OLG: Vor­ab­ver­gü­tun­gen auf Me­dien­brie­fe müs­sen zu­rück­ge­zahlt wer­den

In­ves­to­ren der un­ter­ge­gan­ge­nen „Os­na­brü­cker Sonn­tags­zei­tung“dro­hen schmerz­haf­te fi­nan­zi­el­le Fol­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land - Von Franz-Jo­sef Ra­ders

Der Un­ter­gang der „Os­na­brü­cker Sonn­tags­zei­tung“wird für vie­le In­ves­to­ren wohl noch schmerz­haf­te fi­nan­zi­el­le Fol­gen ha­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt Ol­den­burg hat am Mitt­woch in drei Be­ru­fungs­ver­fah­ren ent­schie­den, dass die Käu­fer der so­ge­nann­ten Me­dien­brie­fe die dar­auf vom Ver­le­ger Nor­bert Fuhs ge­zahl­ten Ver­gü­tun­gen dem In­sol­venz­ver­wal­ter er­stat­ten müs­sen.

Ob auch die Ein­la­gen über je­weils 5000 Eu­ro pro Me­dien­brief für die In­ves­to­ren end­gül­tig ver­lo­ren sind, wur­de vom OLG nicht be­ra­ten und nicht ent­schie­den. In ei­nem vier­ten, ähn­lich ge­la­ger­ten Be­ru­fungs­ver­fah­ren soll das Ur­teil nach An­ga­ben ei­ner Ge­richts­spre­che­rin am 7. Ju­ni ver­kün­det wer­den.

Re­vi­si­on zu­ge­las­sen

Dass der In­sol­venz­ver­wal­ter der „Os­na­brü­cker Sonn­tags­zei­tung“tat­säch­lich rasch die über Jah­re ge­zahl­ten Vor­ab­ver­gü­tun­gen von den stil­len Teil­ha­bern zu­rück­be­kommt, ist in­des un­wahr­schein­lich. Ein end­gül­ti­ges Ur­teil ist der Ol­den­bur­ger Rich­ter­spruch näm­lich ge­wiss noch nicht. We­gen wi­der­sprüch­li­cher Ent­schei­dun­gen zwei­er Ober­lan­des­ge­rich­te ist ei­ne Re­vi­si­on ge­gen die Be­schlüs­se vom Mitt­woch (Az. 1U25/16, 1U30/16 und 1U31/16) vor dem Bun­des­ge­richts­hof zu­ge­las­sen wor­den. Bis der BGH dar­über ent­schei­det, kann es nach Ex­per­ten­ein­schät­zung aber noch ein paar Jah­re dau­ern.

Der 1. Se­nat des OLG Ol­den­burg hat­te be­reits am ers­ten Pro­zess­tag im April kei­ner­lei Zwei­fel dar­an ge­las­sen, dass es sich bei den von Ver­le­ger Fuhs her­aus­ge­ge­be­nen Me­dien­brie­fen um die Be­tei­li­gung an ei­nem Ge­sell­schafts­ver­trag han­de­le. Des­halb sei­en die stil­len Teil­ha­ber an mög­li­chen Ge­win­nen, aber auch an Ver­lus­ten zu be­tei­li­gen.

Mit sei­nem Ur­teil hat das OLG ei­ne von meh­re­ren ähn­li­chen Ent­schei­dun­gen des Land­ge­richts Os­na­brück be­stä­tigt. Ein An­le­ger, der 16 Me­dien­brie­fe zu je­weils 5000 Eu­ro ge­zeich­net hat­te, woll­te so­wohl die­se Ein­la­gen zu­rück­be­kom­men als auch die re­gel­mä­ßig von der Enorm Ver­lags­ge­sell­schaft ge­zahl­ten so­ge­nann­ten Vor­ab­ver­gü­tun­gen be­hal­ten – ver­geb­lich.

Der Vor­sit­zen­de Rich­ter des 1. OLG-Se­nats hat­te die Fi­nan­zie­rung der „Os­na­brü­cker Sonn­tags­zei­tung“als ein be­trü­ge­ri­sches Schnee­ball­sys­tem be­zeich­net. In ei­nem Schrei­ben an den An­le­ger mit den 16 Me­dien­brie­fen ha­be Fuhs 2007 selbst ganz un­ver­blümt ein­ge­räumt, dass er bei der Kün­di­gung die­ses Ver­trags zur Rück­zah­lung der Ein­la­ge erst wie­der in der La­ge sei, wenn neue Me­dien­brie­fe ge­zeich­net wür­den. Da­mit ha­be der Ver­le­ger sei­ne Zah­lungs­un­fä­hig­keit und auch das Schnee­ball­sys­tem selbst ein­ge­räumt, hat­te der Rich­ter schon bei der münd­li­chen Ver­hand­lung im April fest­ge­stellt. Und Fuhs ha­be all dies nicht ein­mal miss­ver­ständ­lich for­mu­liert.

Mehr als 50 Zi­vil­ver­fah­ren hat es um die fi­nan­zi­el­le Au­f­ar­bei­tung der Zei­tungs­plei­te schon ge­ge­ben. Soll­te es sich bei den Zah­lun­gen durch ein letzt­in­stanz­li­ches Ur­teil um Vor­ab­ver­gü­tun­gen auf zu er­war­ten­de Ge­win­ne ge­han­delt ha­ben, kann In­sol­venz­ver­wal­ter Klaus Nie­mey­er von den Me­dien­brief-In­ha­bern die Aus­schüt­tun­gen zu­min­dest der letz­ten vier Jah­re zu­rück­for­dern. Er stuft die Zah­lun­gen ju­ris­tisch als Schen­kun­gen ein.

Das Ge­samt­vo­lu­men die­ser For­de­run­gen be­zif­fert Nie­mey­er auf 1,14 Mil­lio­nen Eu­ro. Das Geld soll in die In­sol­venz­mas­se flie­ßen, aus der die Gläu­bi­ger der Enorm Ver­lags­ge­sell­schaft be­dient wer­den. Da­zu ge­hö­ren Lie­fe­ran­ten, das Fi­nanz­amt, So­zi­al­ver­si­che­run­gen – und ganz am En­de der Lis­te auch die Me­dien­brief-In­ha­ber selbst als stil­le Ge­sell­schaf­ter.

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