Kin­der im Gar­ten – ein Selbst­läu­fer?

Von gif­ti­gen Bee­ren, Sand­ku­chen und Über­schwem­mun­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film - Von Cor­ne­lia Achen­bach

OS­NA­BRÜCK. Kin­der im Gar­ten – ein Selbst­läu­fer. So heißt es. Doch ir­gend­et­was schei­ne ich falsch zu ma­chen.

Als wir in ein Haus mit Gar­ten zo­gen, freu­te ich mich dar­auf, mit ei­nem gu­ten Kaf­fee auf der Holz­bank vor dem Haus zu sit­zen, Zei­tung zu le­sen und aus der Fer­ne mei­ner Toch­ter beim Bud­deln zu­zu­se­hen. Gön­ner­haft wür­de ich je­den Re­gen­wurm, je­den Kie­sel­stein und je­den Stock be­wun­dern, den sie mir vor­le­gen wür­de. Abends wür­de ich dann ein zu­frie­de­nes, er­de­ver­schmier­tes, nach Son­nen­milch und Dreck rie­chen­des Kind in die Ba­de­wan­ne ste­cken, das an­schlie­ßend se­lig ein­schlie­fe.

Der Gar­ten wer­de mei­ne klei­ne Toch­ter an lan­gen Sonn­tag­nach­mit­ta­gen be­schäf­ti­gen, das war die Idee. Die Wirk­lich­keit sieht so aus: Der Gar­ten be­schäf­tigt mich.

Gleich nach dem Ein­zug kam ei­ne Freun­din, die „was in der Rich­tung“stu­diert hat, zu Be­such und ließ ih­ren Blick durch un­se­ren Gar­ten wan­dern. „Da, da und da“, war ihr Ur­teil. „Da ste­hen über­all gif­ti­ge Pflan­zen, die ihr un­be­dingt ent­fer­nen soll­tet.“Un­ser Gar­ten schien als Spiel­flä­che ähn­lich ge­eig­net wie ein Atom­müll-End­la­ger. Al­so ent­sorg­ten mein Mann und ich die of­fen­sicht­lich gif­ti­gen Pflan­zen (die mit den ver­füh­re­risch ro­ten Bee­ren) und ent­schie­den uns nach

Be­sich­ti­gung von Gär­ten im Freun­des­kreis da­für, dass Buchs­bäu­me oder Ähn­li­ches ein­fach mal ste­hen blei­ben kön­nen, dass es ei­ne Fra­ge der Er­zie­hung ist, dass un­ser Kind sich kei­ne Blät­ter in den Mund steckt und dar­auf her­um­kaut. El­tern wis­sen: Kin­der sind toll – nur das mit dem Er­zie­hen ist doof.

El­tern-Small-Talk

Als das ge­schafft war, nah­men wir uns freie Ta­ge, um mit­hil­fe von Freun­den ei­ne Schau­kel und ei­nen Sand­kas­ten auf­zu­bau­en. Ein klei­nes Spiel­pa­ra­dies, das es mit je­dem städ­ti­schen Spiel­platz auf­neh­men konn­te und uns von die­sen Nach­mit­ta­gen zwi­schen Tup­per­do­sen, El­ternS­mall-Talk und Streit ums Schäu­fel­chen be­frei­en soll­te.

Wir kauf­ten un­se­rer Toch­ter Ei­mer­chen, Gar­ten­schau­feln, ir­gend­wel­che Blu­men­sa­men, aus de­nen ver­mut­lich

eh nie et­was wach­sen wür­den, mit de­nen sie aber auch kei­nen Scha­den an­rich­ten konn­te. So, lie­bes Kind – viel Spaß beim Gärt­nern! Und das Kind hat­te Spaß beim Gärt­nern. So et­wa fünf Mi­nu­ten lang. Nach ei­ner hal­ben Tas­se Kaf­fee und der Hälf­te des Leit­ar­ti­kels hieß es: „Ma­maaaa! Darf ich die Blu­men gie­ßen?“Durf­te sie. Wo­bei es gie­ßen nicht ganz trifft – viel­mehr über­schwem­men. Die paar Blu­men­sa­men, die es tat­säch­lich in die Er­de ge­schafft hat­ten, sah ich in ei­nem klei­nen Bäch­lein an mir vor­bei in den Ab­fluss schwim­men.

Es half nichts. Ich muss­te mich er­he­ben und mit mei­ner Toch­ter aus­ein­an­der­set­zen. „Wor­auf hast du denn Lust? Wol­len wir ei­nen Ku­chen ba­cken? Ei­ne Burg bau­en?“Hier, bei uns, im hei­mi­schen Gar­ten? Die Ant­wort: „Spiel­platz!“

Fo­to: colourbox.de

Spiel mit Pus­te­blu­me: Kin­der sind im Gar­ten glück­lich und kön­nen sich gut al­lein be­schäf­ti­gen. Sagt man so.

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