Ein Quo­ten­hit – dank Trump

TV-Sa­ti­re­show „Sa­tur­day Night Li­ve“hat sich in den USA zur Kult­sen­dung ent­wi­ckelt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen -

Es gibt nur ei­nen Mann in Ame­ri­ka, der es mit auf­fäl­lig blon­dem Haar, ge­schürz­ten Lip­pen, zu­ge­knif­fe­nen Au­gen und ab­sur­den Sprü­chen mit Do­nald Trump auf­neh­men kann: Alec Bald­win, Hol­ly­wood-Schau­spie­ler und Trump-Darstel­ler in der Sa­ti­re­show „Sa­tur­day Night Li­ve“beim Sen­der NBC.

Von Tho­mas Sei­bert

Seit sei­nem ers­ten Auf­tritt als Trump im Ok­to­ber hat Bald­win mit sei­ner Prä­si­den­ten­fi­gur ab­so­lu­ten Kult­sta­tus er­reicht, eben­so wie sei­ne Kol­le­gin Me­lis­sa McCar­thy, die Prä­si­den­ten­spre­cher Se­an Spi­cer als gro­tes­ken Cho­le­ri­ker por­trä­tiert. Trump selbst hat die Show mehr­fach scharf kri­ti­siert. Trotz­dem – oder ge­ra­de des­halb – fei­er­te „Sa­tur­day Night Li­ve“in der ge­ra­de be­en­de­ten Sai­son Er­fol­ge wie schon lan­ge nicht mehr.

Seit mehr als 40 Jah­ren ge­hört die Sams­tag­abend-Show zur US-Fern­seh­tra­di­ti­on. Po­li­ti­sche Sa­ti­re ist schon im­mer ein Markenzeichen der Sen­dung, aber der ganz gro­ße Er­folg war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren aus­ge­blie­ben.

Trump hat das ge­än­dert: „Sa­tur­day Night Li­ve“er­lebt ei­ne Re­nais­sance und ist wie­der zum Quo­ten­hit ge­wor­den. Zu­letzt er­reich­te die Show im Durch­schnitt rund acht Mil­lio­nen Zu­schau­er, fast zwei­ein­halb Mil­lio­nen mehr als im ver­gan­ge­nen Jahr. Wer­den die Fans hin­zu­ge­rech­net, die sich ei­ne Epi­so­de in den Ta­gen nach der

Erst­aus­strah­lung an­se­hen, steigt die Zu­schau­er­zahl auf mehr als zehn Mil­lio­nen. Ins­ge­samt war die am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de ab­ge­schlos­se­ne 42. Staf­fel der Sen­dung die er­folg­reichs­te seit mehr als 20 Jah­ren. In­zwi­schen wird die Show als An­wär­ter für den Fern­seh­preis Em­my ge­han­delt.

Die Trump-Sket­che aus der Sen­dung wer­den re­gel­mä­ßig von den gro­ßen Nach­rich­ten­sen­dern zi­tiert. Auf YouTube fei­ern die Hö­he­punk­te der Sen­dun­gen wei­te­re Er­fol­ge. Ein Drei-Mi­nu­ten-Clip aus der Ab­schieds­sen­dung der 42. Staf­fel, in dem Su­per­star Scar­lett Jo­hans­son als Ivan­ka Trump auf­trat, wur­de auf der Vi­deo­platt­form in­ner­halb we­ni­ger Ta­ge mehr als vier Mil­lio­nen Mal an­ge­klickt. Ei­ni­ge

High­lights er­reich­ten noch mehr Zu­schau­er.

So sind Bald­wins Trump und McCar­thys Spi­cer zu Iko­nen der US-Po­pu­lär­kul­tur ge­wor­den. Ähn­li­ches gilt für Beck Ben­netts Darstel­lung des stets bar­brüs­ti­gen und – we­gen der rus­si­schen Ein­grif­fe in den Wahl­kampf – durch­weg blen­dend ge­laun­ten Wla­di­mir Pu­tin oder den Sen­sen­mann mit To­ten­kopfGe­sicht als Trumps düs­ter­po­pu­lis­ti­schen Chef­stra­te­gen Ste­phen Ban­non.

