Er­do­gan will Ve­to für In­cir­lik-Be­su­che

Tür­ki­scher Prä­si­dent: Mer­kel hat nur Yücel im Kopf – Sta­di­en wer­den um­be­nannt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Der Streit um Be­su­che deut­scher Ab­ge­ord­ne­ter in In­cir­lik spitzt sich zu: Wäh­rend der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan dar­auf be­steht, über Be­su­cher das letz­te Wort zu ha­ben, setzt Berlin ei­ne Frist. Steht ein Ab­zug aus In­cir­lik be­vor?

Von Su­san­ne Güs­ten

Re­cep Tay­yip Er­do­gan will den Streit mit der EU be­gra­ben und ein neu­es Ka­pi­tel in den Be­zie­hun­gen zu We­st­eu­ro­pa auf­schla­gen. Der Streit der ver­gan­ge­nen Mo­na­te sol­le zu­guns­ten ei­ner „neu­en Pha­se“ver­ges­sen wer­den, sag­te der tür­ki­sche Prä­si­dent nach sei­nen Ge­sprä­chen in Brüssel am Ran­de des Nato-Gip­fels. Von ei­nem „neu­en Schwung“schwärm­te der Mann, der die EU vor Kur­zem noch als Club an­ti-is­la­mi­scher Kreuz­züg­ler ver­dammt hat­te.

Nur mit Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hat Er­do­gan nach wie vor gro­ße Schwie­rig­kei­ten. In der Dis­kus­si­on um Be­su­che deut­scher Po­li­ti­ker auf der tür­ki­schen Luft­waf­fen­ba­sis In­cir­lik be­an­sprucht Er­do­gan ein Ve­to­recht: Er will nicht je­den deut­schen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten dort se­hen. Es ge­be wo­mög­lich ei­ni­ge Po­li­ti­ker in Berlin, die Ter­ror­grup­pen un­ter­stütz­ten, sag­te Er­do­gan vor tür­ki­schen Jour­na­lis­ten auf der Rück­rei­se von Brüssel in die Tür­kei. Des­halb ha­be er Mer­kel am Ran­de des Nato-Gip­fels dar­über in­for­miert, dass die Na­men von In­cir­lik-Be­su­chern erst ans tür­ki­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um ge­hen soll­ten, be­vor grü­nes Licht für ei­ne Vi­si­te ge­ge­ben wer­de.

Da­mit geht der Streit in ei­ne neue Run­de. Laut dem „Spie­gel“will die Bun­des­re­gie­rung in den kom­men­den zwei Wo­chen mit der tür­ki­schen Füh­rung über das Pro­blem re­den. Wird da­bei kei­ne Lö­sung ge­fun­den, soll dem Ma­ga­zin zu­fol­ge über den Ab­zug der gut 250 deut­schen Sol­da­ten und der Kampf­flug­zeu­ge aus In­cir­lik ent­schie­den wer­den. Die am in­ter­na­tio­na­len Ein­satz ge­gen den Is­la­mi­schen Staat (IS) be­tei­lig­ten Trup­pen könn­ten in die­sem Fall nach Jor­da­ni­en ver­legt wer­den.

Er­do­gan wirft Deutsch­land vor, mit der An­nah­me von Asyl­an­trä­gen tür­ki­scher Re­gie­rungs­geg­ner in der Bun­des­re­pu­blik ge­gen An­ka­ra zu agi­tie­ren. Laut tür­ki­schen Me­dien­be­rich­ten ha­ben min­des­tens 40 tür­ki­sche Nato-Of­fi­zie­re, die nach dem Putsch­ver­such des ver­gan­ge­nen Jah­res aus der Ar­mee ent­las­sen wur­den, um Schutz in Deutsch­land ge­be­ten. Die Tür­kei be­trach­tet sie als An­hän­ger des Er­do­gan-Erz­fein­des Fe­thul­lah Gü­len.

Auch die In­haf­tie­rung von Jour­na­lis­ten in der Tür­kei sorgt wei­ter für Span­nun­gen. Mer­kel ha­be nur noch De­niz Yücel im Kopf, sag­te Er­do­gan über den seit mehr als drei

Mo­na­ten in Istan­bul ein­sit­zen­den Kor­re­spon­den­ten der „Welt“. Bis­her hat­te der tür­ki­sche Prä­si­dent ei­ne Frei­las­sung des Re­por­ters aus­ge­schlos­sen.

In der Tür­kei ge­hen Er­do­gans Be­hör­den un­ter­des­sen wei­ter mit Ver­haf­tun­gen ge­gen un­lieb­sa­me Me­di­en vor. Ein Ge­richt steck­te zwei Jour­na­lis­ten der Er­do­gan­kri­ti­schen Zei­tung „Söz­cü“in Un­ter­su­chungs­haft.

Die Op­po­si­ti­on sieht das als wei­te­ren Hin­weis dar­auf, dass sich die Tür­kei zu ei­ner Au­to­kra­tie ent­wi­ckelt. Er­do­gans Wort wird im Land zu­neh­mend als Ge­setz be­trach­tet: Nach­dem der Staats­chef das Wort „Are­na“für Fuß­ball­sta­di­en für un­tür­kisch er­klär­te, teil­te der tür­ki­sche Fuß­ball­ver­band mit, der Na­me „Are­na“sei ab so­fort ver­bo­ten – die Sport­stät­ten wer­den in „Sta­dyum“um­ge­tauft.

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