Ost­see-He­ring hat Pro­ble­me mit Kin­der­stu­be

Im­mer we­ni­ger Lar­ven im Greifs­wal­der Bod­den – Sind stei­gen­de Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren schuld?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel -

RÜ­GEN. Mess­stel­le 302 im Greifs­wal­der Bod­den: Boots­mann Ge­rald Schmidt und Bio­lo­gie-Stu­dent Gai Fox zie­hen ein fein­löch­ri­ges Netz aus dem Greifs­wal­der Bod­den an Bord des For­schungs­schiffs „Clu­pea“. Das Ge­rät holt al­les an Bord, was in der et­wa sie­ben Me­ter ho­hen Was­ser­säu­le schwimmt: Mee­ras­seln, klei­ne Kreb­se und Plank­ton. Doch die Aus­beu­te ih­res ei­gent­li­chen For­schungs­ob­jek­tes ist mies. Nur 24 He­rings­lar­ven schwim­men in den bei­den Netz­be­chern des Fang­ge­rä­tes.

Die Mee­res­bucht zwi­schen den In­seln Rü­gen und Use­dom gilt als die be­deu­tends­te Kin­der­stu­be für den He­rings­be­stand in der west­li­chen Ost­see. „Der Greifs­wal­der Bod­den ist wie ei­ne gro­ße Pa­el­la-Pfan­ne ge­formt, mit we­nig Strö­mung und ei­nem gro­ßen Nähr­stoff­an­ge­bot für die Lar­ven“, sagt Chris­to­pher Zim­mer­mann, Di­rek­tor des Thü­nen-In­sti­tuts für Ost­see­fi­sche­rei. Rund 80 Pro­zent des west­li­chen Ost­see-He­rings­be­stan­des ha­ben hier nach An­ga­ben des In­sti­tuts ih­ren Ge­burts­ort.

Doch die For­scher sind we­gen ih­rer Lang­zeit­mes­sun­gen be­un­ru­higt. „Im Jahr 2016 hat­ten wir mit rund 0,4 Mil­li­ar­den N20-Lar­ven (Lar­ven mit ei­ner Län­ge von 20 Mil­li­me­tern) den schlech­tes­ten Jahr­gang seit 1990“, sagt Zim­mer­mann.

Die For­scher ver­mu­ten, dass ein Bün­del von na­tür­li­chen Ur­sa­chen die ho­he Sterb­lich­keit von Lar­ven in ei­nem frü­hen Sta­di­um ver­ur­sacht. Aus­ge­löst sein könn­te dies durch ei­ne er­höh­te kli­ma­be­ding­te Was­ser­tem­pe­ra­tur in der Ost­see. Aus­rei­chend, um die fein jus­tier­te Nah­rungs­ket­te zu stö­ren. Er­geb­nis: „Die Lar­ven ver­hun­gern schlicht­weg“, sagt Zim­mer­mann.

Erst­mals konn­ten im ver­gan­ge­nen Jahr For­scher aus Deutsch­land und an­de­ren Ost­see­an­rai­nern im Mo­ni­to­ring der ein- und zwei­jäh­ri­gen He­rin­ge eben­falls ei­nen Rück­gang der Be­stands­zah­len

be­ob­ach­ten. Hin­zu kom­me, dass der An­teil klei­ner He­rin­ge in den Schlepp­net­zen der Fi­scher ge­sun­ken sei, was auf schlech­te­re Jahr­gän­ge schlie­ßen las­se. Aus die­sem Grun­de ha­ben die For­scher vor Kur­zem die Ein­gangs­da­ten für die Be­rech­nung ge­än­dert.

So hat der In­ter­na­tio­na­le Rat für Mee­res­for­schung (ICES) die Bio­mas­se-Grö­ße für den Be­stand kor­ri­giert. Da­mit wä­re die­se Po­pu­la­ti­on nicht mehr im grü­nen Be­reich – mit dras­ti­schen Fol­gen für die Fi­sche­rei: Im kom­men­den Jahr könn­te den Fi­schern ei­ne deut­li­che Ab­sen­kung der Quo­ten dro­hen.

Be­droh­te Tier­ar­ten: Mehr Be­rich­te le­sen Sie auf noz.de/gzw

Fo­to: dpa

Seit 1977 mes­sen die Fi­sche­rei­bio­lo­gen in je­dem Früh­jahr im Greifs­wal­der Bod­den die jähr­li­chen Lar­ven­zah­len.

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