Tho­mas Rie­ger zum Käm­me­rer be­stellt

Mehr Kom­pe­ten­zen – CDU be­fürch­tet De­mon­ta­ge der Bür­ger­meis­te­rin

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost - Von Frank Klaus­mey­er

Bei­fall für Tho­mas Rie­ger: Der 53-Jäh­ri­ge ist am Di­ens­tag­abend vom Ge­mein­de­rat mit so­for­ti­ger Wir­kung zum Käm­me­rer be­stellt wor­den.

WES­TER­KAP­PELN. Nur die CDU klatsch­te nicht mit. Denn die Uni­on lehn­te die „Be­för­de­rung“ge­schlos­sen ab, ob­wohl sie die Ar­beit Rie­gers „toll“fin­det, wie der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Wolf­gang Jo­nas ver­si­cher­te.

Mehr zu sa­gen

„Be­för­de­rung“trifft es al­ler­dings nur be­dingt. Rie­ger war bis­lang als Lei­ter der Fi­nanz­ab­tei­lung schon der Käm­me­rer, al­ler­dings nur ein „be­auf­trag­ter“. Als in die­ser Funk­ti­on nun be­stell­ter Käm­me­rer ver­dient Rie­ger zwar nicht mehr als vor­her, er hat aber laut nord­rhein­west­fä­li­scher Ge­mein­de­ord­nung mehr zu sa­gen. So hat er das Recht zur schrift­li­chen Stel­lung­nah­me, so­weit die Bür­ger­meis­te­rin von sei­nem Haus­halts­ent­wurf ab­weicht. Au­ßer­dem darf er in den Be­ra­tun­gen des Ra­tes ei­ne an­de­re Mei­nung zum Haus­halt ver­tre­ten als An­net­te Gro­ßeHeit­mey­er (CDU).

Und Rie­ger kann nun auch, wenn er­for­der­lich, selbst ei­ne Haus­halts­sper­re ver­hän­gen. Die­se Kom­pe­tenz hat­te bis­lang al­lein die Ver­wal­tungs­che­fin. Letzt­ma­lig hat­te Gro­ße-Heit­mey­ers Vor­gän­ger Ull­rich Ho­cken­brink im Jahr 2005 von die­sem In­stru­ment Ge­brauch ge­macht.

Von die­sen neu­en Macht­be­fug­nis­sen war am Di­ens­tag im Rat al­ler­dings nicht die Re­de. Frank Sun­der­mann, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der SPD, be­ton­te, dass der An­trag sei­ner Par­tei als ei­ne Form der Wert­schät­zung für Rie­gers Ar­beit zu se­hen sei. Die Be­auf­tra­gung sei nur ei­ne 1b-Lö­sung ge­we­sen, die Be­stel­lung zum Käm­me­rer wirk­lich erst­klas­sig.

In der ver­gan­ge­nen Wo­che war das The­ma im Haupt­aus­schuss auf An­trag der SPD von der Ta­ges­ord­nung ab­ge­setzt wor­den, weil noch Be­ra­tungs­be­darf mit der Bür­ger­meis­te­rin be­ste­he, die nach wie vor in­fol­ge ei­nes Ver­kehrs­un­falls En­de April krank­ge­schrie­ben ist. Nach­dem Gro­ße-Heit­mey­er ge­gen­über un­se­rer Zei­tung er­klärt hat­te, sie kön­ne auch mit ei­ner Er­wei­te­rung von Rie­gers Kom­pe­ten­zen le­ben, woll­te Sun­der­mann nun „kei­ne wei­te­re Hän­ge­par­tie“und dräng­te auf ei­ne Ent­schei­dung.

CDU: Nicht not­wen­dig

Die CDU sah kei­ne Not­wen­dig­keit, Rie­ger zum Käm­me­rer zu be­stel­len. „Wir sind hier nicht im päd­ago­gi­schen Be­reich, wo ge­lobt wer­den muss“, mein­te Jo­nas. Die CDU wis­se, dass Rie­ger selbst auf die­se Form der Wert­schät­zung gar kei­nen Wert le­ge. „Das größ­te Lob ist, wenn nicht ge­me­ckert wird.“

Für die Christ­de­mo­kra­ten stel­le sich die Fra­ge, war­um die SPD den An­trag erst jetzt stel­le, ob­wohl die Ge­mein­de­ord­nung ei­ne Be­stel­lung zum Käm­me­rer schon seit 2005 zu­las­se. Die in den Ge­set­zes­pa­ra­gra­fen be­schrie­be­nen Kon­flik­te, wie bei­spiels­wei­se das Aus­spre­chen ei­ner Haus­halts­sper­re, ge­be es in Wes­ter­kap­peln gar nicht, son­dern wür­den mit dem An­trag der SPD nur her­bei­ge­re­det.

Schrift­lich leg­te Jo­nas noch ein­mal nach: Die Ab­leh­nung des An­trags be­deu­te kei­nes­wegs ei­ne Kri­tik an der Ar­beit oder der Per­son von Tho­mas Rie­ger. „Je­doch kön­nen und wol­len wir uns nicht an ei­ner De­mon­ta­ge der Bür­ger­meis­te­rin be­tei­li­gen“, er­klär­te der CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de. Ein sol­cher Ver­such der De­mon­ta­ge sei durch die An­trag­stel­lung und Dis­kus­si­on um die Be­stel­lung ei­nes Bei­ge­ord­ne­ten vor knapp zwei Jah­ren vor al­lem durch Jür­gen Schul­te von der Bür­ger­ge­mein­schaft schon ein­mal un­ter­nom­men wor­den, da­mals aber ge­schei­tert. „Wir hal­ten es für be­son­ders stil­los, dass nun der Be­schluss zur Be­stel­lung des Käm­me­rers bei krank­heits­be­ding­ter Ab­we­sen­heit der Bür­ger­meis­te­rin her­bei­ge­führt wur­de“, so Jo­nas.

„Über­haupt kei­ne Be­den­ken“ge­gen die Be­stel­lung hat­te die Bür­ger­ge­mein­schaft. Auch wenn es die Mög­lich­keit da­zu schon seit zwölf Jah­ren ge­be, sei dies heu­te nicht zu spät. Die Ar­gu­men­ta­ti­on von Jo­nas „geht völ­lig an der Sa­che vor­bei“, mein­te Schul­te.

Wes­ter­kap­pelns Käm­me­rer Tho­mas Rie­ger hat ab so­fort mehr Kom­pe­ten­zen in der Aus­ga­ben­po­li­tik – zu­min­dest auf dem Pa­pier. Fo­tos: Frank Klaus­mey­er

Rund 23,5 Mil­lio­nen Eu­ro ste­hen der Ge­mein­de Wes­ter­kap­peln die­ses Jahr im Er­geb­nis­plan des Haus­hal­tes zur Ver­fü­gung.

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