Mil­des und Her­bes an zwei Or­geln

Han­no­ve­ra­ner Kan­tor Ul­fert Smidt spiel­te im Os­na­brü­cker Dom

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Von Jan Kamp­mei­er

Do­mi­ni­que Sau­er bit­tet die Zu­hö­rer nach vor­ne. Man mö­ge doch ne­ben der Cho­r­or­gel Platz neh­men, denn dort be­ginnt Ul­fert Smidt sein Kon­zert im Dom. Ein rei­zen­des In­stru­ment sei das, sagt Do­mi­ni­que Sau­er, und ziem­lich mild. Die­se Cha­rak­te­ri­sie­rung passt ja auch gut zu drei Stü­cken von Jo­sef Rhein­ber­ger, die da­her auf die­ser Or­gel gut auf­ge­ho­ben sind. Der „Um­zug“lohnt sich, denn so kann man den Or­ga­nis­ten beim Kon­zert so­gar ein­mal se­hen. Aus der Nä­he klingt die Cho­r­or­gel au­ßer­dem doch kräf­ti­ger als ge­dacht. Noch nicht so sehr im zar­ten „Abend­frie­den“, da­für aber be­son­ders in ei­ner Fu­ghet­te, die Ul­fert Smidt vol­ler re­gis­triert. Dann wech­selt er zur gro­ßen Or­gel, und die Zu­hö­rer keh­ren der­weil ins Haupt­schiff zu­rück.

Das Pro­gramm die­ses drit­ten Kon­zerts be­steht aus lau­ter klei­ne­ren Stü­cken un­ter oder um fünf Mi­nu­ten, die nächs­ten zwei sind von Bach. Ul­fert Smidt spielt das Prä­lu­di­um BWV 532 oh­ne die zu­ge­hö­ri­ge Fu­ge, doch er schließt das Cho­ral­vor­spiel „Ein fes­te Burg“BWV 720 so dicht an, als wür­den die bei­den Stü­cke zu­sam­men­ge­hö­ren. Un­ge­wöhn­li­che Klang­far­ben hat der Or­ga­nist da­für teil­wei­se zu­sam­men­ge­stellt, ins­ge­samt aber eher sanft.

Viel di­cker ge­setzt und kräf­ti­ger re­gis­triert klingt der­sel­be Cho­ral, be­ar­bei­tet von Max Re­ger. Von ihm ste­hen drei Stü­cke auf dem Pro­gramm, die aber al­le nicht zu sei­nen gro­ßen Ka­lo­ri­en­bom­ben ge­hö­ren. Ein Stück mit dem sch­lich­ten Ti­tel Me­lo­dia klingt in der Har­mo­nik her­ber als Rhein­ber­ger, doch in der Um­set­zung mit wei­cher Re­gis­trie­rung und dich­tem Le­ga­to hat es Ähn­lich­kei­ten.

Mit der zu­neh­mend star­ken Re­gis­trie­rung zieht Ul­fert Smidt das Tem­po an. Vor 200 Jah­ren wur­de Niels Wil­helm Ga­de ge­bo­ren, der Kom­po­nist drei­er Ton­stü­cke freund­li­chen Cha­rak­ters, die vor zwei Stü­cken von Oli­vier Mes­sia­en ste­hen.

Fo­to: Her­mann Pen­ter­mann

Ul­fert Smidt, Kan­tor der Markt­kir­che Han­no­ver, kam zur Do­m­or­gel­mu­sik nach Os­na­brück.

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