Fa­bel­run­de vor der Kraft­pro­be

Vet­tel fährt so schnell wie noch nie­mand auf dem le­gen­dä­ren Stadt­kurs in Mo­na­co

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport -

Mit ei­ner Fa­bel­run­de setzt Se­bas­ti­an Vet­tel die Best­zeit im Trai­ning für das For­mel-1-Ren­nen in Mo­na­co. Sein WM-Ri­va­le Le­wis Ha­mil­ton ver­spricht, vor­erst auf Psy­cho­spie­le im Ti­tel­ren­nen zu ver­zich­ten.

Von Chris­ti­an Holl­mann

Im For­mel-1-Stra­ßen­kampf von Mo­na­co su­chen Se­bas­ti­an Vet­tel und Le­wis Ha­mil­ton nach der Schwach­stel­le des Geg­ners. Schon vor dem sechs­ten der 20 Sai­son­ren­nen am Sonn­tag hat sich das Ti­tel­ren­nen zum Du­ell des deut­schen Fer­ra­riPi­lo­ten mit dem bri­ti­schen Mer­ce­des-Star ver­dich­tet. Bei­de rech­nen mit ei­ner epi­schen Kraft­pro­be über die gan­ze Dis­tanz. „Es ist ein Rund­um-Zwei­kampf, kör­per­lich, men­tal, tech­nisch – und des­we­gen ist es ein groß­ar­ti­ger Kampf“, sag­te Ha­mil­ton in Monte Carlo.

Im Trai­ning er­wies sich Vet­tel als der Bes­se­re. Dem 29Jäh­ri­gen ge­lang in 1:12,720 Mi­nu­ten ei­ne Fa­bel­run­de, nie war je­mand schnel­ler auf dem le­gen­dä­ren Kurs. Red-Bul­lFah­rer Da­ni­el Ric­ci­ar­do hat­te als Zwei­ter vor Ki­mi Räik­kö­nen im zwei­ten Fer­ra­ri fast ei­ne hal­be Se­kun­de Rück­stand auf Vet­tel.

Ha­mil­ton, der am Vor­mit­tag vor Vet­tel lag, muss­te sich in der zwei­ten Ein­heit we­gen ei­nes falsch ab­ge­stimm­ten Au­tos mit Rang acht be­gnü­gen und hat für die Qua­li­fi­ka­ti­on noch viel Ar­beit zu er­le­di­gen. „Der Un­ter­schied zwi­schen den bei­den Ein­hei­ten war wie Tag und Nacht“, stell­te Ha­mil­ton fest. „Kei­ne Ah­nung, was mit ih­nen los war, das war ein biss­chen ko­misch. Aber am Sams­tag wer­den sie mit vol­ler Kraft zu­rück sein“, sag­te Vet­tel.

Weil Fer­ra­ri und Mer­ce­des bis­lang auf Au­gen­hö­he ope­rie­ren, ge­ben Klei­nig­kei­ten den Aus­schlag über Sieg und Nie­der­la­ge. Zu­letzt bei der be­geis­tern­den Mann-ge­genMann-Hatz in Bar­ce­lo­na half Ha­mil­ton ein stra­te­gi­scher Kniff, um an Vet­tel vor­bei zum zwei­ten Sai­son­sieg zu fah­ren. „Wir hät­ten al­le fünf bis­he­ri­gen Ren­nen ge­win­nen kön­nen“, meint Vet­tel und will da­mit si­cher auch ein Si­gnal der Stär­ke sen­den.

Noch aber sieht Ha­mil­ton die Zeit für Psy­cho­spie­le nicht ge­kom­men. „Ich ha­be nicht die Ab­sicht da­zu“, sag­te der 32-Jäh­ri­ge, be­ton­te aber auch gleich: „Ich bin stolz dar­auf, dass ich men­tal sehr stark bin.“Zu­nächst will Ha­mil­ton Ta­ten spre­chen las­sen. „Ich will ihn im Au­to schla­gen, wenn er in Best­form ist. Denn das sagt al­les, was zu sa­gen ist“, er­klär­te der Drei­fach-Cham­pi­on.

Ein Sieg beim Klas­si­ker in Mo­na­co wür­de Ha­mil­ton bei der­zeit sechs Punk­ten Rück­stand auf Vet­tel an die WMSpit­ze brin­gen. Vier­mal in Se­rie hat Mer­ce­des zu­letzt im Fürs­ten­tum ge­won­nen. Da­ge­gen war­tet Fer­ra­ri seit dem letz­ten Mo­na­co-Tri­umph von Micha­el Schu­ma­cher vor 16 Jah­ren auf ei­nen Sieg an der Cô­te d’ Azur. „Es wä­re mal wie­der an der Zeit“, so Vet­tel.

An­ders als im Vor­jahr fühlt sich der Hes­se end­lich wie­der wohl in sei­nem Di­enst­wa­gen, und sieht dies als Grund­la­ge für sei­nen zwei­ten Sieg in Monte Carlo nach 2011, als er im Red Bull ge­wann. „In Mo­na­co geht es um Selbst­ver­trau­en, man muss in den Rhyth­mus kom­men. Wenn man dem Au­to nicht ganz ver­traut, dau­ert es län­ger, bis man ans Li­mit geht – oder man kommt so­gar gar nicht dort­hin“, er­klär­te Vet­tel.

Da­ge­gen fühlt sich Ha­mil­ton im neu­en Sil­ber­pfeil im­mer noch, als müs­se er „ei­nen Bul­len zäh­men“. Weil der Mer­ce­des mit sei­nem län­ge­ren Rad­stand eher für lan­ge und schnel­le Kur­ven ge­baut ist, se­hen man­che den WMZwei­ten auf dem wink­li­gen Kurs in den Häu­ser­schluch­ten im Nach­teil ge­gen Vet­tels agi­le­ren Fer­ra­ri. Der Run­den­re­kord des Deut­schen im Trai­ning un­ter­mau­er­te die­se The­se.

Hat gut la­chen: Se­bas­ti­an Vet­tel. Fo­to: im­a­go/Eib­ner

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