Fir­men in­ves­tie­ren wei­ter in den USA

Pur­plan schließt in USA 10-Mil­lio­nen-Deal ab – Niemann baut ei­ne neue Nie­der­las­sung

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Un­ter­neh­mer aus der Re­gi­on las­sen sich von USPrä­si­dent Donald Trump nicht ab­schre­cken und in­ves­tie­ren in den USA. Die Mel­ler Fir­ma Niemann baut ei­ne Nie­der­las­sung in Char­lot­te (North Ca­ro­li­na) auf, die Wal­len­hors­ter Fir­ma Pur­plan schließt ei­nen 10-Mil­lio­nen-Deal ab.

Von Je­an-Charles Fays

CHAR­LOT­TE. Der Wal­len­hors­ter An­la­gen­bau­er Pur­plan hat zum Ab­schluss der Rei­se ei­ner Os­na­brü­cker Rats- und Wirt­schafts­de­le­ga­ti­on un­ter der Lei­tung von Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert und IHKHaupt­ge­schäfts­füh­rer Mar­co Graf in Char­lot­te er­läu­tert, wie er den ame­ri­ka­ni­schen Markt er­obert hat. Chef Andre­as Sand­mann fing wie die meis­ten der mehr als 200 deut­schen Un­ter­neh­mer in der 800 000-Ein­woh­nerS­tadt zu­nächst mit ei­ner klei­nen Re­prä­sen­tanz an, stei­ger­te jähr­lich sei­nen Um­satz und will im nächs­ten Schritt bis zum Som­mer 2018 ei­ne ei­ge­ne US-Pro­duk­ti­on auf­bau­en.

Im Jahr 2004 mie­te­te er in Char­lot­te ein klei­nes Bü­ro von nur 40 Qua­drat­me­ter an. Dort wi­ckel­te er mit zu­nächst nur ei­nem Mit­ar­bei­ter die Pro­jek­te ab, nahm Auf­trä­ge an, te­le­fo­nier­te, schrieb Rech­nun­gen und wi­ckel­te das Ge­schäft ab. Das ver­half ihm im ers­ten Jahr zu ei­ner Mil­li­on Eu­ro Um­satz, im zwei­ten zu zwei und im drit­ten zu vier Mil­lio­nen Eu­ro. „Doch das wird na­tür­lich noch mehr. Wir sind ge­ra­de erst am An­fang“, be­tont Sand­mann. Das Ge­schäft flo­riert: „Wir ha­ben ge­ra­de erst ei­nen Auf­trag für zehn Mil­lio­nen Eu­ro ab­ge­schlos­sen. Das Span­nen­de dar­an ist, dass un­ser Auf­trag­ge­ber erst zwei Jah­re ver­sucht hat, das Pro­jekt mit ame­ri­ka­ni­schen Kun­den durch­zu­füh­ren. Das ist ihm aber nicht ge­lun­gen.“An­schlie­ßend ha­be das Un­ter­neh­men In­du­lor Che­mie mit Haupt­sitz in Bram­scheHe­se­pe sich zwei deut­sche Fir­men ge­sucht, ei­ne für das Ge­bäu­de und Pur­plan für die An­la­gen. Die­se wer­den Kunst­har­ze pro­du­zie­ren, die Roh­stof­fe für Far­ben und La­cke sind. Da­mit sol­len dann Le­bens­mit­tel­ver­pa­ckun­gen be­schich­tet wer­den.

Sand­mann ver­rät sein Er­folgs­ge­heim­nis: „Wir ar­bei­ten die Pro­jek­te nach deut­schem Mus­ter ab.“Die Ame­ri­ka­ner such­ten oft In­ge­nieur­bü­ros, die die An­la­ge pla­nen, und da­nach wür­den sehr vie­le Lo­kal­un­ter­neh­men die An­la­ge bau­en: „Bei uns gibt es kei­ne Schnitt­stel­len, weil wir al­les aus ei­ner Hand an­bie­ten.“

Die Schalt­schrän­ke müss­ten bis­lang noch in Wal­len­horst Die Os­na­brü­cker De­le­ga­ti­on un­ter der Lei­tung von Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert (Mit­te) und IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Mar­co Graf (6. v. r.) ist zum Ab­schluss ih­rer Rei­se an ih­rem letz­ten Ziel in Char­lot­te an­ge­kom­men.

ge­fer­tigt und dann ge­lie­fert wer­den. Das soll sich aber än­dern: „Spä­tes­tens bis Au­gust 2018 wer­den wir in Char­lot­te auch ei­ne Pro­duk­ti­on auf­bau­en. Dort wer­den wir dann auch Stahl­bau ma­chen und Schalt­schrän­ke bau­en“, kün­digt er an. Sor­ge vor der Mil­lio­nen­in­ves­ti­ti­on im po­li­tisch schwie­ri­gen Um­feld hat Sand­mann nicht: „Trump freut sich, wenn deut­sche Un­ter­neh­men in­ves­tie­ren und Ar­beits­plät­ze schaf­fen. Dann gibt es in der Re­gel auch kei­ne Pro­ble­me mit Ein­rei­se und Vi­sa.“

