ame­ri­ka­ni­scher För­der­fir­men die Ver­su­che des Opec-Kar­tells er­heb­lich, den nied­ri­gen Öl­preis durch ei­ge­ne För­der­be­schrän­kun­gen wie­der in die Hö­he zu trei­ben. Die USA – sie sind kein OpecMit­glied – sind mit­hil­fe der Fracking-Me­tho­de in den letz­ten Jah­ren zu ei­nem star­ken Öl­ex­por­teur ge­wor­den. Die Schie­fe­röl­pro­du­zen­ten in den USA kön­nen ih­ren Aus­stoß sehr fle­xi­bel stei­gern und sen­ken, und die ame­ri­ka­ni­schen Schie­fe­r­öl-Re­ser­ven gel­ten als sehr groß. Die Bran­che ge­riet durch den hef­ti­gen Preis­ver­fall zwar selbst stark un­ter Druck. Dank tech­ni­scher Fort­schrit­te, die ei­ne ef­fi­zi­en­te­re För­de­rung er­mög­li­chen, schlug sie sich im Ab­schwung aber bes­ser als er­war­tet. In­zwi­schen nimmt die In­dus­trie wie­der Fahrt auf – die Zahl der ak­ti­ven Öl­bohr­an­la­gen in den USA legt seit Mo­na­ten zu und er­reich­te zu­letzt den höchs­ten Stand seit April 2015. Ve­r­un­si­chernd für die Opec ist au­ßer­dem der Trend zu elek­tri­schen Fahr­zeug­an­trie­ben. Wenn Elek­tro­au­tos für brei­te­re Käu­fer­schich­ten er­schwing­lich wer­den, könn­te ih­re Ver­brei­tung die Nach­fra­ge nach Ben­zin und Die­sel lang­fris­tig sen­ken.

Ei­ni­gung hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren: Fo­to: AFP

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