Hör mal, wer da bellt

For­scher: Mensch ver­steht Lau­te des Hun­des nicht im­mer – Han­dy-App in Ar­beit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Dass der bes­te Freund des Men­schen des­sen Stim­mung sehr gut deu­ten kann, ist be­kannt. Um­ge­kehrt funk­tio­niert es lei­der nicht so gut, wie For­scher nun her­aus­ge­fun­den ha­ben. Bald könn­te die mo­der­ne Tech­nik Ab­hil­fe schaf­fen.

Von Jörg Zitt­lau

BRE­MEN. Wau! Wuff! Knurr! Was will uns der Hund mit die­sen Lau­ten sa­gen? Stu­di­en der letz­ten Jah­re zeig­ten, dass er ein hoch­sen­si­bler Men­schen­ver­ste­her mit Ge­spür für Nuan­cen ist. Doch wie sieht es um­ge­kehrt aus, ver­ste­hen wir auch den Hund? Ein For­scher­team der Uni­ver­si­tät Bu­da­pest hat er­mit­telt: Sein Bel­len ver­ste­hen wir recht gut – doch beim Knur­ren lie­gen wir oft da­ne­ben.

Die un­ga­ri­schen Wis­sen­schaft­ler spiel­ten 40 Män­nern und Frau­en ins­ge­samt 200 Auf­nah­men vor, in de­nen man Hun­de­bel­len in un­ter­schied­li­chen Si­tua­tio­nen fest­ge­hal­ten hat­te. Es zeig­te sich, dass die Pro­ban­den recht zu­ver­läs­sig un­ter­schei­den konn­ten, ob die Tie­re ge­ra­de droh­ten, spiel­ten oder ängst­lich wa­ren. Sie ori­en­tier­ten sich da­bei vor al­lem an der Län­ge und Ton­hö­he der ein­zel­nen Lau­te.

Der Mensch weiß al­so mit dem Bel­len der Vier­bei­ner durch­aus et­was an­zu­fan­gen. „Doch das kann nicht wirk­lich ver­wun­dern“, er­klärt Stu­di­en­lei­ter Ta­mas Fa­ra­go. „Denn der Wolf konn­te noch nicht bel­len.“Die­se Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form ha­be erst der Hund in sei­ner Evo­lu­ti­on ent­wi­ckelt, um vom Men­schen ver­stan­den zu wer­den.

Wir ver­ste­hen al­so das Bel­len in ers­ter Li­nie des­halb, weil es der Vier­bei­ner ex­tra für uns ein­ge­rich­tet hat – und nicht weil wir so fein­füh­lig sind.

Die Ver­hal­tens­for­scher ha­ben da­her in ei­ner an­de­ren Stu­die un­ter­sucht, ob der Mensch auch das Knur­ren von Hun­den ver­steht. Denn das ha­ben sie sich vom Wolf be­wahrt, es ist al­so nicht ei­gens auf das Hör­ver­ständ­nis des Ho­mo sa­pi­ens ab­ge­stimmt. Der Auf­bau des Tests

war ähn­lich wie beim Bel­len: Man spiel­te den Pro­ban­den zur Beur­tei­lung ver­schie­de­ne Knurr-Ver­sio­nen vor, die man von spie­len­den, wü­ten­den oder ängst­li­chen Tie­ren ein­ge­sam­melt hat­te.

Das Er­geb­nis: Das spie­le­ri­sche Knur­ren wur­de im­mer­hin noch in 81 Pro­zent al­ler Fäl­le rich­tig er­kannt. Doch beim ängst­li­chen Knur­ren la­gen die Pro­ban­den in je­dem zwei­ten Fall da­ne­ben, und beim wü­ten­den Knur­ren war die Tref­fer­quo­te nur un­we­sent­lich

bes­ser. Im­mer­hin er­ziel­ten er­fah­re­ne Hun­de­hal­ter in dem Test recht gu­te Er­geb­nis­se, was zeigt, dass man ler­nen kann, den Hund zu ver­ste­hen. Und die weib­li­chen Pro­ban­den schnit­ten – zu­min­dest re­la­tiv zu den Män­nern – eben­falls gut ab. „Es ist ja be­kannt, dass Frau­en ei­ne hö­he­re emo­tio­na­le Sen­si­ti­vi­tät ha­ben“, er­läu­tert Fa­ra­go, „und das hilft ih­nen ver­mut­lich auch da­bei, das Knur­ren ei­nes Hun­des rich­tig ein­zu­ord­nen.“

Män­ner kön­nen sich je­doch trös­ten, dass sie dem­nächst Hil­fe beim Hun­de-Ver­ste­hen be­kom­men. Denn in Bu­da­pest ar­bei­tet man an ei­ner Da­ten­bank, in der die un­ter­schied­li­chen Hun­de­si­gna­le in ih­rer je­wei­li­gen Be­deu­tung er­fasst sind. Am En­de könn­te man dann ei­ne Han­dy-App ent­wi­ckeln, die uns ge­nau mit­tei­len kann, was uns ein Hund ge­ra­de zu sa­gen hat, so­dass wir an­ge­mes­sen re­agie­ren kön­nen. So­fern er uns noch die Zeit da­zu lässt.

Was hat er nur? Zwi­schen Hund und Zwei­bei­ner gibt es manch­mal Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me. Fo­to: dpa

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