Ab­sur­de Über­trei­bun­gen bil­den das Grund­re­zept der Wit­ze in der Show – wo­bei die Sa­ti­re mit­un­ter sehr dick auf­tra­gen muss, um mit den Ent­wick­lun­gen in der Wirk­lich­keit mit­hal­ten zu kön­nen. Ka­te McKin­non, die in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten in der

Show un­ter an­de­rem Hil­la­ry Cl­in­ton spiel­te, sag­te dem „Hol­ly­wood Re­por­ter“, die Aus­ein­an­der­set­zun­gen im Wahl­kampf sei­en teil­wei­se so bit­ter­bö­se ge­we­sen, dass das Team nicht mehr ge­wusst ha­be, wie man dar­auf re­agie­ren sol­le. Doch Trumps Re­gie­rung lie­fert im­mer neue Im­pul­se. So pflüg­te McCar­thy in ei­ner be­son­ders er­folg­rei­chen Epi­so­de als Trum­pSpre­cher Spi­cer mit ei­nem fahr­ba­ren Pult wut­schnau­bend durch die Men­ge der Jour­na­lis­ten im Wei­ßen Haus.

Auch Trumps ech­te Mann­schaft im Prä­si­di­al­amt schaut of­fen­bar zu. Bald­win be­rich­te­te im „Hol­ly­wood Re­por­ter“, er sei von ei­nem Ka­bi­netts­mit­glied auf die Sen­dung an­ge­spro­chen wor­den, der ihm be­schei­nigt ha­be, Trump ver­hal­te sich tat­säch­lich so, wie „Sa­tur­day Night Li­ve“es dar­stel­le.

Nur ei­ner fin­det das al­les über­haupt nicht wit­zig, und das ist der ech­te Do­nald Trump. „Wirk­lich schlech­tes Fern­se­hen“, twit­ter­te der 70jäh­ri­ge im Ja­nu­ar. Seit­dem hat er sich nicht mehr zu Bald­wins Team ge­äu­ßert; mög­li­cher­wei­se will der Prä­si­dent der Sa­ti­re-Show nicht noch mehr Auf­merk­sam­keit ver­schaf­fen. Laut Pres­se­be­rich­ten schal­tet Trump trotz­dem wei­ter je­den Sams­tag­abend NBC ein.

Der Prä­si­dent muss sich dar­auf ein­stel­len, ab Herbst in Staf­fel 43 wei­ter re­gel­mä­ßig durch den Ka­kao ge­zo­gen zu wer­den. Schon jetzt wird die Bit­te an Trump laut, den an­ge­schla­ge­nen Se­an Spi­cer bis da­hin nicht zu ent­las­sen, weil die Na­ti­on sonst auf McCar­thys Par­odie ver­zich­ten müss­te.

Doch „Sa­tur­day Night Li­ve“könn­te sein wich­tigs­tes Zug­pferd ver­lie­ren. Ob Bald­win nach der Som­mer­pau­se als Trump auf die Bild­schir­me zu­rück­kehrt, ist of­fen. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ist der Schau­spie­ler an den Wo­che­n­en­den im­mer wie­der von Dreh­ar­bei­ten nach New York ge­jet­tet, um Trump zu spie­len. Nun hat Bald­win an­ge­deu­tet, dass er nicht mehr lan­ge den Trump ma­chen will. Mil­lio­nen von Ame­ri­ka­nern – und der Sen­der NBC – hof­fen, dass sich der 58-jäh­ri­ge ei­nen Ruck ge­ben und im Herbst wie­der­kom­men wird.

Fo­to: Will He­ath/NBC/AP/dpa

Zehn Mil­lio­nen se­hen zu, wenn Alec Bald­win, ver­klei­det als US-Prä­si­dent Trump, in der TVShow „Sa­tur­day Night Li­ve“auf­tritt.

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