Von Sand­manns Er­folgs­mo­dell er­mu­tigt, will nun auch der Mel­ler Frank Niemann ei­ne ge­mein­sa­me Re­prä­sen­tanz für sei­ne Ma­schi­nen­fa­brik Wil­helm Niemann und Pur­plan in Char­lot­te auf­bau­en. Das Mit­glied der Os­na­brü­cker De­le­ga­ti­on pro­gnos­ti­ziert zu­frie­den: „Wir wer­den uns zum Ja­nu­ar 2018 in Ame­ri­ka nie­der­las­sen. Den An­walt ha­ben wir schon aus­ge­sucht, Ver­si­che­rungs­fra­gen ge­klärt, ei­ne ame­ri­ka­ni­sche Bank und ei­nen Steu­er­be­ra­ter su­chen wir noch.“

Niemann er­klärt: „Ame­ri­ka­ni­sche Kun­den wol­len mit Ame­ri­ka­nern in der glei­chen Zeit­zo­ne kom­mu­ni­zie­ren und in Dol­lar ab­rech­nen.“Auch um den Ser­vice nach dem Auf­trag ab­zu­wi­ckeln, sei ei­ne Adres­se und Te­le­fon­num­mer in Char­lot­te drin­gend er­for­der­lich. 40 bis 50 Ma­schi­nen für Far­ben und La­cke konn­te er schon in Ame­ri­ka ver­kau­fen und zeigt sich über­zeugt: „Wir müs­sen den ame­ri­ka­ni­schen Markt ernst neh­men und glau­ben, dass es hier wei­te­re Kun­den gibt.“Gro­ße Hoff­nun­gen legt er im April 2018 auf ei­ne wich­ti­ge Mes­se für Far­ben und La­cke in In­dia­na­po­lis. „Da­durch wol­len wir noch

mehr Ge­schäf­te ma­chen.“Auch an­de­re Un­ter­neh­mer aus der Os­na­brü­cker De­le­ga­ti­on in den USA zeig­ten sich zum Ab­schluss der Rei­se op­ti­mis­tisch. Die Wal­len­hors­ter Ri­chert Fens­ter­grup­pe hat­te in der Os­na­brü­cker Freund­schafts­stadt Evans­vil­le ei­nen Ge­schäfts­ter­min mit ei­nem Groß­händ­ler, der von den Pro­du­zen­ten Fens­ter kauft und selbst über Händ­ler wei­ter­ver­kauft. „Die­sem wer­de ich nun ein ers­tes An­ge­bot un­ter­brei­ten“, freut sich Chef Tho­mas Ri­chert. Wenn sei­ne Fens­ter dann noch ame­ri­ka­ni­sche Nor­men wie et­wa zum Schutz vor Hur­ri­kans er­fül­len, hät­te er ei­ne Ge­neh­mi­gung zu lie­fern und wür­de lang­fris­tig auch ei­ne ei­ge­ne Pro­duk­ti­on auf­bau­en. Ers­ter Schritt wä­re für ihn – ähn­lich wie bei Pur­plan – erst ein­mal ei­nen Tech­ni­ker und ei­nen Mann für den Ver­trieb ein­zu­stel­len, um lang­fris­tig das Kun­den­netz aus­zu­bau­en. Das Kun­den­po­ten­zi­al sei groß. Ri­chert rech­net vor: „Je­des Jahr wer­den hier mehr als 50 Mil­lio­nen Fens­ter ein­ge­baut.“

Der Ge­schäfts­füh­rer des Os­na­brü­cker Lo­gis­ti­kers Nos­ta, Andre­as Wol­ke-Ha­nen­kamp, freut sich, dass er „wei­te­re wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen zu­sam­men­tra­gen konn­te, um in den nächs­ten Mo­na­ten ei­ne Ent­schei­dung zu tref­fen“. Das größ­te Hin­der­nis sei noch, ei­nen be­last­ba­ren Bu­si­ness-Plan zu er­stel­len und das wirt­schaft­li­che Po­ten­zi­al rich­tig ein­zu­schät­zen. Zu­dem sei ei­ne Her­aus­for­de­rung, das rich­ti­ge Per­so­nal zu fin­den. Er pro­gnos­ti­ziert, dass es bis zu ei­ner An­sied­lung wohl noch ein bis zwei Jah­re dau­ern wird.

Der erst 22-jäh­ri­ge Jakob Bol­te, der die De­le­ga­ti­on über ein Sti­pen­di­um der HuB-Be­gab­ten­stif­tung als Bot­schaf­ter des Hand­werks be­glei­te­te, sieht sich nun dar­in be­stärkt, sich selbst­stän­dig zu ma­chen. Un­ter­neh­mer hät­ten ihm wert­vol­le Tipps für die Selbst­stän­dig­keit ge­ge­ben, und von der ame­ri­ka­ni­schen Men­ta­li­tät ha­be er mit­ge­nom­men, dass sie nie auf­ge­ben und, selbst wenn sie schei­tern, ein­fach auf­ste­hen und wei­ter­ma­chen.

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