Di­tib auf Ab­stand zur Po­li­tik, aber mit Ein­fluss auf die Uni

Ver­bands­ver­tre­ter ent­schei­den mit über Do­zen­ten und Leh­re

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Stefanie Wit­te

Zu­letzt hat­te es hef­tig ge­kracht zwi­schen den Is­lam­ver­bän­den und der nie­der­säch­si­schen Lan­des­re­gie­rung. Spit­zel­vor­wür­fe und Kri­tik an ei­ner tür­ki­schen Fern­steue­rung des Ver­ban­des Di­tib hat­ten da­zu ge­führt, dass der Mi­nis­ter­prä­si­dent die Ver­hand­lung über ei­nen Staats­ver­trag vor­erst für ge­schei­tert er­klär­te.

Ob­wohl Di­tib in Ungna­de ge­fal­len ist, ge­hen staat­li­che Ko­ope­ra­tio­nen mit dem um­strit­te­nen Ver­band wei­ter – un­ter an­de­rem an deut­schen Uni­ver­si­tä­ten. Dort gilt es, is­la­mi­sche Re­li­gi­ons­leh­rer aus­zu­bil­den. Das geht nicht oh­ne Glau­bens­ver­tre­ter.

Bei den christ­li­chen Kir­chen ist das ein ein­ge­spiel­ter Pro­zess. Wird et­wa ein Pro­fes­sor für ein ka­tho­li­sches In­sti­tut be­ru­fen, wird die Deut­sche Bi­schofs­kon­fe­renz dar­an be­tei­ligt. Auch auf Stu­di­en­gän­ge hat die Kir­che Ein­fluss.

Wie die­se Struk­tur auf Is­la­min­sti­tu­te über­tra­gen wer­den kann, da­mit be­schäf­tig­te sich vor ei­ni­gen Jah­ren der Wis­sen­schafts­rat. Die­ses wis­sen­schafts­po­li­ti­sche Be­ra­tungs­gre­mi­um sprach sich da­für aus, mus­li­mi­sche Ver­tre­ter an der Aus­ar­bei­tung von Stu­di­en­gän­gen zu be­tei­li­gen – in Form von Bei­rä­ten. De­ren Zu­sam­men­set­zung sol­le dem Selbst­ver­ständ­nis der Mus­li­me ent­spre­chen, selbst wenn Mit­glie­der von Ver­bän­den sich oft an­hand po­li­ti­scher Kri­te­ri­en zu­sam­men­schlie­ßen – wie eben beim tür­kisch ge­präg­ten Ver­band Di­tib.

Teil­ha­be durch Bei­rä­te

Die Uni­ver­si­tä­ten hiel­ten sich an die­se Emp­feh­lung, die Teil­ha­be der Mus­li­me in Form von Bei­rä­ten um­zu­set­zen. Rei­bungs­los lief das je­doch nicht. Be­reits im Vor­feld ha­be es an meh­re­ren In­sti­tu­ten Pro­ble­me mit den Bei­rä­ten ge­ge­ben, schreibt der Os­na­brü­cker Is­lamex­per­te Rauf Cey­lan in ei­nem Auf­satz.

Dass die Bei­rä­te ana­log zu kirch­li­chen Struk­tu­ren ge­schaf­fen wur­den, führ­te viel­fach zu Schwie­rig­kei­ten. Kri­ti­ker sa­gen, dass die christliche Wis­sen­schaft­s­tra­di­ti­on an Uni­ver­si­tä­ten dem Is­lam fremd sei. Da über­rascht es nicht, dass Zwei­fel an der Pro­fes­sio­na­li­tät der eh­ren­amt­li­chen Ver­bands­ver­tre­ter laut wur­den. Cey­lan schreibt, die „se­mi-pro­fes­sio­nel­len Struk­tu­ren“der Ver­bän­de könn­ten ein Hin­der­nis sein. Zu­dem feh­le die theo­lo­gisch-aka­de­mi­sche Kom­pe­tenz für ei­ne Beur­tei­lung des Lehr­per­so­nals und der Lehr­in­hal­te. Die Ver­bän­de sei­en über­for­dert ge­we­sen.

Auch in Os­na­brück gibt es ei­nen Bei­rat, der Ein­fluss auf das In­sti­tut für Is­la­mi­sche Theo­lo­gie neh­men kann. Da­rin sit­zen drei Di­tib-Ver­tre­ter, drei Schu­ra-Ver­tre­ter und drei Theo­lo­gen, die von Di­tib, Schu­ra und Uni be­nannt wer­den. Nach über fünf Jah­ren zieht Pro­fes­so­rin Mar­ti­na Blas­berg-Kuhn­ke, die als Pro­jekt­lei­te­rin für den Auf­bau des In­sti­tu­tes zu­stän­dig ist, ein po­si­ti­ves Fa­zit: „Der Bei­rat hat gut ge­ar­bei­tet“, sagt Blas­berg-Kuhn­ke.

Auch Cey­lan ist zu­ver­sicht­lich: „Für die Is­la­mi­schen Ver­bän­de selbst ist die Ko­ope­ra­ti­on mit den Uni­ver­si­tä­ten ein neu­es Er­fah­rungs­feld, das ei­nen wich­ti­gen Mei­len­stein in dem Pro­zess ,Wan­del durch An­nä­he­rung‘ dar­stellt.“

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