Ge­gen­gut­ach­ten zum Ne­u­markt

Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on hat ei­ge­nes An­walts­bü­ro be­auf­tragt, um Grie­sert zu wi­der­le­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Von San­dra Dorn

Darf der Ne­u­markt für Au­tos ge­sperrt wer­den, oh­ne dass es Lö­sun­gen gibt, wie die Stadt die zu­sätz­li­che Schad­stoff- und Lärm­be­las­tung auf dem Wall­ring in den Griff be­kommt? Die Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on im Os­na­brü­cker Rat hat ein ei­ge­nes Rechts­gut­ach­ten er­stel­len las­sen und sagt: Ja.

OS­NA­BRÜCK. Da­mit wi­der­spricht das von SPD, Grü­nen, FDP, Lin­ker und UWG/Pi­ra­ten be­auf­trag­te Köl­ner Rechts­an­walts­bü­ro Lenz und Joh­len der Auf­fas­sung des städ­ti­schen Rechts­am­tes.

Das Gut­ach­ten be­le­ge, „dass die CDU und Herr Grie­sert falsch lie­gen“, sag­te SPD-Frak­ti­ons­chef Frank Hen­ning bei ei­nem Pres­se­ge­spräch am Frei­tag. Schär­fer for­mu­lier­te es FDP-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Thie­le: „Der Ober­bür­ger­meis­ter hat uns über das Rechts­amt mit fal­schen Tat­sa­chen hin­ter die Fich­te füh­ren wol­len“, sag­te er und wähl­te da­mit ähn­li­che Wor­te wie in der Rats­sit­zung im März, die von hef­ti­gen ge­gen­sei­ti­gen Vor­wür­fen ge­prägt war. „Wenn wir ex­tra ein Ge­gen­gut­ach­ten ho­len müs­sen, wo sind wir dann hier?“, so Thie­le. Der OB ha­be ei­gent­lich die Auf­ga­be, bei so un­ter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen wie von Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on und der CDU/BOBG­rup­pe „zu gu­cken, wie krie­ge ich die hier zu­sam­men“, sag­te Gie­se­la Bran­des-Steg­ge­w­entz (Lin­ke).

Zu­satz­be­las­tung für Wall

Es geht um die Zu­satz­be­las­tung des Wall­rings, die als si­cher gilt, wenn Au­tos nicht mehr über den Ne­u­markt fah­ren kön­nen. Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert (CDU) – zu­sam­men mit der CDU/BOB-Grup­pe Geg­ner der Sper­rung für den mo­to­ri­sier­ten In­di­vi­du­al­ver­kehr (MIV) – hat­te zu­letzt im Stadt­ent­wick­lungs­aus­schuss an die Rats­mehr­heit ap­pel­liert, mit ei­ner Ent­schei­dung über die Ne­u­markt­sper­rung zu war­ten, bis Luf­t­rein­halte­und Lärm­ak­ti­ons­plan fer­tig sei­en. Das könn­te sich bis 2019 hin­zie­hen.

Grie­serts Ar­gu­ment: Erst wenn ge­klärt sei, wie ei­ne Er­hö­hung der Be­las­tung auf dem Wall­ring auf­ge­fan­gen wer­den kön­ne, sei ei­ne Teil­ein­zie­hung des Ne­u­mark­tes mög­lich. Laut Re­gen­bo­gen­gut­ach­ten ist das ein „recht­lich un­zu­läs­si­ger An­satz“. Teil­ein­zie­hung heißt: Der Ne­u­markt wird au­to­freie Zo­ne. Die Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on will genau das in der Rats­sit­zung am kom­men­den Di­ens­tag end­gül­tig be­schlie­ßen. Um die Dau­er­haf­tig­keit der Sper­rung zu ze­men­tie­ren, stell­ten die Frak­tio­nen zu­sätz­lich den An­trag, dass bei der Um­ge­stal­tung des Plat­zes ei­ne Mit­nut­zung durch den MIV „nicht mög­lich oder weit­ge­hend aus­ge­schlos­sen

ist“. Im Herbst will die Stadt mit der Platz­ge­stal­tung be­gin­nen, mit den Pla­nun­gen be­auf­tragt ist das Ber­li­ner Bü­ro Lüt­zow 7.

