Os­na­brü­cker De­le­ga­ti­on be­sucht Part­ner­stadt Evans­vil­le im US-Bun­des­staat In­dia­na

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Grie­sert. auf noz.de/trump

26 Jah­re nach der Un­ter­zeich­nung ei­nes Freund­schafs­ver­trags zwi­schen Os­na­brück und Evans­vil­le hat erst­mals ei­ne 20-köp­fi­ge Os­na­brü­cker De­le­ga­ti­on aus Po­li­tik und Wirt­schaft die Stadt im USBun­des­staat In­dia­na be­sucht.

Von Je­an-Charles Fays

EVANS­VIL­LE. Schon am Flug­ha­fen be­rei­ten Evans­vil­ler den Os­na­brü­ckern ei­nen spek­ta­ku­lä­ren Emp­fang, der von zwei re­gio­na­len Fern­seh­sen­dern me­di­al in Sze­ne ge­setzt wird. Ob Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert, Mo­to­ren-Ser­vice-Un­ter­neh­mer Ber­nard Storm oder der 22-jäh­ri­ge Zim­mer­meis­ter Ja­kob Bol­te, Fern­seh­ka­me­ras be­glei­ten und Fern­seh­mo­de­ra­to­rin­nen in­ter­view­en sie wie Stars.

Der fei­er­li­che Emp­fang setzt sich im erst vor we­ni­gen Mo­na­ten fer­tig­ge­stell­ten „Dou­ble­tree Hil­ton Ho­tel“im Zen­trum fort. Lar­ry Mil­ler sorgt mit sei­nem Ak­kor­de­on für das pas­sen­de En­tree. Die Os­na­brü­cker Bür­ger­meis­te­rin Birgit Strang­mann liest fas­zi­niert die im Ein­gang auf­ge­stell­ten Schil­der: „Die nen­nen uns hier ,sis­ter ci­ty‘ . Ich bin be­geis­tert, wie warm­her­zig wir hier emp­fan­gen wer­den.“Mit so ei­nem gro­ßen Bahn­hof hät­te sie nicht ge­rech­net. Der Mu­si­ker Mil­ler er­klärt sei­ne Be­geis­te­rung, die ihn fast zu Trä­nen rührt: „Mei­ne Kin­der ha­ben in Os­na­brück stu­diert. Wir ha­ben schon in den 80er-Jah­ren dar­an ge­ar­bei­tet, die Part­ner­schaft auf­zu­bau­en, auch wenn der Freund­schafts­ver­trag erst 1991 of­fi­zi­ell von den Bür­ger­meis­tern un­ter­schrie­ben wur­de. Vor­her und spä­ter gab es aber na­tür­lich Ver­bin­dun­gen durch mei­ne Blas­ka­pel­le, mit der wir auch be­reits in Os­na­brück ge­spielt ha­ben.“Zwar wa­ren seit­her Schü­ler-, Stu­den­ten­grup­pen und Pri­vat­leu­te in Evans­vil­le, aber noch kei­ne of­fi­zi­el­le De­le­ga­ti­on mit Bür­ger­meis­ter oder IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer.

Auf dem Weg zum Din­ner wird deut­lich, wie die Stadt sich her­aus­ge­putzt hat. Ei­gens Ein Hand­schlag am Ohio Ri­ver be­sie­gelt die Freund­schaft von Bür­ger­meis­ter Lloyd Winne­cke und Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang zu die­sem An­lass ver­leg­ten die Ame­ri­ka­ner Roll­ra­sen, wie der Bür­ger­meis­ter er­läu­tert. Im­po­sant geht es im neu­en Ge­bäu­de der „Old Na­tio­nal Bank“di­rekt am Ohio Ri­ver, ei­nem rie­si­gen Ne­ben­fluss des Mis­sis­sip­pi, wei­ter. Die Aus­sicht aus dem Ver­an­stal­tungs­raum der Bank mit bo­den­tie­fen Glas­fron­ten ist atem­be­rau­bend. Zum Son­nen­un­ter­gang las­sen die bei­den Stadt­ober­häup­ter Wolf­gang Grie­sert und Lloyd Winne­cke den Blick schwei­fen und rei­chen sich zur Be­sie­ge­lung ih­rer Freund­schaft die Hand. In Mo­men­ten wie die­sen wird deut­lich, war­um die 110 000Ein­woh­ner-Stadt sich den Spitz­na­men „Ri­ver Ci­ty“red­lich ver­dient hat.

