Der Zeid­ler ar­bei­te­te als Im­ker und Bie­nen­züch­ter

Nur im hoch­deut­schen Ge­biet be­zeug­ter Be­rufs­na­me

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Von Win­fried Breid­bach

Un­ser Le­ser Wal­ter Tschö­ke aus Vox­trup in­ter­es­siert sich für die Be­deu­tung des Ge­burts­na­mens sei­ner Mut­ter, Zeid­ler. Die Fa­mi­lie stammt ur­sprüng­lich aus Nie­der­schle­si­en.

Mit rund 10500 Na­mens­trä­gern ist Zeid­ler ein sehr häu­fi­ger Fa­mi­li­en­na­me, der überall in Deutsch­land an­zu­tref­fen ist. Be­son­ders oft ist der Na­me in Bay­ern und Sach­sen ver­tre­ten. Auch in al­len Nach­bar­län­dern gibt es die­sen Fa­mi­li­en­na­men. Die je­weils meh­re­re Hun­dert Na­mens­trä­ger in Po­len und Tsche­chi­en deu­ten an, dass Zeid­ler (auch Zaid­ler, Za­jd­ler) frü­her auch in den Ost­ge­bie­ten und im Su­de­ten­land sehr ver­brei­tet war. Die vor al­lem in Ober­fran­ken kon­zen­trier­te Schreib­va­ri­an­te Zeit­ler ist mit 7900 Per­so­nen sel­te­ner als Zeid­ler.

Der Ur­sprung von Zeid­ler/Zeit­ler ist ein­deu­tig zu er­mit­teln. Zu­grun­de liegt die mit­tel­hoch­deut­sche Be­rufs­be­zeich­nung zî­de­lae­re, zîd­ler, mit der ein „Bie­nen­züch­ter“be­nannt wur­de. Im Mit­tel­al­ter galt die Bie­ne als kö­nig­li­ches Wild, nur der Zeid­ler hat­te das Recht, Bie­nen zu hal­ten. In den Wäl­dern gab es be­stimm­te Be­zir­ke, die „Zei­del­wei­den“, die der Zeid­ler be­wirt­schaf­te­te und auf de­nen er sei­ne Bie­nen züch­te­te. Im Mit­tel­al­ter war das frän­ki­sche Nürnberg das Zen­trum der Zeid­le­rei, der Reichs­wald um die Stadt wur­de als „des Rei­ches Bie­nen­gar­ten“be­zeich­net.

Ei­ni­ge Be­le­ge: 1209 „Godof­re­dus Cy­dela­re“(Straß­burg), 1286 „Ch­un­ra­dus Zeid­ler“(Nürnberg), 1296 „Pe­trus dic­tus Zi­de­ler“(Ba­sel), 1298 „Hen­ri­cus Zi­de­ler“(Straß­berg bei Plau­en), 1318 „Hen­ri­cus Zceid­ler“(El­bo­gen/Su­de­ten), 1361 „Nic. Ceid­ler“(Iglau/Mäh­ren), 1385 „Hen­nel Czi­de­ler“(Zwi­ckau), 1387 „Macz­ke Czy­de­ler“(Lie­gnitz).

Der Be­rufs­na­me des Zeid­lers wur­de in drei Fäl­len so­gar auf ei­ne gan­ze Sied­lung über­tra­gen: bei Decín im Su­de­ten­land, bei Tha­randt im säch­si­schen Erz­ge­bir­ge (1403 Czi­de­ler, 1550 Zeid­ler) und bei Oels­nitz im Vogt­land (1335 Czi­de­ler, 1448 Zeid­ler). Im Ein­zel­fall kann der Fa­mi­li­en­na­me Zeid­ler auch als Her­kunfts­na­me zu die­sen drei Or­ten so­wie zum Ort Zei­del in Schle­si­en ge­hö­ren.

Das Grund­wort des Be­rufs­na­mens, zî­del/Zei­del, ist erst spät als selbst­stän­di­ges Wort be­zeugt. Die Be­deu­tung scheint „Ho­nig“ge­we­sen zu sein, viel­leicht auch „Bie­nen­korb“.

Zum Wort Zei­del­bär („Ho­nig­bär“) gab es ei­ne nie­der­deut­sche Ent­spre­chung, die ur­sprüng­lich „tî­del­bê­re“lau­ten muss­te, aber erst mit Schwund des -d- als tîl­bêr be­legt ist. Dar­auf füh­ren die heu­ti­gen Fa­mi­li­en­na­men Thiel­beer, Thiel­bahr, Thiel­bar, Tiel­baar, Tiel­bo­er, Thiel­bier, Tie­le­bier und Thie­le­bier zu­rück. Die­se kön­nen als in­di­rek­te Be­rufs­na­men des Im­kers er­klärt wer­den – aber auch als Spott­na­men für ei­nen un­be­hol­fe­nen, tap­si­gen Men­schen.

Im In­ter­net fin­den Sie die Fa­mi­li­en­na­men, die Win­fried Breid­bach schon im Auf­trag un­se­rer Zei­tung un­ter­sucht hat. Un­ter www.noz.de/ na­men kön­nen sie auf­ge­ru­fen wer­den. Wei­te­re Na­mens­vor­schlä­ge bit­te an na­mens­for­scher@ noz.de sen­den.

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