BER nicht er­wei­tern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Dialog -

Zum Ar­ti­kel „Zu­satz­ter­mi­nal als Spar­va­ri­an­te“über den neu­en Haupt­stadt­flug­ha­fen BER (Aus­ga­be vom 23. Mai).

„In dem Ar­ti­kel wer­den im We­sent­li­chen vier Aus­sa­gen ge­macht:

1. Wir wer­den er­wei­tern. 2. Wir wer­den kos­ten­güns­tig bau­en und kein Geld ver­schwen­den.

3. Kaum Fort­schrit­te an der Groß­bau­stel­le.

4. Wir ge­ben ei­ne Men­ge Geld aus für Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Be­ra­tung.

Zu 1. ,Wir wer­den er­wei­tern‘ : Das ist lei­der kei­ne gu­te Nach­richt. Gern wird ja hier auf den zu er­war­ten­den ra­san­ten An­stieg der Flug­gast­zah­len ver­wie­sen. Da­mit wird dann der an­geb­li­che Zwang zum Flug­ha­fen­aus­bau be­grün­det: Neu­es Ter­mi­nal (Ber­lin), län­ge­re Start­bahn (FMO). Aber nach vier Jahr­zehn­ten un­ge­brems­tem Au­to­bahn-Aus­bau ha­ben wir in Deutsch­land müh­sam ge­lernt: Wer We­ge baut, schafft auch Ver­kehr. Heu­te wis­sen wir es bes­ser: Wir bau­en nicht mehr ei­ne Au­to­bahn in je­des Dorf. Aber Flug­hä­fen. Bei­spiel Kassel, vier Ab­flü­ge pro Tag. Jetzt al­so auch Ber­lin. Da­bei kön­nen wir das für un­se­re Um­welt gar nicht brau­chen: Die Aus­wir­kung auf das glo­ba­le Kli­ma beim Flie­gen ist so, als ob je­der ein­zel­ne Pas­sa­gier die­sel­be Stre­cke al­lein im Au­to fährt – und da­bei noch ein hal­bes Au­to mit­nimmt. Lei­der ist dies nicht nach­hal­tig und so auch nicht zu­kunfts­fä­hig.

Zu 2. ,Wir wer­den kos­ten­güns­tig bau­en und kein Geld ver­schwen­den‘ : Das sa­gen sie al­le im Früh­sta­di­um von Groß­pro­jek­ten. Mit Spar­sam­keits­be­teue­run­gen und güns­ti­gen Zah­len ge­winnt man die Ent­schei­der erst ein­mal für sich. Ist dann das Pro­jekt ein­mal be­schlos­sen, ex­plo­die­ren in der Re­gel die Kos­ten. Faust­for­mel: um den Fak­tor Pi (Pi = 3,1415926...). So auch an der ak­tu­el­len Groß­bau­stel­le des Ber­li­ner Flug­ha­fens. Wir dür­fen al­so ge­spannt sein, wann die Kos­ten des Ber­li­ner Er­wei­te­rungs­ter­mi­nals statt der ver­an­schlag­ten 100 Mil­lio­nen die ma­gi­sche Zahl von 314,1592 Mil­lio­nen Eu­ro er­reicht ha­ben wer­den.

Zu 3. ,Kaum Fort­schrit­te an der Groß­bau­stel­le‘ : Ei­gent­lich kei­ne Nach­richt, die die­sen Na­men ver­dient. Aber ir­gend­et­was muss­te da­zu ja ge­sagt wer­den.

Zu 4. ,Wir ge­ben ei­ne Men­ge Geld aus für Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Be­ra­tung‘ : Auch hier­zu muss­te die Flug­ha­fen­lei­tung Stel­lung be­zie­hen, ob sie woll­te oder nicht. Der par­tei­na­he Be­ra­ter be­kommt – hoch ge­rech­net – im­mer­hin 144000 Eu­ro im Jahr für ,Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ra­tung‘ . Die für die­sen Punkt ver­an­schlag­ten 200000 Eu­ro pro Jahr wer­den wohl nicht rei­chen, denn die Agen­tur MSL hat ja auch noch ei­nen Auf­trag in die­ser Sa­che. Und das ist erst die Be­ra­tung. Die ei­gent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on (par­la­men­ta­ri­sche Aben­de, Be­wir­tung von Ab­ge­ord­ne­ten, An­zei­gen, Wer­be­spots und so wei­ter) hat ja noch ei­nen Ex­tra-Etat, der den für die Be­ra­tung weit über­stei­gen dürf­te. [...]“Klaus Kuhn­ke Os­na­brück

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