Beim of­fi­zi­el­len Emp­fang fei­ern die bei­den Städ­te den in­of­fi­zi­el­len Neu­an­fang ih­rer Part­ner­schaft. In den 26 Jah­ren, seit­dem der Freund­schafts­ver­trag ge­schlos­sen wur­de, hat es Os­na­brück nicht ge­schafft, Evans­vil­le mit ei­ner of­fi­zi­el­len De­le­ga­ti­on zu be­su­chen. Grie­sert spricht von ei­ner „Er­neue­rung der freund­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen“. Lar­ry Mil­ler sorgt mit sei­nem Ak­kor­de­on für ei­nen stim­mungs­vol­len Emp­fang im Ho­tel. Er ist Os­na­brück be­son­ders ver­bun­den und er­klärt: „Mei­ne Kin­der ha­ben in Os­na­brück stu­diert. Wir ha­ben schon in den 80er-Jah­ren dar­an ge­ar­bei­tet, die Part­ner­schaft auf­zu­bau­en.“

Ei­ne Er­klä­rung da­für, war­um die char­man­te Stadt am Ohio nicht schon vor­her be­sucht wur­de, hat er nicht und ver­weist dar­auf, dass er erst 2013 Ober­bür­ger­meis­ter von Os­na­brück wur­de. Er be­tont: „Es ist wich­tig, die Part­ner­schaft noch wei­ter aus­zu­bau­en. Die viel­fäl­ti­ge Zu­sam­men­set­zung un­se­rer De­le­ga­ti­on be­legt das gro­ße In­ter­es­se un­se­rer Freund­schaft.“

Winne­cke schenkt Grie­sert ein Bild von ei­ner Luft­auf­nah­me der Stadt Evans­vil­le mit ei­ner Gra­vur auf Deutsch und Englisch als „Sym­bol un­se­rer in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit und kul­tu­rel­lem Ver­ständ­nis“. Dar­un­ter fin­det sich das neue Lo­go der Stadt „E is for ever­yo­ne“, was so viel be­deu­tet wie „Evans­vil­le ist für al­le da“.

Die­sen Slo­gan hät­ten vie­le Os­na­brü­cker von ei­ner Stadt, die bei der Wahl des US-Prä­si­den­ten mit 60 Pro­zent für den na­tio­na­lis­ti­schen Do­nald Trump ge­stimmt hat, nicht er­war­tet. Evans­vil­le spal­tet die­ses The­ma. Auf der ei­nen Sei­te gibt es Leu­te wie Li­sa Jo­nes, die gern Hil­la­ry Cl­in­ton als Prä­si­den­tin ge­se­hen hät­ten. Sie for­dert: „Wir müs­sen jetzt un­se­re Stim­men ge­gen ihn er­he­ben. Un­se­re Part­ner­stadt Os­na­brück und der Rest der Welt müs­sen uns hel­fen, sei­ne Po­li­tik in die rich­ti­ge Rich­tung zu len­ken. Er hat kei­ne po­li­ti­sche Er­fah­rung, und des­halb müs­sen wir ihm bei­brin­gen, dass er ei­ne Re­gie­rung nicht mit De­als wie ein Un­ter­neh­men füh­ren kann.“Sie spricht der Frie­dens­stadt Os­na­brück aus dem Her­zen, als sie sagt: „Un­se­re Na­ti­on wur­de von Ein­wan­dern ge­grün­det. Die Idee von Ame­ri­ka ba­siert auf dem Grund­ge­dan­ken von Frei­heit. Wenn er sagt, dass wir kein Ein­wan­de­rungs­land sind, des­halb die

