Ver­san­det An­kla­ge ge­gen Ro­cker­boss?

Ha­ne­buth seit Jah­ren in Spa­ni­en

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Vor fünf Jah­ren star­te­te die Po­li­zei ei­ne spek­ta­ku­lä­re Raz­zia ge­gen den Han­no­ve­ra­ner Ro­ckerChef Ha­ne­buth. Wäh­rend der Schlag oh­ne Er­geb­nis blieb, er­mit­telt seit fast vier Jah­ren die spa­ni­sche Jus­tiz, die Vor­wür­fe wie­gen schwer. Aber kommt es über­haupt noch zu ei­ner An­kla­ge?

HAN­NO­VER. Der vor fast vier Jah­ren von der spa­ni­schen Jus­tiz fest­ge­setz­te ehe­ma­li­ge Ro­cker-Boss Frank Ha­ne­buth war­tet wei­ter auf die Ent­schei­dung über ei­ne An­kla­ge. Die Frist ver­streicht im Prin­zip am 23. Ju­li, kann bei kom­ple­xen Fäl­len nach An­ga­ben spa­ni­scher Be­hör­den aber um sechs Mo­na­te ver­län­gert wer­den. Zwar be­fin­det sich der frü­he­re Prä­si­dent der Hells An­gels in Han­no­ver seit Län­ge­rem ge­gen Kau­ti­on auf frei­em Fuß, muss sich aber wei­ter in Spa­ni­en auf­hal­ten. Am 22. Ju­li hat Ha­ne­buth (52) na­he Han­no­ver sei­ne Hoch­zeits­fei­er ge­plant.

Schwe­res Ge­schütz hat­te zu­nächst vor fünf Jah­ren die deut­sche Jus­tiz auf­ge­fah­ren, als sie im Mai 2012 sein An­we­sen bei Han­no­ver in ei­ner spek­ta­ku­lä­ren Ak­ti­on durch­such­te. GSG9-Spe­zi­al­kräf­te seil­ten sich von ei­nem Hub­schrau­ber ab, ramm­ten To­re auf und er­schos­sen ei­nen Hund. Ha­ne­buth wur­de ver­däch­tigt, Draht­zie­her ei­nes Auf­trags­mor­des zu sein – je­doch stell­te die Staats­an­walt­schaft Kiel die Er­mitt­lun­gen im April 2013 man­gels ei­nes Tat­nach­wei­ses ein. An­ge­sichts des for­cier­ten Vor­ge­hens der Jus­tiz ge­gen die Hells An­gels lös­te sich der Char­ter in Han­no­ver in­des im Ju­ni 2012 auf.

Statt­des­sen grün­de­ten die Ro­cker an­de­ren­orts neue Clubs und wi­chen un­ter an­de­rem nach Mallor­ca aus. Dort kam es dann im Ju­li 2013 zu ei­ner gro­ßen Raz­zia, rund zwei Dut­zend Hells An­gels und Ha­ne­buth wur­den fest­ge­nom­men. Die Be­hör­den leg­ten ihm die Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung, Men­schen­han­del, Er­pres­sung, Frei­heits­be­rau­bung, Zu­häl­te­rei und Geld­wä­sche zur Last. Ha­ne­buth hat die Vor­wür­fe stets be­strit­ten. Zwei Jah­re saß er im Hoch­si­cher­heits­ge­fäng­nis im süd­spa­ni­schen Ca­díz in Un­ter­su­chungs­haft, bis er ge­gen Auf­la­gen frei­kam. Seit­dem zieht sich die Ent­schei­dung über ei­ne An­kla­ge in die Län­ge.

Da­bei bo­ten die An­schul­di­gun­gen Stoff für ei­nen Gangs­ter­kri­mi. Mil­lio­nen­sum­men aus Deutsch­land und der Tür­kei, so das spa­ni­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um, hät­ten die Ro­cker beim Bau ei­nes For­mel1-Rund­kur­ses wa­schen wol­len. Feu­er- und Stich­waf­fen, zehn Au­tos, vier Mo­tor­rä­der, meh­re­re Boo­te so­wie Ju­we­len und Dro­gen stell­ten die Fahn­der bei der „Ope­ra­ti­on Cas­ablan­ca“si­cher.

Sei­ne Hoch­zeits­fei­er wä­re üb­ri­gens nicht der ers­te Be­such Ha­ne­buths in Han­no­ver seit Be­ginn der Er­mitt­lun­gen ge­gen ihn in Spa­ni­en. Im Sep­tem­ber kehr­te er für ei­ne Wo­che zu­rück, um sei­nen Ge­burts­tag zu fei­ern.

Ge­gen Kau­ti­on auf frei­em Fuß: Ex-Hells-An­gels-Chef Frank Ha­ne­buth. Fo­to: dpa

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