Im neu­en Gut­ach­ten des Köl­ner Bü­ros heißt es, die Grün­de, die für die Teil­ein­zie­hung zu­guns­ten des öf­fent­li­chen Wohls spre­chen, über­wie­gen. Nur wenn das der Fall ist, darf ei­ne Kom­mu­ne ei­ne Teil­ein­zie­hung über­haupt vor­neh­men, so steht es in Pa­ra­graf 8 des Nie­der­säch­si­schen Stra­ßen­ge­set­zes. Die Stadt­ver­wal­tung kommt in ih­rer Be­wer­tung zum ge­gen­tei­li­gen Er­geb­nis: Die ge­gen ei­ne Teil­ein­zie­hung spre­chen­den Grün­de des öf­fent­li­chen Wohls über­wie­gen.

„Wir neh­men selbst­ver­ständ­lich die Be­den­ken zur Luf­t­rein­hal­tung ernst“, sag­te Micha­el Ha­ge­dorn (Grü­ne). „Na­tür­lich ha­ben wir ein Pro­blem am Schloss­wall.“Es sei für die Fort­schrei­bung des Luf­t­rein­hal­te­plans aber wich­tig zu wis­sen, wel­ches Ver­kehrs­sze­na­rio (Ne­u­markt au­to­frei oder nicht) zu­grun­de lie­ge, be­ton­ten so­wohl er als auch Hen­ning. Al­so: erst Ne­u­markt­be­schluss, dann Luf­t­rein­hal­te­plan.

Ha­ge­dorn: „Je­der De­mo­krat soll­te ak­zep­tie­ren, dass die­ses hier jetzt so ent­schie­den wird.“Hen­ning: „Der Ober­bür­ger­meis­ter hat ei­ne an­de­re Rechts­auf­fas­sung und wird si­cher wie­der die Kom­mu­nal­auf­sicht ein­schal­ten. Wir kön­nen ihm nur emp­feh­len, sich die­ses Gut­ach­ten hier genau an­zu­se­hen.“An­ge­kün­dig­ten Kla­gen ge­gen die Teil­ein­zie­hung „se­hen wir ge­las­sen ent­ge­gen“, so der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de.

In­fo am Ran­de: Für Fahr­rä­der soll der Ne­u­markt auf je­den Fall be­fahr­bar blei­ben, sind sich die Ver­tre­ter der Re­gen­bo­gen­frak­tio­nen ei­nig, aber was ist mit Bus­sen? FDP und Lin­ke wür­den sie lie­ber vom Ne­u­markt ver­ban­nen. Die Re­gen­bo­gen-Frak­ti­ons­chefs kün­dig­ten an, für die Zeit nach der Som­mer­pau­se ei­nen Prüf­auf­trag vor­zu­be­rei­ten.

Am kom­men­den Di­ens­tag, 30. Mai, kommt es in der Ne­u­markt­fra­ge im Rat zum Show­down. Fo­to: Micha­el Grün­del

Die Re­gen­bo­gen­ko­ali­ti­on mit ei­nem neu­en Rechts­gut­ach­ten. Im Bild (von links): Gie­se­la Bran­des-Steg­ge­w­entz (Lin­ke), Tho­mas Thie­le (FDP), Micha­el Ha­ge­dorn (Grü­ne), Frank Hen­ning (SPD). Der Fünf­te im Bun­de, Wulf-Sieg­mar Mier­ke (UWG/Pi­ra­ten), ließ sich ent­schul­di­gen. Fo­to: Gert West­dörp

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.