Gren­zen schließt und Mau­ern baut, dann sind das nicht die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka.“Es müs­se ei­ne an­de­re Lö­sung als Mau­ern ge­gen die zu­neh­men­de Mi­gra­ti­on ge­ben. Jo­nes er­klärt das Vo­tum der Mehr­heit auch in Evans­vil­le pro Trump mit ei­ner Pro­test­wahl. „Es gibt Leu­te, die sich ab­ge­hängt füh­len, we­nig Geld ver­die­nen, kei­nen Job be­kom­men und die ge­gen ei­nen Staat ge­stimmt ha­ben, der sich zu viel ein­mischt.“

Lloyd Winne­cke, der sich vor Jah­ren als Re­pu­bli­ka­ner in ei­ner Stadt mit ei­nem von De­mo­kra­ten do­mi­nier­ten Rat als Bür­ger­meis­ter durch­set­zen konn­te, be­grün­det das Vo­tum für sei­nen Par­tei­ka­me­ra­den: „Er spricht Leu­te so an, dass sie ihn ver­ste­hen.“Auch wenn die Ar­beits­lo­sig­keit vor Ort nur bei knapp vier Pro­zent lie­ge, so hät­ten sich doch vie­le ent­täuscht dar­über ge­zeigt, dass bei der Evans­vil­ler Fir­ma Whirl­pool 1400 Leu­te ih­re Ar­beit ver­lo­ren und die Ar­beits­plät­ze dann größ­ten­teils nach Me­xi­ko ver­la­gert wur­den. Er fügt hin­zu: „Die Wäh­ler stim­men Trump viel­leicht nicht in je­dem Punkt zu, aber da­für bei den The­men, die ih­nen be­son­ders wich­tig sind.“Hin­zu kom­me, dass Vi­ze­prä­si­dent Mi­ke Pence von 2013 bis 2017 ein er­folg­rei­cher Gou­ver­neur von In­dia­na ge­we­sen sei, dem Bun­des­staat, in dem Evans­vil­le liegt.

Für den kon­ser­va­ti­ven Un­ter­neh­mer und über­zeug­ten Trump-Fan Da­vid Nuss­mei­er ist die Sa­che ganz klar: „Die Bür­ger ha­ben für die Wirt­schaft ge­stimmt.“Er fragt sich, war­um das Land nicht wie ein Un­ter­neh­men ge­führt wer­den soll­te, und fügt hin­zu: „Vie­le stim­men Trump auch zu, dass wir auf­hö­ren soll­ten, Welt­po­li­zei zu spie­len. Wir ge­ben viel Geld da­für aus, dass wir in Län­der ein­mar­schie­ren und uns un­be­liebt ma­chen, in­dem wir ih­nen sa­gen, was sie zu tun ha­ben.“Auch bei den sei­ner An­sicht nach viel zu ho­hen Nato-Mit­glieds­bei­trä­gen der USA ist Nuss­mei­er mit Trump auf ei­ner Li­nie.

Ei­ner Mei­nung ist das in die­ser Cau­sa ge­spal­te­ne Evans­vil­le nur in ei­nem Punkt: Auf die Po­li­tik in der Stadt und die part­ner­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen zu Os­na­brück wird Trump kei­nen Ein­fluss ha­ben. Selbst die Rats­vor­sit­zen­de in Evans­vil­le, Mis­sy Mos­by, die selbst De­mo­kra­tin ist, er­klärt ge­las­sen: „Die Leu­te woll­ten ein­fach den kom­plet­ten Wech­sel. In Evans­vil­le wird das aber nichts än­dern. Wir wer­den uns hier im­mer sehr schnell ei­nig, was für un­se­re Stadt am bes­ten ist.“

Und wie gut die Part­ner­schaft mit Os­na­brück für ih­re Stadt ist, zeigt sich nach zwei Ta­gen mit ih­ren Os­na­brü­cker Freun­den am Di­ens­tag­abend. Po­li­tik und Wirt­schaft er­klä­ren beim Abend­es­sen uni­so­no: „Zur Mai­wo­che kom­men wir nächs­tes Jahr nach Os­na­brück.“Greg Wa­then von der Wirt­schafts­för­de­rung ist von dem Er­folg der Part­ner­schaft über­zeugt: „Die­ser ers­te Be­such ei­ner Os­na­brü­cker De­le­ga­ti­on in Evans­vil­le wird si­cher nicht der letz­te ge­we­sen sein.“

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