Oa­sen der Ru­he

Gär­ten der Welt­re­li­gio­nen mit viel Sym­bo­lik – Schü­ler küm­mern sich um Pfle­ge

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Fast je­de Schu­le hat ei­nen Schul­gar­ten. Doch wer beim Gym­na­si­um „In der Wüs­te“klas­si­scher­wei­se Ge­mü­se­beet, Nist­kas­ten und Frosch­teich er­war­tet, liegt gründ­lich da­ne­ben: Die drei Schul­in­nen­hö­fe be­her­ber­gen viel­mehr die „Gär­ten der Welt­re­li­gio­nen“.

Von Se­bas­ti­an Phil­ipp

Lan­ge Jah­re fris­te­ten die Hö­fe im Wüs­ten­gym­na­si­um ihr Da­sein als schu­li­sche No-go-Area. Bis zum Jahr 2001. Im An­ge­sicht der An­schlä­ge vom 11. Sep­tem­ber reif­te in der da­ma­li­gen Schul­lei­tung die Idee, ein Zei­chen für den in­ter­re­li­giö­sen Dia­log zu set­zen. Fe­der­füh­rend für die Um­set­zung der Ide­en war die heu­ti­ge Schul­lei­te­rin Mo­ni­ka Wip­per­fürth. „Wir ha­ben uns tief in die Ma­te­rie ein­ge­ar­bei­tet, ha­ben Mo­sche­en be­sucht und so­gar ein bud­dhis­ti­sches Vie­len Schü­lern ge­fällt der is­la­mi­sche Gar­ten Brun­nen mit Was­ser­spie­len sorgt für Er­fri­schung.

Zen­trum“, sagt sie. Die in­halt­li­che Gestal­tung der neu­en In­nen­hö­fe über­nah­men sei­ner­zeit Schü­ler und das Kol­le­gi­um, kon­kre­te Ent­wür­fe steu­er­ten Land­schafts­ar­chi­tek­ten der Hoch­schu­le bei. Nach rund ei­nem Jahr Bau­zeit wur­den die Gär­ten im Ju­ni 2005 er­öff­net.

Heu­te sind aus den ehe­ma­li­gen No-go-Are­as klei­ne Oa­sen der Ru­he ge­wor­den. Aber nicht nur: Der christ­lich-jü­di­sche Gar­ten dient in den war­men Mo­na­ten bei­spiels­wei­se als Ver­an­stal­tungs­ort für Thea­ter­stü­cke. Wer den Blick schwei­fen lässt, er­kennt in den Pflan­zen zahl­rei­che Sym­bo­le, die auf christliche und jü­di­sche Tra­di­tio­nen hin­deu­ten. „Der Wein steht bei­spiels­wei­se für das Abend­mahl, der Man­del­baum am bes­ten. Im Som­mer duf­tet es hier, ein

für das jü­di­sche Pu­r­im­fest und in­mit­ten des Gar­tens fin­det sich der Baum der Er­kennt­nis“, er­klärt Wip­per­fürth. Al­le Pflan­zen ge­be es üb­ri­gens in dop­pel­ter Aus­füh­rung – ganz so, wie es in fau­nis­ti­scher Hin­sicht bei der Ar­che Noah war.

Völ­lig an­ders stellt sich der bud­dhis­ti­sche Gar­ten dar, der sich auf­grund der Nä­he zur Schul­ca­fe­te­ria al­ler­höchs­ter Be­liebt­heit bei den Schü­lern er­freut. An­ge­legt als Schau- und Me­di­ta­ti­ons­gar­ten, eig­net sich ein Auf­ent­halt hier vor al­lem wäh­rend der Frei­stun­den oder für ru­hi­ge Grup­pen­ar­bei­ten. Wie im christ­lich-jü­di­schen Pen­dant fin­den sich zahl­rei­che Sym­bo­le. Da ist zum Bei­spiel der „Baum der Er­leuch­tung“, ein Ta­schen­tuch­baum,

der in der bud­dhis­ti­schen Re­li­gi­on ei­ne ho­he Be­deu­tung be­sitzt. Ein wei­te­res Ele­ment ist der St­ein­gar­ten mit sei­nen von Hand ge­schwun­ge­nen Li­ni­en.

Der is­la­mi­sche Gar­ten nimmt da­ge­gen Be­zü­ge aus der Zeit des mau­ri­schen Spa­ni­ens auf – ei­ne Epo­che, die in Tei­len von der ge­gen­sei­ti­gen Ak­zep­tanz der Re­li­gio­nen ge­prägt war. „Der is­la­mi­sche Gar­ten ist als Pa­ra­dies­gar­ten an­ge­legt. Im Som­mer duf­tet es hier nach Obst“, sagt Wip­per­fürth. In der For­men­spra­che des Gar­tens las­sen sich vie­le Mus­ter ent­de­cken, die auch in mau­ri­schen Bau­wer­ken wie der Al­ham­bra er­kenn­bar sind. Auch hier spielt die Sym­bo­lik ei­ne Rol­le: In den fünf Ele­men­ten des Brun­nens spie­geln sich die Säu­len des Is­lam wi­der, sagt die Schul­lei­te­rin.

Doch die Gär­ten müs­sen na­tür­lich auch ge­pflegt wer­den: Zu­stän­dig da­für ist Leh­re­rin Chris­ti­na Bar­tho­lo­mäi, die ge­mein­sam mit vier Schü­le­rin­nen re­gel­mä­ßig Un­kraut jä­tet, Sträu­cher schnei­det, aber auch Mar­me­la­de aus den Früch­ten her­stellt, die in den Gär­ten wach­sen. Hoch im Kurs steht bei den Schü­le­rin­nen Kat­ha­ri­na Han­ne­ken und Isa­bel Gaus vor al­lem der is­la­mi­sche Gar­ten. Li­na May­er da­ge­gen ist am liebs­ten wäh­rend der Kirsch­baum­blü­te im christ­lich-jü­di­schen Gar­ten un­ter­wegs. Al­len drei­en macht die Gar­ten­ar­beit Spaß – und ganz ne­ben­bei ler­nen sie auch noch et­was über Pflan­zen­kun­de und die gro­ßen Welt­re­li­gio­nen.

„Für mich sind die Gär­ten ein Bei­trag zur Frie­dens­er­zie­hung hier in Os­na­brück“, sagt Wip­per­fürth. In den Jah­ren nach der Er­öff­nung hat die Schul­lei­te­rin fast wö­chent­lich Grup­pen durch die Gär­ten ge­führt. „Das hat bis heu­te et­was nach­ge­las­sen. Den­noch sind Füh­run­gen na­tür­lich wei­ter­hin mög­lich.“An­mel­dun­gen nimmt das Se­kre­ta­ri­at un­ter Tel. 05 41/ 323-43 86 ent­ge­gen.

Mehr Bil­der von den Gär­ten der Welt­re­li­gio­nen fin­den Sie im NOZThe­men­por­tal auf noz.de/qu­er­beet

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