„Di­la­ra fragt auch schon …“

VfL-Ka­pi­tän Sav­ran über Fuß­ball im Al­ter und sei­ne schwe­re Ver­let­zung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional - Von Stefan Al­ber­ti

Kran­ken­be­such in Ber­lin. Ha­lil Sav­ran schuf­tet in der Re­ha für sein Come­back – und wir re­den mit dem Ka­pi­tän des VfL Os­na­brück über Fuß­ball im Al­ter, sei­ne schwe­re Ver­let­zung und über die ak­tu­el­len Ent­wick­lun­gen.

Herr Sav­ran, auch wenn Sie es der­zeit nur aus der Fer­ne be­ob­ach­ten: Wie ge­hen Sie mit den Ma­ni­pu­la­ti­ons­vor­wür­fen ge­gen Ih­re drei Team­kol­le­gen um? We­gen der lau­fen­den Er­mitt­lun­gen kann ich da­zu nur we­nig sa­gen. Nur so viel: Die­ses The­ma passt nicht zum Cha­rak­ter der Mann­schaft. Ich bin mir si­cher, dass zu­min­dest zwei der drei sich nicht im Kla­ren dar­über wa­ren, was für ei­ne Rie­sen­dumm­heit sie be­gan­gen ha­ben.

Schau­en wir zur Ab­wechs­lung auf Ih­ren Knor­pel­scha­den. Für vie­le Sport­ler be­deu­tet ei­ne sol­che Ver­let­zung das Kar­rie­re­en­de. Ich weiß. Am An­fang hat­te ich erst Angst, dass es ein Kreuz­band­riss ist. Kreuz­band­riss statt Knor­pel­scha­den wä­re mir dann so­gar lie­ber ge­we­sen. Aber: Ich bin über­haupt nicht ne­ga­tiv ein­ge­stellt. Seit der OP ar­bei­te ich mit po­si­ti­ven Ge­dan­ken an mei­nem Come­back. Und bis­her ist die Re­ha po­si­tiv ver­lau­fen. Ich ver­schwen­de kei­ne Ge­dan­ken an ein Kar­rie­re­en­de.

Die ab­ge­lau­fe­ne Sai­son mein­te es ins­ge­samt nicht ge­ra­de gut mit Ih­nen. Im Sep­tem­ber der Mit­tel­fuß­bruch, dann im Ja­nu­ar der Knor­pel­scha­den. Ist Ih­nen da nicht durch den Kopf ge­gan­gen, dass Sie viel­leicht zu alt für die­sen Job sind? (Lacht) Zu alt? Hal­lo, für mein Al­ter und für mei­ne Spiel­po­si­ti­on brin­ge ich noch al­les mit. Ein Mit­tel­fuß­bruch hat nichts mit dem Al­ter zu tun. Und ei­nen Knor­pel­scha­den hat­ten auch schon viel jün­ge­re Spie­ler. Im Üb­ri­gen ha­be ich schon vie­le Ver­let­zun­gen weg­ge­steckt.

Die Lis­te ist lang.

Oh ja. An­ge­fan­gen hat es mit zwei Hand­brü­chen. Dann Riss im Sprung­ge­lenk, Syn­des­mo­se-Riss, Schul­ter aus­ge­ku­gelt, Au­gen­höh­le ge­bro­chen – und jetzt noch die Ver­let­zun­gen in Os­na­brück. Mitt­ler­wei­le ha­be ich schon die sieb­te OP hin­ter mir. Ich ge­he aber fest da­von aus, dass ich in der neu­en Sai­son dem Team und der Mann­schaft wie­der hel­fen kann. War­um fin­det ein Groß­teil der Re­ha in Ber­lin statt? Dem Trai­ner ist es auch wich­tig, dass ich mich wäh­rend der Re­ha wohl­füh­le. Hier lebt mei­ne Fa­mi­lie. Mehr muss ich da­zu wohl nicht sa­gen. Der Kon­takt zur Re­ha hier in Ba­bels­berg ist über Chris­ti­an Groß zu­stan­de ge­kom­men. „Gros­so“hat frü­her in Ba­bels­berg ge­spielt. Ich weiß gar nicht, wie ich es aus­ge­hal­ten hät­te, wenn ich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten im­mer in Os­na­brück ge­we­sen wä­re, oh­ne Fuß­ball spie­len zu kön­nen.

Sie pen­deln täg­lich von Ih­rem Wohn­sitz Lich­ten­berg zur Re­ha nach Ba­bels­berg?

Und Di­la­ra ist stolz, Ih­rem Pa­pa hel­fen zu kön­nen?

Wie ist der Zeit­plan? So ist es. Aber nicht mit dem Au­to. Das sind je­den Tag 50 bis 60 Ki­lo­me­ter pro Weg. Das macht mit dem Au­to kei­nen Spaß. Ich ha­be ei­ne sehr gu­te S-Bahn-Ver­bin­dung. Für die Stre­cken zur S-Bahn-Sta­ti­on und zu­rück darf ich den Rol­ler mei­ner klei­nen Toch­ter Di­la­ra be­nut­zen. Sie hat ihn zu Os­tern be­kom­men – und leiht ihn mir aus. Und wie. Sie ist jetzt sechs Jah­re alt. Di­la­ra fragt mich auch schon die gan­ze Zeit, wann ich wie­der ins Sta­di­on ge­he, um zu spie­len. Sie ist dann na­tür­lich da­bei.

