Fach­wis­sen kon­tra Fal­sch­mel­dun­gen

NOZ-Serie mit Spit­zen­for­schern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Klaus Wie­sche­mey­er

OS­NA­BRÜCK. Me­di­en zwi­schen dem An­spruch von Qua­li­täts­jour­na­lis­mus und Lü­gen­pres­se-Vor­wür­fen: An­lass für ein be­son­de­res Pro­jekt un­se­rer Zei­tung un­ter dem Mot­to „Po­pu­lis­mus, Po­si­tio­nen, Per­spek­ti­ven“.

Bis zur Bun­des­tags­wahl im Sep­tem­ber set­zen wir in wö­chent­li­chen Schwer­punk­ten, Ver­an­stal­tun­gen, Bil­der­se­ri­en und mit Ko­lum­nen pro­mi­nen­ter Gast­au­to­ren ein Zei­chen für Qua­li­täts­jour­na­lis­mus und die Be­deu­tung von De­mo­kra­tie. Ab heu­te stel­len in ei­ner Serie Spit­zen­for­scher aus Nord­deutsch­land ihr Fach­wis­sen ge­gen kur­sie­ren­de Fal­sch­mel­dun­gen. Den An­fang macht der re­nom­mier­te Kli­ma­for­scher Mo­jib La­tif.

Die FDP ist wie­der ge­fragt. Auch in Nie­der­sach­sen ist die Stim­mung nach den jüngs­ten Wah­l­er­fol­gen präch­tig. Und Par­tei­chef Lind­ner wird wie ein Pop­star ge­fei­ert.

Die äl­te­re Da­me will un­be­dingt ein Fo­to von FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner. Und des­we­gen drückt sie ihr Han­dy sei­nem Vor­gän­ger Phil­ipp Rös­ler in die Hand. Der hat auch Zeit, wäh­rend Lind­ner dicht um­la­gert wie ein Pop­star un­ent­wegt in fo­to­gra­fie­ren­de Fan­han­dys lä­chelt.

Die Zei­ten ha­ben sich ge­dreht, seit die Par­tei un­ter dem Nie­der­sach­sen Rös­ler und be­glei­tet von viel öf­fent­li­cher Hä­me 2013 aus dem Bun­des­tag flog. Nun ist die FDP wie­der da. Auch in Nie­der­sach­sen, wo ei­ne neue Um­fra­ge die Li­be­ra­len acht Mo­na­te vor der Land­tags­wahl bei 9 Pro­zent sieht.

Und so wird aus ei­ner Ju­bi­lä­ums­ver­an­stal­tung zu

70 Jah­ren nie­der­säch­si­sche Li­be­ra­le ein Fa­nevent. 700 Be­su­cher ha­ben sich am Sonn­tag in Han­no­vers As­tor-Kino an­ge­mel­det. An­de­ren ha­be man ab­sa­gen müs­sen, sagt Lan­des­par­tei­chef Ste­fan Birkner. Der gro­ße Saal ist so voll, dass die Lind­ner-Re­de so­gar in ei­nen zwei­ten über­tra­gen wer­den muss.

Da­bei fin­det die Ver­an­stal­tung zwei­er FDP-na­her Stif­tun­gen

un­ter sehr er­schwer­ten Be­din­gun­gen statt: Die Tech­nik streikt, erst mit fast 40 Mi­nu­ten Ver­spä­tung geht es los. Die Tech­nik in Han­no­vers mo­derns­tem Kino wei­gert sich, die ge­plan­ten FDPI­mage­fil­me ab­zu­spie­len. Und in den Mi­kros der Red­ner knarzt, rauscht und fiept es un­ent­wegt.

Und selbst so macht Lind­ner ei­ne gu­te Fi­gur. Nach­dem

Mo­de­ra­tor Mar­tin Brü­ning zu­vor er­klär­te, dass man die Ver­an­stal­tung auch ins bes­ser di­gi­ta­li­sier­te Süd­ko­rea hät­te ver­le­gen kön­nen, kon­tert Lind­ner tro­cken: „Ei­gent­lich kön­nen die Tech­ni­ker froh sein, dass wir nicht in Nord­ko­rea sind.“

Es ist ein Auf­tritt im ty­pi­schen Lind­ner-Stil. Frei ste­hend und frei spre­chend lobt er sei­ne Par­tei als ein­zi­gen Ver­tre­ter der frei­en Markt­wirt­schaft. In Han­no­ver greift der FDP-Front­mann auch die Grü­nen an. Be­reits in den 1970er-Jah­ren ha­be sei­ne Par­tei den Res­sour­cen­schutz zum The­ma ge­habt. „Josch­ka Fi­scher hat noch mit St­ei­nen auf Po­li­zis­ten ge­wor­fen, da ha­ben Li­be­ra­le schon Um­welt­po­li­tik ge­macht“, sagt Lind­ner. Nun wer­de man den Grü­nen die Ho­heit über das The­ma strei­tig ma­chen. Vor al­lem im länd­li­chen Raum will die FDP mit Um­welt­kon­zep­ten punk­ten, die auch ein Recht des Men­schen auf Gestal­tung ei­ner Kul­tur­land­schaft um­fasst.

Sol­che Kampf­an­sa­gen schre­cken die lan­des­po­li­ti­sche Kon­kur­renz nicht. Bei ei­ner Dis­kus­si­ons­run­de be­to­nen Ver­tre­ter al­ler an­de­ren Land­tags­par­tei­en Ge­mein­sam­kei­ten mit der FDP: Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin Anja Piel sieht Schnitt­men­gen bei der Si­cher­heits­und Eu­ro­pa­po­li­tik. SPDWirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies be­tont, dass Ko­ali­tio­nen viel mit „den han­deln­den Per­so­nen zu tun“ha­ben. Es ist ein of­fe­nes Ge­heim­nis, dass Lies mit der FDP gut kann. Und Reinhold Hil­bers von der CDU lobt die vie­len Ge­mein­sam­kei­ten. Die FDP ist wie­der da. Sie ist wie­der at­trak­tiv. Und das Wer­ben hat be­gon­nen.

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