Wein­krampf kam Zeu­ge selt­sam vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Im neu auf­ge­roll­ten Pro­zess ge­gen ei­nen Frau­en­arzt aus Os­na­brück, der sei­ne Frau ge­tö­tet ha­ben soll, hat am Mitt­woch der Nach­bar des Ehe­paa­res vor dem Land­ge­richt Lands­hut aus­ge­sagt.

Die Aus­sa­ge war mit Span­nung er­war­tet wor­den: Der 56-Jäh­ri­ge war als Ers­ter am Tat­ort, nach­dem der An­ge­klag­te bei ihm ge­klin­gelt und um Hil­fe ge­be­ten hat­te. „Im Rück­blick er­schien es mir et­was auf­ge­setzt“, sag­te der Zeu­ge be­züg­lich des Ver­hal­tens sei­nes Nach­barn. Er müs­se al­ler­dings ein­räu­men, dass er heu­te durch den ers­ten Pro­zess, vie­le Hin­ter­grund­ge­sprä­che und die Me­di­en-Be­richt­er­stat­tung vie­les an­ders se­he.

Der re­nom­mier­te Gy­nä­ko­lo­ge, der zu­letzt Teil­ha­ber ei­ner Frau­en­arzt­pra­xis in Er­ding war, muss sich seit En­de April er­neut we­gen Tot­schlags vor der Sechs­ten Straf­kam­mer des Land­ge­richts Lands­hut ver­ant­wor­ten. Die Ers­te Straf­kam­mer des Land­ge­richts hat­te ihn im Ja­nu­ar 2015 frei­ge­spro­chen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Ur­teil aber ein­kas­siert. Der 57-Jäh­ri­ge be­strei­tet nach wie vor die Vor­wür­fe der Staats­an­walt­schaft, sei­ne 60-jäh­ri­ge Ehe­frau am 4. De­zem­ber 2013 im Bad des ge­mein­sa­men Rei­hen­hau­ses in Er­ding mas­siv ver­prü­gelt und dann er­stickt zu ha­ben.

Dem Nach­barn wa­ren an der Lei­che so­fort vie­le blaue Fle­cke an den Ar­men auf­ge­fal­len, wie er ges­tern vor Ge­richt sag­te. „Ich hielt sie da­mals irr­tüm­lich für To­ten­fle­cken.“Als er ge­mein­sam mit dem An­ge­klag­ten das Bad be­tre­ten ha­be, sei ihm so­fort klar ge­we­sen, dass des­sen Frau tot ge­we­sen sei, „auch wenn ich kein Arzt bin“. Er ha­be noch ver­sucht, die Bei­ne zu be­we­gen, aber die Lei­chen­star­re hat­te be­reits ein­ge­setzt: „Da war klar, dass ei­ne Ers­te Hil­fe nicht mehr in­fra­ge kam.“Er sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren oft dar­auf an­ge­spro­chen wor­den, ob ihm dies nicht ko­misch vor­ge­kom­men sei, dass ein Arzt ihn um Hil­fe bit­te, so der Zeu­ge. Aber dar­an ha­be er da­mals kei­nen Ge­dan­ken ver­schwen­det.

Selt­sam sei ihm in­des ein Wein­krampf vor­ge­kom­men, den der An­ge­klag­te be­kom­men ha­be, nach­dem er ihm ge­sagt ha­be, dass da nichts mehr zu ma­chen sei. „Das kam ein­fach nicht von Her­zen.“Den­noch sei er da­mals da­von aus­ge­gan­gen, die Frau sei ge­stürzt und ha­be sich un­glück­lich den Kopf an­ge­schla­gen. Der Pro­zess wird am 29. Mai fort­ge­setzt.

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