Hoch­auf­ge­lös­te Mu­sik

Klingt HiRes Audio wirk­lich bes­ser als CD?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Sein.

Strea­m­ing-Di­ens­te wer­ben ge­nau wie Her­stel­ler von Ab­spiel­ge­rä­ten und Kopf­hö­rern mit HiRes Audio. Was HDTV für die Au­gen ist, soll HD-Audio für die Oh­ren sein. Doch ganz so ein­fach ist es mit der klang­li­chen Beur­tei­lung hoch­auf­lö­sen­der Mu­sik nicht.

Von Jo­chen Wie­loch

ILMENAU. Seit mehr als drei Jahr­zehn­ten ist die CD in den meis­ten deut­schen Wohn­zim­mern zu Hau­se. Das wird erst­mal auch so blei­ben – aber klang­lich hat die Com­pact Disc Kon­kur­renz be­kom­men.

Für Mu­sik­fans soll künf­tig an hoch­auf­lö­sen­den Au­di­oDa­tei­en kein Weg mehr vor­bei­füh­ren. Un­ter dem Schlag­wort High Re­so­lu­ti­on (HiRes) Audio wird ei­ne Qua­li­tät jen­seits der CD ver­spro­chen.

„HiRes Audio ist ein schil­lern­der und nicht klar de­fi­nier­ter Be­griff “, sagt Prof. Kar­lheinz Bran­den­burg, Lei­ter des Fraun­ho­fer-In­sti­tuts für Di­gi­ta­le Me­dien­tech­no­lo­gie in Ilmenau. „Üb­li­cher­wei­se re­den wir von HiRes, wenn die Ab­tast­ra­te des Au­dio­si­gnals und die Auf­lö­sung grö­ßer de­fi­niert sind als im üb­li­chen Was HDTV für die Au­gen ist, Hifi-Be­reich.“

„HiRes-In­hal­te wer­den heu­te prak­tisch aus­schließ­lich in Da­tei­form ge­han­delt, sprich als Down­loads über Por­ta­le wie Hi­gh­res­au­dio.com, Linn­re­cor­ds.com und vie­le an­de­re“, sagt Hi­fiSpe­zia­list Bern­hard Riet­schel. Auch der Strea­m­ing­Dienst Ti­dal bie­tet HiRes-In­hal­te an. „Da­bei setzt Ti­dal auf ein Da­tei­for­mat na­mens MQA, das aber nicht un­um­strit­ten ist.“So er­fol­ge da­mit ei­ne nicht ver­lust­freie Kom­pri­mie­rung. Zu­dem han­de­le es sich um ein ge­schlos­se­nes For­mat, das auf ent­spre­chend li­zen­zier­te Wie­der­ga­be­ge­rä­te an­ge­wie­sen ist.

Zum Ab­spie­len der hoch­auf­lö­sen­den Da­tei­en die­nen ent­we­der PCs oder Macs, die häu­fig mit spe­zi­el­len Ab­spiel­pro­gram­men und ex­ter­nen D/A-Wand­lern ver­edelt wer­den, oder Hifi-spe­zi­fi­sche Netz­werk­spie­ler. Für un­ter­wegs gibt es ei­ne gro­ße Aus­wahl HiRes-taug­li­cher Play­er.

„Zum Hö­ren zu Hau­se braucht man im Mi­ni­mal­fall ei­nen PC“, sagt Riet­schel. „Das ty­pi­sche Hifi-Sze­na­rio be­steht – ne­ben üb­li­chen Kom­po­nen­ten wie Bo­xen und Ver­stär­kern – aus ei­nem hoch­wer­ti­gen Netz­werk­spie­ler, ei­nem NAS-Ser­ver so­wie ei­nem Ta­blet oder Smart­pho­ne zur kom­for­ta­blen Steue­rung.“

Bran­den­burg zu­fol­ge sind die Ab­spiel­ge­rä­te heu­te fast al­le so gut, dass sie auf die Wie­der­ga­be­qua­li­tät hoch­auf­lö­sen­der Au­di­oda­tei­en we­nig bis gar kei­nen Ein­fluss aus­üben. Hin­ge­gen loh­ne es sich, für Laut­spre­cher und Kopf­hö­rer et­was mehr Geld aus­zu­ge­ben, da sie die schwächs­ten Glie­der in der Ket­te sind. „Ob es über­haupt ei­nen klang­li­chen Un­ter­schied zwi­schen CD und HiRes Audio gibt, ist um­strit­ten. Ver­schie­de­ne Hör­tests konn­ten bis­her kei­nen si­gni­fi­kan­ten Un­ter­schied zwi­schen HiRes Audio und der CD nach­wei­sen“, sagt Su­san­ne Rath, Ge­schäfts­feld­lei­te­rin AV- und Pro­duk­ti­ons­sys­te­me vom In­sti­tut für Rund­funk­tech­nik in Mün­chen. Al­ler­dings ge­be es Men­schen, für die HiRes-Da­tei­en we­sent­lich kla­rer und de­tail­rei­cher klin­gen.

Ein an­de­res Bild er­gibt sich, wenn man HiRes Audio nicht im Ver­gleich mit der CD, son­dern mit ver­lust­rei­chen Kom­pri­mie­run­gen wie MP3- oder AAC-Da­tei­en be­trach­tet. Die­se Co­die­run­gen ba­sie­ren dar­auf, dass al­le An­tei­le des Au­dio­si­gnals, die für das mensch­li­che Ge­hör un­hör­bar sind, nicht mit über­tra­gen wer­den. „Dem­ge­gen­über hat HiRes Audio si­cher­lich den kla­ren Vor­teil der sehr gu­ten Qua­li­tät“, sagt Rath.

soll HD-Audio für die Oh­ren Fo­to: Christin Klose

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