Sechs ge­gen ei­nen

Ka­ter­stim­mung nach G-7-Gip­fel – USA blo­ckie­ren Ei­ni­gung bei zen­tra­len The­men

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Wolf H. Wagner

Der G-7-Gip­fel in Ita­li­en ging für die meis­ten Teil­neh­mer ent­täu­schend aus. US-Prä­si­dent Do­nald Trump mach­te nur in der Fra­ge Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung Zu­ge­ständ­nis­se. Al­les an­de­re blo­ckier­te der Mann aus Washington.

Auf der ab­schlie­ßen­den Pres­se­kon­fe­renz ver­such­te Gast­ge­ber Pao­lo Gen­ti­lo­ni dem Re­sü­mee noch ei­nen po­si­ti­ven An­strich zu ver­lei­hen. „Es war der in­ten­sivs­te Gip­fel der ver­gan­ge­nen Jah­re“, mein­te Ita­li­ens Re­gie­rungs­chef und lob­te: „Wir ha­ben ei­ne weit­rei­chen­de Er­klä­rung zu Si­cher­heits­fra­gen und dem ge­mein­sa­men Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus ver­ab­schie­det.“

Das aber war es dann auch schon. Zu den bren­nen­den Fra­gen wie Hun­ger auf der Welt, Kli­ma­wan­del und des­sen Fol­gen, Kri­sen, Krie­ge und Flücht­lings­pro­ble­ma­tik konn­ten sich die po­li­tisch Ver­ant­wort­li­chen der sie­ben füh­ren­den In­dus­trie- und Wirt­schafts­na­tio­nen nicht auf ei­nen ge­mein­sa­men Stand­punkt ei­ni­gen. Denn die Welt­macht USA, ver­tre­ten durch ih­ren eben­so ge­wich­ti­gen Prä­si­den­ten Do­nald Trump, blo­ckier­te. Und ließ ent­täusch­te Kol­le­gen zu­rück.

So muss­te be­reits das Ver­har­ren auf dem Sta­tus quo als Er­folg ver­bucht wer­den: dass Trump auf dem G-7-Gip­fel noch nicht den Aus­stieg aus dem Pa­ri­ser Kli­ma­ab­kom­men er­klärt hat. Oder auch, dass der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent ei­ne Kom­mis­si­on be­ru­fen will, die „Un­ge­rech­tig­kei­ten im Welt­han­del“über­prü­fen und Vor­schlä­ge zur Be­sei­ti­gung ma­chen soll. Dies ist noch nicht der Aus­stieg der Ver­ei­nig­ten Staa­ten aus al­len Frei­han­dels­ab­kom­men, noch nicht der Wirt­schafts­krieg zwi­schen den USA und dem Rest der Welt, al­len vor­an Eu­ro­pa.

Es ist aber auch kei­ne Ant­wort auf die bren­nen­den Fra­gen. Die Zeit läuft, Hun­ger

und Not in der Welt dau­ern an. Die ex­tra zum Gip­fel nach Taor­mi­na an­ge­reis­ten Staats­und Re­gie­rungs­chefs aus Äthio­pi­en, Ke­nia, Ni­ger und Ni­ge­ria reis­ten mit lee­ren Hän­den wie­der ab. Die G7 konn­ten sich – wie­der­um mit dem Ve­to Trumps – nicht zu ei­ner So­li­da­ri­täts­er­klä­rung mit den Völ­kern des sub­sa­ha­ri­schen Afri­ka ent­schei­den.

Da­für hat­te sich vor al­lem Ita­li­en stark ge­macht, das die Haupt­last der Flücht­lings­pro­ble­ma­tik trägt.

Die Ge­gen­sät­ze prall­ten vor al­lem in der Kli­ma­po­li­tik auf­ein­an­der. Die sechs an­de­ren Staa­ten ap­pel­lier­ten ein­dring­lich an Trump, dem Kli­ma­ab­kom­men von Paris treu zu blei­ben. Er will nächs­te Wo­che über ei­nen Aus­stieg

aus der his­to­ri­schen Ver­ein­ba­rung ent­schei­den, die zu ei­ner Ver­rin­ge­rung der Treib­haus­ga­se ver­pflich­tet. Er emp­fin­det das Ab­kom­men als un­fair und schäd­lich für die Wirt­schaft der USA, die nach Chi­na der zweit­größ­te Kli­ma­sün­der sind.

Der Gip­fel von Taor­mi­na zeig­te ei­ne ver­än­der­te G-7Grup­pe. Bis­lang wa­ren die Tref­fen von Har­mo­nie und Über­ein­stim­mung ge­prägt, in Ar­beits­grup­pen hat­te man die zu ver­ab­schie­den­den Pro­to­kol­le be­reits vor­be­rei­tet und schließ­lich nur noch un­ter­zeich­net. An die­sem Wo­che­n­en­de je­doch prall­ten die un­ter­schied­li­chen Hal­tun­gen auf­ein­an­der: Sechs – oder mit der EU-Spit­ze sie­ben – Po­li­tik­ver­tre­ter auf der ei­nen ge­gen den Chef des Wei­ßen Hau­ses, der nicht nur mit sei­ner ag­gres­si­ven Kör­per­spra­che sei­nen Wil­len durch­zu­set­zen be­ab­sich­tigt.

Fo­to: AFP

Zu­frie­den mit dem Tref­fen: Do­nald Trump be­sucht nach dem Gip­fel US-Sol­da­ten auf dem Stütz­punkt Si­go­nella.

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