Zwi­schen Iso­mat­te, Ki­cker und Kir­che

Ju­gend­li­che aus der Re­gi­on un­ter Be­su­chern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Ste­fa­nie Wit­te

„Kek­se!“, stößt ein Mann in Uni­form her­vor und geht auf ei­ne Grup­pe Ju­gend­li­che zu. „Wir ha­ben Kek­se!“Die Te­enager se­hen sich ver­un­si­chert an. Jo­han­na Gü­se macht ei­nen Schritt zu­rück. Die üb­ri­gen Ju­gend­li­chen grei­fen schließ­lich zu. Jo­han­na nicht. Ihr war der Ap­fel von den Grü­nen vor ein paar St­un­den lie­ber. Der But­ton, den es da­zu gab, steckt am Turn­beu­tel, den die 18-Jäh­ri­ge als Ruck­sack trägt. Dar­auf der Spruch „Man sieht nur mit dem Her­zen gut.“

Beim „Markt der Mög­lich­kei­ten“des evan­ge­li­schen Kir­chen­ta­ges kommt die Grup­pe aus Os­na­brück schnell mit den Men­schen ins Ge­spräch. Die Or­ga­ni­sa­to­ren be­schrei­ben die Aus­stel­lung in den rie­si­gen Hal­len der Ber­li­ner Mes­se als Platt­form, auf der Initia­ti­ven und Or­ga­ni­sa­tio­nen aus Kir­che und Ge­sell­schaft ih­re Ar­beit krea­tiv dar­stel­len. Auf grau­en Bo­den­plat­ten steht Stand an Stand. Hier ver­kauft je­mand Wärm­fla­schen­be­zü­ge, dort steht ein Ki­cker, ei­ne Hal­le wei­ter bie­ten Rei­se­ver­an­stal­ter Tou­ren durchs Hei­li­ge Land oder in die Tür­kei an.

„Wo­für steht das Ab­zei­chen?“, fragt Ju­li­an den Bun­des­wehr­sol­da­ten vor ihm. Der 22-Jäh­ri­ge trägt ei­ne Uku­le­le über der Schul­ter, zupft zwi­schen­durch im­mer wie­der die Sei­ten. „Haupt­feld­we­bel“, ant­wor­tet der Sol­dat. Jo­han­na sieht ihn mit zu­sam­men­ge­knif­fe­nen Au­gen­brau­en an. Der Haupt­feld­we­bel streckt ihr das Bast­körb­chen mit den Kek­sen noch ein­mal hin. Jo­han­na lehnt ab. „Wol­len wir wei­ter?“, ruft sie und treibt die Grup­pe an.

Vor­bei an den Pos­tern des Ar­beits­krei­ses „SM und Christ­sein“steu­ern die Ju­gend­li­chen ei­nen Stand zum The­ma Ho­s­piz an. Dort gibt es Äp­fel. Und ei­ne Stell­wand, auf der Kar­tei­kar­ten kle­ben. Über­schrie­ben ist das Gan­ze mit „Be­fo­re I die I want to…“(„Be­vor ich ster­be, möch­te ich…“). Die Ju­gend­li­chen bei­ßen in ih­re Äp­fel, le­sen die Kar­ten, auf die Be­su­cher ih­re Wün­sche ge­schrie­ben ha­ben. „ein­mal nach Neu­see­land“, hat je­mand ge­schrie­ben, „mei­nen Kin­dern ei­nen Brief schrei­ben“ein an­de­rer. Je­mand möch­te im Lot­to ge­win­nen, ein „Uwe“möch­te „…noch mal mit In­grid…“. Ei­ner liest die­sen Halb­satz vor – die an­de­ren la­chen.

Am Mor­gen wa­ren die sechs Ju­gend­li­chen nach ei­ner Nacht auf Iso­mat­ten in ei­ner Schu­le bei Ho­hen­schön­hau­sen ei­ne Drei­vier­tel­stun­de zum Mes­se­ge­län­de ge­fah­ren. Dort ha­ben sie EU-Kom­mis­sar Günther Oet­tin­ger ge­se­hen. The­ma der Dis­kus­si­on: „Wie geht’ s wei­ter mit Europa?“Und, wie geht es wei­ter? „Su­per!“, sagt Jo­han­na und lacht. Oet­tin­ger ha­be von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Europa ge­spro­chen. Ob sie dar­an glau­be? „Nein“, aber es ha­be sich trotz­dem gut an­ge­hört.

Ins­ge­samt neun Te­enager und jun­ge Er­wach­se­ne aus Os­na­brück und Um­ge­bung hat Jo­han­na zu­sam­men­ge­trom­melt. Die 18-Jäh­ri­ge lei­tet in der Mat­thä­us­ge­mein­de ei­ne Ju­gend­grup­pe. Ei­ni­ge der Teil­neh­mer ha­ben sich der Kir­chen­tags­grup­pe an­ge­schlos­sen, an­de­re sind mit Jo­han­na be­freun­det. Auf Hö­he des Pfad­fin­der­stan­des macht die Grup­pe halt. Jo­han­na hat ge­nug. Au­ßer­dem wer­den nun die Hal­len­to­re ge­schlos­sen. Der Tag war lang – aber gut.

Fo­to: Jörn Mar­tens

Jo­han­na Gü­se

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