Ich will zur Sai­son­vor­be­rei­tung wie­der in Os­na­brück sein. Da ist dann si­cher noch nicht so­fort an Mann­schafts­trai­ning zu den­ken. Ich wer­de dann wie­der fuß­ball­spe­zi­fi­sche Übun­gen ma­chen kön­nen. Jetzt ein ge­nau­es Da­tum für das Come­back zu nen­nen wä­re zu ge­wagt. Sie ken­nen mich: Ich ar­bei­te, ar­bei­te und ar­bei­te – und will be­stimmt nicht erst wie­der 2018 spie­len.

Um­so er­staun­li­cher ist es, dass der VfL in der Pha­se der Ver­let­zung Ih­ren Ver­trag bis zum 30. Ju­ni 2018 ver­län­gert hat. Ab­so­lut. Wir wa­ren aber schon vor­her in Ge­sprä­chen. Ich sa­ge es ger­ne noch ein­mal: Dass der VfL das ge­macht hat, ist nicht selbst­ver­ständ­lich. Dar­über bin ich sehr glück­lich, so ein Si­gnal gibt mir zu­sätz­li­che Mo­ti­va­ti­on.

Der Ver­ein hält Sie da­mit dann of­fen­sicht­lich auch nicht für zu alt. Im Ju­ni wer­den Sie 32 Jah­re alt. (Lä­chelt) Schon?

In man­chen Ver­ei­nen ge­hört man dann be­reits zu den Aus­lauf­mo­del­len. Aus­lauf­mo­dell ist ein Scheiß­wort. Al­so: Ich bin ja nicht blöd. Ich weiß, dass mei­ne fuß­bal­le­ri­sche Uhr lang­sam ab­läuft. Aber wenn ich fit bin, dann kann ich mit mei­nem Ehr­geiz und mei­ner Leis­tung vor­an­ge­hen – und mei­ne Rol­le als Füh­rungs­spie­ler aus­fül­len. Wenn der Tag ir­gend­wann mal kom­men soll­te, dass ich das nicht mehr kann, dann bin ich Rea­list ge­nug, das auch zu­zu­ge­ben.

Der VfL könn­te der Ver­ein sein, bei dem Sie Ih­re Pro­fi­kar­rie­re aus­klin­gen las­sen? Ich kann mir nur sehr schwer vor­stel­len, noch ein­mal für ei­nen an­de­ren Dritt­li­gis­ten zu spie­len, mög­li­cher­wei­se dann auch noch ge­gen den VfL. Das Ver­hält­nis hier zum Trai­ner und zum Um­feld ist schon sehr be­son­ders.

Las­sen Sie uns ab­schlie­ßend noch über die ab­ge­lau­fe­ne Sai­son spre­chen – aus sport­li­cher Sicht. Grund­sätz­lich fällt es mir schwer, über die Leis­tung der Mann­schaft zu spre­chen, wenn ich selbst im in­ne­ren Kern nicht da­bei war – wie in der Rück­run­de. Aber glau­ben Sie mir: Für die­se Mann­schaft war es nicht ein­fach, über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum gleich meh­re­re Füh­rungs­spie­ler kom­pen­sie­ren zu müs­sen – wie eben „Gros­so“und mich. Wenn die Hier­ar­chie dau­er­haft weg­bricht oder dar­an ge­rüt­telt wird, dann dau­ert es, so et­was auf­zu­fan­gen.

Hat der VfL in der er­folg­rei­chen Hin­run­de über sei­ne Ver­hält­nis­se ge­spielt? Das wür­de ich nicht sa­gen. Wir ha­ben schon die­se Qua­li­tät. Aber da bin ich wie­der bei mei­ner vor­he­ri­gen Er­klä­rung: Als ich nach dem KielSpiel im Sep­tem­ber mit mei­nem Mit­tel­fuß­bruch aus­ge­fal­len bin, war „Gros­so“top­fit, wir ha­ben auch wei­ter ge­punk­tet – und uns zum Schluss im De­zem­ber in die Win­ter­pau­se ge­ret­tet. Und bit­te: Wir soll­ten im­mer auf dem Ra­dar ha­ben, dass vor der Sai­son vie­le Jungs aus der Re­gio­nal­li­ga ge­kom­men sind, die sich in der hö­he­ren Klas­se gut be­haup­tet ha­ben.

Mehr noch: „Ot­schi“Wriedt steht auf dem Ein­kaufs­zet­tel ei­ni­ger Zweit­li­gis­ten. Was wür­den Sie ihm ra­ten? Er wird wis­sen, dass er nicht bei je­dem Ver­ein so ei­ne Chan­ce wie bei uns be­kom­men hät­te. „Ot­schi“brauch­te auch erst acht Spie­le, bis er zum ers­ten Mal ge­trof­fen hat. In den Spie­len da­vor ha­ben wir als Team al­les ge­tan, um ihm wei­ter das Ver­trau­en zu ge­ben. Er wird das be­stimmt fair ab­wä­gen. Nie­mand soll­te es ihm übel neh­men, wenn er jetzt wech­seln wür­de.

Schuf­ten für die Rück­kehr: Ha­lil Sav­ran beim Auf­bau­trai­ning in Ber­lin. Fo­tos: Oli­ver Beh­rendt

Ein Mann der kla­ren Wor­te: Ha­lil Sav­ran (rechts) im Ge­spräch mit NOZ-Re­dak­teur Stefan Al­ber­ti.

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