Die Tech­nik über­nimmt das Gärt­nern – teil­wei­se

Be­wäs­se­rungs­steue­rung, Mäh­ro­bo­ter und Pflanzen­sen­so­ren: Der Trend geht zum „Smart Gar­den“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Von Loui­sa Rie­pe

Auf der Lie­ge lie­gen, statt den Ra­sen zu mä­hen. Mit den Kin­dern spie­len, statt die Bee­te zu wäs­sern. Mu­sik und TV in den Gar­ten ho­len, an­statt drau­ßen auf Un­ter­hal­tung zu ver­zich­ten. All die­se Ver­spre­chen macht der „Smart Gar­den“. Die in­no­va­ti­ve Tech­nik soll uns die Gar­ten­ar­beit ab­neh­men und das Wohl­füh­l­er­leb­nis im Grü­nen ver­bes­sern.

Chris­ti­an Heu­er, Gar­ten­bau­tech­ni­ker aus Bis­sen­dorf, wird von sei­nen Kun­den im­mer häu­fi­ger auf die Tech­nik im Grü­nen an­ge­spro­chen. Am stärks­ten ge­fragt ist der Ra­sen­mäh­ro­bo­ter. „Der ge­hört ei­gent­lich zu fast je­dem neu­en Gar­ten, den wir pla­nen“, sagt Heu­er. Er hat aber noch viel mehr in pet­to: au­to­ma­ti­sche Be­wäs­se­rungs­sys­te­me zum Bei­spiel, Licht­und Mu­sik­an­la­gen, Was­ser­spie­le und Vi­deo­über­wa­chung. „Smart Gar­den“be­deu­tet für ihn vor al­lem „die gan­ze Tech­nik im Gar­ten

über ein Ge­rät, näm­lich ein Smart­pho­ne oder Ta­blet, steu­ern zu kön­nen“.

Das funk­tio­niert nur mit Ver­net­zung. Je­des ein­zel­ne Ele­ment der Gar­ten­tech­nik – von der Steck­do­se bis zum Sprink­ler – muss mit Strom ver­sorgt und ans W-Lan an­ge­schlos­sen wer­den. Heu­er und sein Team ver­le­gen des­halb bei ih­ren Gar­ten­bau­pro­jek­ten so ei­ni­ge Me­ter Ka­bel. Im Ide­al­fall ge­nü­gen da­nach schon ein paar Klicks, da­mit

klei­ne Sprink­ler voll­au­to­ma­tisch die nä­he­re Um­ge­bung wäs­sern. Na­tür­lich lässt sich al­les auch auf ei­nen re­gel­mä­ßi­gen Rhyth­mus pro­gram­mie­ren, so­dass der Gärt­ner selbst kei­nen Fin­ger mehr krüm­men muss.

Und die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten ent­wi­ckeln sich ra­sant wei­ter. In­no­va­tio­nen kom­men nicht nur aus den gro­ßen Un­ter­neh­men, son­dern auch von zahl­rei­chen Grün­dern. Ein Bei­spiel ist das Start-up Gre­en IQ. Das Team aus Is­ra­el hat ei­ne Be­wäs­se­rungs­steue­rung ent­wi­ckelt, die au­to­ma­tisch die Wet­ter­vor­her­sa­ge mit­be­rück­sich­tigt. Die US-Fir­ma Edyn ver­treibt Sen­so­ren, die Da­ten wie die Bo­den­feuch­tig­keit und den Licht­ein­fall di­rekt an der Pflan­ze mes­sen und da­nach die be­nö­tig­te Was­ser­men­ge steu­ern oder den Gärt­ner ans Dün­gen er­in­nern.

Aber auch im deutsch­spra­chi­gen Raum tut sich et­was: Der Schwei­zer Phil­lip Bol­lin­ger brach­te ab 2009 mit sei­nem Start-up Kou­ba­chi ei­nen sen­sor­ge­steu­er­ten Pflan­zen­pfle­ge-As­sis­ten­ten auf den Markt. In­zwi­schen hat er sich dem Bran­chen­rie­sen Gar­de­na an­ge­schlos­sen. Das er­klär­te Ziel der Zu­sam­men­ar­beit ist ei­ne voll­au­to­ma­ti­sche Steue­rung des hei­mi­schen Gar­tens.

Denn bis­her gibt es zwar schon Pflanzen­sen­so­ren, ei­nen Be­wäs­se­rungs­com­pu­ter und den Ra­sen­mäh­ro­bo­ter. Aber bis das Er­leb­nis Gar­ten als Gan­zes „smart“ist, blei­ben noch ein paar Wün­sche of­fen. Das be­ginnt schon bei der Steue­rung der Tech­nik: Die vie­len un­ter­schied­li­chen Sys­te­me im Gar­ten müs­sen der­zeit mit ei­ner eben­so gro­ßen An­zahl ver­schie­de­ner Apps be­dient wer­den. Die Her­stel­ler ko­ope­rie­ren noch nicht mit­ein­an­der.

Und ganz prak­tisch wird der Gärt­ner ge­wis­se Ar­bei­ten – wie das Schnei­den der He­cke – auch in nächs­ter Zu­kunft noch selbst über­neh­men müs­sen.

Fo­to: dpa

Die Ro­bo­ter­tech­nik hält Ein­zug in das Gärt­nern. Die­sem Mäh­ro­bo­ter ha­ben Spaß­vö­gel ein Plas­tik­schaf auf­ge­setzt.

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