Ei­ni­gung im Un­ge­zie­fer-Pro­zess

Kün­di­gungs­streit nach Schäd­lings­be­fall im Ci­ne­star Os­na­brück en­det mit Ver­gleich

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Der auf ei­nem Schäd­lings­be­fall im Ci­ne­star Os­na­brück be­ru­hen­de Kün­di­gungs­streit zwi­schen der frü­he­ren Thea­ter­lei­te­rin und dem Ki­no­be­trei­ber hat ein En­de ge­fun­den. Im Be­ru­fungs­ver­fah­ren vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Han­no­ver ei­nig­ten sich bei­de Par­tei­en auf ei­nen Ver­gleich.

Von Se­bas­ti­an Stri­cker Der Ver­gleich sieht ei­ne or­dent­li­che Kün­di­gung der Thea­ter­lei­te­rin durch den Ar­beit­ge­ber aus be­trieb­li­chen Grün­den zum 31. Ju­li 2016 vor. Ur­sprüng­lich woll­te die Neue Film­pa­last GmbH (Lü­beck) ih­re lang­jäh­ri­ge Mit­ar­bei­te­rin mit Wir­kung vom 12. Ja­nu­ar 2016 frist­los ent­las­sen. Die Klä­ge­rin er­hält aus­ste­hen­de Ge­häl­ter in Hö­he von 3450 Eu­ro brut­to pro Mo­nat, au­ßer­dem ein gu­tes Zeug­nis. Gleich­zei­tig ver­zich­tet sie auf ei­ne Ab­fin­dung. Wei­te­re, beim Ar­beits­ge­richt Os­na­brück an­hän­gi­ge Ver­fah­ren in die­ser Sa­che wer­den durch den am Mitt­woch ge­schlos­se­nen Ver­gleich mit­er­le­digt.

Hin­ter­grund des Rechts­streits ist ein Schäd­lings­be­fall im Ci­ne­star Os­na­brück im No­vem­ber 2015 und die fol­gen­de Be­sei­ti­gung gro­ßer Wa­ren­men­gen durch die Ki­no­che­fin. Wie sich jetzt her­aus­stell­te, sol­len da­mals in ei­nem La­ger­raum Heim­chen auf­ge­taucht sein. Bis­lang war vor Ge­richt stets von Ka­ker­la­ken die Re­de ge­we­sen.

Das Aus­maß des Be­falls mit die­ser al­les­fres­sen­den Heu­schre­cken­art ist je­doch strit­tig: Wäh­rend Ci­ne­star von ei­nem „Mi­ni­mal­be­fall un­ter ei­ner ein­zi­gen Kis­te“

spricht, was laut Ki­no­be­trei­ber ei­ne Ver­nich­tung von Le­bens­mit­teln kom­plett er­üb­rigt hät­te, er­klär­te die Klä­ge­rin un­ter Be­ru­fung auf Zeu­gen wie den Kam­mer­jä­ger, die In­sek­ten „be­reits an der Tür krat­zen ge­hört“zu ha­ben. Aus Sor­ge um die Ge­sund­heit von Kol­le­gen und Ki­no­be­su­chern ha­be sie des­halb im Hand­um­dre­hen fast al­les ent­sorgt, was sich im La­ger­raum be­fand – so ähn­lich, wie es im Ci­ne­star Os­na­brück be­reits bei ei­ner ech­ten Ka­ker­la­ken­pla­ge zwei Jah­re zu­vor ge­sche­hen sei.

Dies­mal lan­de­ten an­geb­lich mehr als ei­ne Ton­ne Pop­corn-Mais und vier Ton­nen Zu­cker im Haus­müll, 1618 Ki­lo­gramm Na­chos, 372 Li­ter Kä­se­so­ße, über 900 Li­ter Ge­trän­ke­kon­zen­trat und 1000 Ta­feln Scho­ko­la­de, au­ßer­dem Ver­brauchs­ar­ti­kel wie Trink­be­cher, De­ckel, Stroh­hal­me und Ser­vi­et­ten. Laut Be­stands­lis­te Wa­ren im Wert von über 16 000 Eu­ro.

Den Ar­beit­ge­ber mach­ten die­se Men­gen und das Vor­ge­hen der Thea­ter­lei­te­rin al­ler­dings stut­zig. So sehr, dass er da­hin­ter ei­ne Ver­mö­gens­straf­tat ver­mu­te­te. Auf die­sen Ver­dacht stell­te Ci­ne­star dann auch die frist­lo­se Kün­di­gung vom 12. Ja­nu­ar 2016 ab, ge­gen die sich die Ki­no­che­fin vor dem Ar­beits­ge­richt Os­na­brück zu­nächst er­folg­reich wehr­te. Was die Neue Film­pa­last nicht hin­der­te, Be­ru­fung ein­zu­le­gen und par­al­lel neue Kün­di­gun­gen ge­gen die eins­ti­ge Füh­rungs­kraft aus­zu­spre­chen.

Vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Han­no­ver fan­den bei­de Par­tei­en nun zu ei­ner Ei­ni­gung, die bis­lang an der ge­for­der­ten Ab­fin­dung ge­schei­tert war. „Ich ra­te Ih­nen drin­gend zum Ver­gleich“, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Gün­ther Kreß am Mitt­woch nach gut zwei­stün­di­ger Ver­hand­lung, in de­ren Ver­lauf ihm ge­ra­de im Vor­trag der Thea­ter­lei­te­rin „er­heb­li­che Wi­der­sprü­che und Un­ge­reimt­hei­ten“auf­ge­fal­len sei­en. Ent­spre­chend zu­frie­den äu­ßer­te sich Si­mo­ne Phil­ipp, Per­so­nal­lei­te­rin der Ci­ne­star-Grup­pe: „Wir freu­en uns, dass nun ein Ab­schluss in die­ser Sa­che er­zielt wer­den konn­te, und hal­ten das Er­geb­nis für sach­ge­recht.“

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