Trump ver­prellt die Eu­ro­pä­er

G-7-Gip­fel be­ginnt mit Streit – US-Prä­si­dent: Deut­scher Han­dels­über­schuss ist schlecht

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Die Un­be­re­chen­bar­keit des Donald Trump und die Un­ge­wiss­heit im Kli­ma­schutz und Han­del stür­zen die G-7-Grup­pe der In­dus­trie­län­der in ei­ne schwe­re Kri­se. Gast­ge­ber Italien muss ei­ne schwe­re Schlap­pe hin­neh­men.

US-Prä­si­dent Donald Trump blo­ckiert die Grup­pe der sie­ben füh­ren­den west­li­chen In­dus­trie­na­tio­nen (G7). Auf dem G-7-Gip­fel in Taor­mi­na auf Si­zi­li­en zeig­te sich am Frei­tag gro­ße Un­ei­nig­keit mit den USA über Frei­han­del, Kli­ma­schutz und in der Flücht­lings­kri­se. Al­lein im Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus de­mons­trier­ten die Staats- und Re­gie­rungs­chefs nach dem ver­hee­ren­den An­schlag in Man­ches­ter Ei­nig­keit und si­cher­ten zu, ih­re An­stren­gun­gen zu „ver­dop­peln“.

Trumps Blo­cka­de­hal­tung ver­ur­teil­te die G-7-Grup­pe an­sons­ten aber zur Un­tä­tig­keit. Der US-Prä­si­dent brüs­kier­te auch Gast­ge­ber Italien mit sei­nem Wi­der­stand ge­gen ei­nen um­fas­sen­den Plan zur Be­wäl­ti­gung der Flücht­lings­kri­se. Zu­vor hat­te er die ex­port­star­ken Deut­schen an­ge­grif­fen, in­dem er ih­ren Han­dels­über­schuss „bad, very

bad“(schlecht, sehr schlecht) nann­te. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel wies die Kri­tik als „nicht sach­ge­recht“zu­rück. Es sei be­kannt, dass die Deut­schen mehr in die USA ver­kau­fen, als sie von den Ame­ri­ka­nern kau­fen.

Nach dem Nato-Gip­fel in Brüs­sel blieb Trump auch in Italien auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs. Sein Wi­der­stand ge­gen ge­mein­sa­me Lö­sungs­an­sät­ze

ver­hin­der­te frü­her mög­li­che Kom­pro­mis­se. Es wur­de die Sor­ge ge­äu­ßert, dass Trump die Funk­ti­on und Be­deu­tung der jähr­li­chen Tref­fen der Staats- und Re­gie­rungs­chefs un­ter­gra­be.

Of­fen ist, ob sich die G7 nach den zwei­tä­gi­gen Be­ra­tun­gen im Ab­schluss­do­ku­ment – wie in der Ver­gan­gen­heit – klar für frei­en Han­del und ge­gen Pro­tek­tio­nis­mus aus­spre­chen. Bis­her hat­te die neue US-Re­gie­rung auch im Kreis der gro­ßen In­dus­trie­und Schwel­len­län­der (G20) ein Be­kennt­nis blo­ckiert. Trumps Wirt­schafts­be­ra­ter Ga­ry Cohn sag­te, es ge­he den USA um fai­re Spiel­re­geln.

Im Streit über den Kli­ma­schutz ap­pel­lier­ten Deutsch­land und an­de­re G-7-Län­der an die USA, nicht aus dem Pa­ri­ser Kli­ma­schutz­ab­kom­men aus­zu­stei­gen. „Wir ha­ben sehr vie­le Ar­gu­men­te vor­ge­bracht“, sag­te Mer­kel. Trump ha­be noch kei­ne Ent­schei­dung ge­trof­fen. Al­le an­de­ren ste­hen aber zu dem Ab­kom­men, das die Staa­ten­ge­mein­schaft ver­pflich­tet, den Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen zu ver­rin­gern. Be­ra­ter Cohn sag­te, der US-Prä­si­dent emp­fin­de die Ver­pflich­tun­gen als „un­ge­recht“und schäd­lich für die Wirt­schafts­ent­wick­lung der USA. „Wir müs­sen Vor­schrif­ten los­wer­den, die Wachs­tum be­hin­dern.“

EU-Rats­prä­si­dent Donald Tusk sprach vom „schwie­rigs­ten G-7-Gip­fel seit Jah­ren“. Auch an­de­re Be­ob­ach­ter sa­hen ei­nen „Tief­punkt“in der Ge­schich­te der G 7 und warn­ten vor ei­nem „Rein­fall“. Au­ßer Trump sind auch Ita­li­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent Pao­lo Gen­ti­lo­ni, Frank­reichs Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron so­wie die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May neu in der Run­de. Für den zwei­ten Gip­fel­tag ist ein Tref­fen mit Ver­tre­tern meh­re­rer afri­ka­ni­scher Län­dern ge­plant. G-7-Gast­ge­ber Italien will dann über Mi­gra­ti­on und den Kampf ge­gen Hun­gers­nö­te re­den.

Der Gip­fel der Un­ei­nig­keit beim G-7-Tref­fen der Re­gie­rungs­chefs (von links): Jus­tin Tru­deau (Ka­na­da), An­ge­la Mer­kel (Deutsch­land), Donald Trump (USA), Pao­lo Gen­ti­lo­ni (Italien), Em­ma­nu­el Ma­cron (Frank­reich), Shin­zo Abe (Ja­pan) und The­re­sa May (Groß­bri­tan­ni­en). Fo­to: AFP

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