Gro­ßer Beet­ho­ven-Abend beim Eu­re­gio Mu­sik­fes­ti­val

Ge­or­ge Kjur­di­an ver­zich­tet auf Ex­tra­va­gan­zen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Jan Kamp­mei­er

OS­NA­BRÜCK. Der Ap­plaus für Beet­ho­vens Ba­ga­tel­len op. 126 ist noch nicht ver­ebbt, da zwingt Ge­or­ge Kjur­di­an sein Pu­bli­kum mit den ers­ten Ak­kor­den der So­na­te op. 111 zur Ru­he. Und die­se Ak­kor­de klin­gen schroff, hart und tro­cken, da­bei hat­te man den Pia­nis­ten doch schon in die Ka­te­go­rie der aus­ge­gli­che­nen und maß­vol­len In­ter­pre­ten ein­ge­ord­net.

Im­mer­hin hat­te der 23jäh­ri­ge Let­te zu die­sem Zeit­punkt schon die frü­he So­na­te Es-Dur op. 7, die be­rühm­te „Wald­stein“-So­na­te so­wie eben die Ba­ga­tel­len op. 126 ge­spielt. Da­bei hat­te er selbst­ver­ständ­lich nicht auf ein or­dent­li­ches For­te ver­zich­tet, aber es ist eben doch ein ge­wal­ti­ger Un­ter­schied, ob man nun kraft­voll ei­nen Ak­kord an­schlägt oder mit Ge­walt in die Tas­ten don­nert.

Das Fi­na­le der „Wald­stein“-So­na­te be­ginnt er sehr ru­hig und lei­se, durch viel Pe­dal weich­ge­zeich­net. Das weckt die Er­war­tung ei­ner ge­hö­ri­gen Stei­ge­rung, doch ir­gend­wie weiß man schon, dass die bei Ge­or­ge Kjur­di­an nicht kom­men wird. Tat­säch­lich bleibt er ele­gant bis zum Schluss. Er ver­sucht kei­nes­wegs, be­son­ders in­di­vi­du­ell zu sein, der Mu­sik har­te Ak­zen­te oder ex­tre­me Dy­na­mik über­zu­stül­pen, er ver­traut auf Beet­ho­ven und dar­auf, dass des­sen Mu­sik schon oh­ne Ex­tra­va­gan­zen sei­ner­seits gut ge­nug sein wird.

Sol­che Ex­tra­va­gan­zen gibt es bei ihm frei­lich auch in der So­na­te op. 111 nicht, der letz­ten aus Beet­ho­vens Fe­der, und den­noch wir­ken die an­de­ren Stü­cke plötz­lich wie Vor­ge­plän­kel. Denn Beet­ho­vens c-Moll lässt er düs­ter klin­gen und fahl, mit we­nig Pe­dal jetzt. Bald wirkt es zor­nig, bald gar wie ein Schmer­zens­schrei. Auch den zwei­ten Satz spielt er wi­der Er­war­ten nicht be­son­ders zart. Er ist ins­ge­samt ziem­lich rasch, und den­noch ge­lingt ihm, was man ei­nem Jungspund wie ihm sel­ten zu­traut, die teil­wei­se ab­ge­klär­te Stim­mung be­ein­dru­ckend um­zu­set­zen und sich of­fen­bar tief in die Mu­sik zu ver­sen­ken. Am En­de hat man den Ein­druck, bei ei­nem gro­ßen Beet­ho­ven-Abend da­bei ge­we­sen zu sein.

Pia­nist Ge­or­ge Kjur­di­an. Fo­to: Eu­re­gio Mu­sik­fes­ti­val

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