En­de des Stahl­werks kam etap­pen­wei­se

1987 ver­setz­te ein wei­te­rer Ar­beits­platz­ab­bau die Re­gi­on in Auf­ruhr

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Joa­chim Dier­ks

20 000 Bürger un­ter­schrie­ben die Re­so­lu­ti­on „Das Stahl­werk muss le­ben“, von den Kan­zeln der Kir­chen bei­der Kon­fes­sio­nen pre­dig­ten die Geist­li­chen den Chefs der Stahl­kon­zer­ne ins Ge­wis­sen, mit ei­ner Men­schen­ket­te vom Stahl­werk bis zum Ar­beits­amt de­mons­trier­ten 3000 Bürger für den Er­halt des Os­na­brü­cker Stahl­werks.

1987 wa­ren Stadt und Land in Auf­ruhr, weil die Hi­obs­bot­schaf­ten aus der Stahl­in­dus­trie nicht ab­ris­sen. Ei­ne Ab­tei­lung nach der an­de­ren muss­te schlie­ßen, wei­te­re Ar­beits­plät­ze gin­gen zu Hun­der­ten ver­lo­ren. Es war ein letz­tes gro­ßes Auf­bäu­men ge­gen das En­de des Stahl­stand­orts Os­na­brück, das sich be­reits ab­zeich­ne­te.

In sei­nen bes­ten Zei­ten En­de der 1960er-Jah­re gab das Klöck­ner-Stahl­werk in Os­na­brück fast 5000 Men­schen Ar­beit. Dann kam in den 70ern die Stahl­kri­se. Im­mer we­ni­ger Stahl wur­de nach­ge­fragt. Der Wie­der­auf­bau der Städ­te und In­dus­tri­en war voll­zo­gen, im Schiff­bau stock­te es, Flau­te auch im Kern­kraft­werks­bau. Ost­block­län­der, die un­be­dingt De­vi­sen brauch­ten, und west­eu­ro­päi­sche Staa­ten, die aus Furcht vor ho­hen Ar­beits­lo­sen­zah­len ih­re Stahl­in­dus­trie sub­ven­tio­nier­ten, un­ter­bo­ten sich ge­gen­sei­tig bei den Stahl­prei­sen. Sin­ken­de Nach­fra­ge bei sin­ken­den Prei­sen setz­te ei­ne töd­li­che Ab­wärts­spi­ra­le in Gang.

Das Os­na­brü­cker Stahl­werk, das seit 1923 zu­sam­men mit der Ge­orgs­ma­ri­en­hüt­te zum Klöck­ner-Kon­zern ge­hör­te, war in sei­nem bis­he­ri­gen Zu­schnitt nicht über­le­bens­fä­hig. 1984 fu­sio­nier­ten Klöck­ner und Krupp ih­re Stahl­ak­ti­vi­tä­ten, 1987 kam Thyssen auch noch hin­zu – „SKK“und „VSG“wa­ren je­doch nur Durch­gangs­sta­tio­nen ei­nes To­des auf Ra­ten. Je­de Fu­si­on war ver­bun­den mit Teil­am­pu­ta­tio­nen.

1989 schließ­lich war der Ofen ganz aus. Üb­rig blieb die me­cha­ni­sche Be­ar­bei­tung als „Kalt­be­trieb“un­ter der Fir­ma Ma­gnum. Und auch die ist seit Be­ginn die­ses Jah­res Ge­schich­te.

Fo­to: Archiv/ Münch

Der Nie­der­gang der Stahl­in­dus­trie war 1987 nicht auf­zu­hal­ten. De­mons­tra­tio­nen än­der­ten nichts dar­an.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.