Fest­got­tes­dienst be­en­det Kir­chen­tag

Är­ger um Käß­mann-Aus­sa­gen zur AfD

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

WIT­TEN­BERG. Mit ei­nem Fest­got­tes­dienst ist am Sonn­tag in Wit­ten­berg der 36. Evan­ge­li­sche Kir­chen­tag zu En­de ge­gan­gen. Dar­an nah­men un­ter an­de­ren Bun­des­prä­si­dent Fran­kWal­ter St­ein­mei­er und der süd­afri­ka­ni­sche Bi­schof Thabo Mak­go­ba teil. Laut Ver­an­stal­tern ka­men zu dem Got­tes­dienst auf den Elb­wie­sen rund 120 000 Men­schen. Der Kir­chen­tag stand ganz im Zei­chen des 500. Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums. Er fand erst­mals an zwei Or­ten statt – in Berlin und in Wit­ten­berg.

Am Sams­tag hat­te es auf dem Kir­chen­tag Wir­bel um ei­ne ver­zerr­te Darstel­lung von Aus­sa­gen der Theo­lo­gin Mar­got Käß­mann über die AfD in so­zia­len Netz­wer­ken ge­ge­ben. Sie er­wä­ge des­we­gen recht­li­che Schrit­te, sag­te sie. Käß­mann hat­te die For­de­rung der AfD nach ei­ner hö­he­ren Ge­bur­ten­ra­te kri­ti­siert. Die­se ent­spre­che dem „klei­nen Arier­pa­ra­gra­fen der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten“.

Das war der Kir­chen­tag: Be­rich­te und Re­por­ta­gen auf noz.de/po­li­tik

Die Evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land (EKD) will sich laut­stark in ge­sell­schaft­li­che De­bat­ten ein­brin­gen und das Ge­spräch auch mit de­nen su­chen, die Dia­log ab­leh­nen. Das un­ter­stri­chen der EKD-Rats­vor­sit­zen­de Heinrich Bed­for­dS­trohm und an­de­re Spit­zen­ver­tre­ter zum Ab­schluss des fünf­tä­gi­gen Kir­chen­ta­ges in Berlin und Wit­ten­berg.

„Ak­tiv wer­den und sich ein­mi­schen, wo die Wür­de des Men­schen be­droht ist und wo die Na­tur, die uns als Schöp­fung Got­tes an­ver­traut ist, zer­stört wird – das ist die Be­ru­fung, aus der wir Chris­tin­nen und Chris­ten le­ben“, sag­te der baye­ri­sche Lan­des­bi­schof am Sonn­tag vor rund 120000 Gläu­bi­gen beim Ab­schluss­got­tes­dienst in Wit­ten­berg. „Wir sind so vie­le, man soll es mer­ken.“

Die Kir­chen­tags­prä­si­den­tin Chris­ti­na Aus der Au be­ton­te, die Kir­che wer­de in ih­rem En­ga­ge­ment für Flücht­lin­ge nicht nach­las­sen. Sie kri­ti­sier­te das Vor­ge­hen vie­ler Po­li­ti­ker, die sag­ten: „Wir kön­nen nicht al­len hel­fen“. Aus der Au: „Die­sem Zy­nis­mus wer­den wir nicht fol­gen.“Die AfD und ei­ni­ge CDU-Po­li­ti­ker hat­ten der Kir­che zu­letzt vor­ge­wor­fen, sich zu sehr in die Po­li­tik ein­zu­mi­schen, statt sich um Glau­be und Seel­sor­ge zu küm­mern. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) er­mun­ter­te die Kir­chen hin­ge­gen da­zu.

Bun­des­prä­si­dent Fran­kWal­ter St­ein­mei­er hob in sei­nem Gruß­wort in Wit­ten­berg das so­zia­le und geist­li­che En­ga­ge­ment der Kir­chen her­vor. „Oh­ne das al­les wür­den un­se­rer Ge­sell­schaft viel Wär­me und Men­sch­lich­keit feh­len.“Bei ei­ner Dis­kus­si­ons­run­de am Vor­tag in Berlin hat­te er vor Ge­fah­ren für den ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­halt ge­warnt – durch Hä­me, Hass und Här­te in On­li­ne-Kom­men­ta­ren.

St­ein­mei­er be­klag­te ei­ne „neue Fas­zi­na­ti­on des Au­to­ri­tä­ren“und die „Wie­der­be­le­bung des Völ­ki­schen“. Zwar sei die Su­che nach Iden­ti­tät nicht ver­werf­lich. Wenn die Ant­wort aber Ab­schot­tung sei, wer­de es ge­fähr­lich. „Wir müs­sen in un­se­re Ur­teils­kraft in­ves­tie­ren“, mahn­te der Bun­des­prä­si­dent. „Die Zer­set­zung der Ver­nunft ist der An­fang der Zer­set­zung der De­mo­kra­tie.“

Der Kir­chen­tag mit rund 2500 Ver­an­stal­tun­gen stand ganz im Zei­chen des Ju­bi­lä­ums „500 Jah­re Re­for­ma­ti­on“. Die Ver­an­stal­ter zähl­ten an den Pro­gramm­ta­gen in Berlin 106 000 Dau­er­teil­neh­mer so­wie 30 000 Ta­ges­gäs­te, „Star­gast“war Ex-US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma. Am Sams­tag und Sonn­tag fuh­ren vie­le Teil­neh­mer mit Son­der­zü­gen, Bus­sen oder Au­tos nach Wit­ten­berg, wo sie am Sonn­tag­mit­tag auf den Elb­wie­sen bei herr­li­chem Som­mer­wet­ter ei­nen stim­mungs­vol­len Ab­schluss­got­tes­dienst fei­er­ten. Et­li­che ver­brach­ten be­reits die Nacht auf dem Fest­ge­län­de bei Lie­dern, Ge­be­ten und Ker­zen­schein.

Die Ein­bin­dung Wit­ten­bergs war den Or­ga­ni­sa­to­ren wich­tig, weil Mar­tin Lu­ther hier der Über­lie­fe­rung nach am 31. Ok­to­ber 1517 sei­ne 95 The­sen an­schlug. Dies gilt als Aus­gangs­punkt der Re­for­ma­ti­on. Par­al­lel zum gro­ßen Kir­chen­tag gab es in den „Re­for­ma­ti­ons­län­dern“Sach­sen, Sach­sen-An­halt und Thü­rin­gen sechs klei­ne­re Kir­chen­ta­ge auf dem Weg. Dort­hin ka­men we­ni­ger Teil­neh­mer als ur­sprüng­lich er­war­tet.

Fo­to: dpa

„Müs­sen in Ur­teils­kraft in­ves­tie­ren“: Frank-Wal­ter St­ein­mei­er mit Ehe­frau El­ke Bü­den­be­n­der beim Ab­schluss­got tes­dienst.

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