Ei­ne Ku­gel „Kein Hass“, bit­te

So­zia­ler Eis­la­den in New York

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel -

Erd­beer­eis zur Stär­kung der Frau­en­rech­te, Scho­ko-Brow­nies für mehr Ein­wan­de­rung? Wer am Ti­mes Squa­re Lust auf Eis ver­spürt, be­kommt ei­ne Por­ti­on po­li­ti­sches En­ga­ge­ment gleich mit in den Be­cher. Ziel der Be­trei­ber: Bit­te­re Kon­flik­te un­se­rer Zeit mit sü­ßen Mit­teln an­ge­hen.

NEW YORK. Wer sich für so­zia­le Be­lan­ge stark­ma­chen will, muss dann und wann man­che Hür­de über­win­den. So ging es je­den­falls Ken Lo, der nach der Wahl von USPrä­si­dent Do­nald Trump und „al­lem, was so ab­ging“, ein­fach mehr tun woll­te. In De­bat­ten zu Ein­wan­de­rung, Frau­en­rech­ten, Ab­trei­bung und Kli­ma­wan­del fühl­ten er und sein Part­ner Paul Kim, mit dem er in New York den Eis­la­den „Ice & Vice“be­treibt, sich mit­tel­los. „Wir wuss­ten nicht, was wir tun sol­len. Wir wis­sen nur, wie man Eis­creme macht.“

De­si­gne­rin Chel­sea Lip­man, die am „Wo­men’ s March“in Washington bei Trumps Amts­ein­füh­rung teil­ge­nom­men hat­te, wuss­te Ab­hil­fe. Im Dia­log mit der Ti­mes Squa­re Al­li­an­ce, der Or­ga­ni­sa­ti­on hin­ter dem Platz im Her­zen Man­hat­tans, kam ihr die Idee: ein Eis­la­den für so­zia­le Zwe­cke, ei­ne sü­ße und leich­te­re Ant­wort auf die bit­te­ren und schwe­ren The­men der Zeit. Vor zwei Wo­chen war Er­öff­nung.

Schon das Wort­spiel im Na­men deu­tet an, dass sich hin­ter dem bun­ten Con­tai­ner mehr ver­birgt als nur noch ein Stand für ei­nen sü­ßen Snack: „I Scream“be­deu­tet „Ich schreie“, klingt aber auch nach „ice cream“(Eis­creme).

Fünf Pro­zent der Ein­nah­men von „I Scream“ge­hen an Or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich für Bür­ger­rech­te, Ab­trei­bung, Kli­ma­schutz und nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft ein­set­zen. Man­che Men­schen spen­de­ten kein Geld für so­zia­le Zwe­cke, „weil sie es sehr um­ständ­lich fin­den“, sagt Lo. „Hier ist es ein biss­chen ein­fa­cher.“

Auf der Spei­se­kar­te lässt sich das po­li­ti­sche En­ga­ge­ment ab­le­sen: Vier Eis­be­cher spie­len auf De­bat­ten an, die die USA seit Trumps Wahl­kampf ver­stärkt be­schäf­ti­gen. Der Be­cher „No Bor­ders“(Kei­ne Gren­zen) er­in­nert mit zwei Eis­ku­geln so­wie Zu­ta­ten aus Me­xi­ko und den USA et­wa an die Nach­bar­schaft bei­der Län­der. „No Cen­sor­ship“(Kei­ne Zen­sur) soll klar­ma­chen, dass je­de Mei­nung zäh­le und nie­mand mund­tot ge­macht wer­den dür­fe – auch kei­ne Trump-Wäh­ler.

„No Me­ans No“(Nein heißt Nein) spielt auf Pro­ble­me rund um Ver­ge­wal­ti­gun­gen, Frau­en­feind­lich­keit und Trumps se­xis­ti­sche Pa­ro­len im Wahl­kampf an. Der Be­cher „No Ha­te“(Kein Hass) zielt mit pin­ken Far­ben und Re­gen­bo­gen ge­gen die Dis­kri­mi­nie­rung von Les­ben, Schwu­len, Bise­xu­el­len und Trans­gen­der (LGBT).

Als An­ti-Trump-Ak­ti­on will der 36-jäh­ri­ge Lo das al­les kei­nes­wegs ver­stan­den wis­sen. Al­le Mei­nun­gen sei­en will­kom­men, dis­ku­tiert wer­de am Stand und im Team auch häu­fi­ger. Ei­ni­ge wü­ten­de An­ru­fe hät­ten er und Paul trotz­dem be­kom­men. Trotz sei­ner links­li­be­ra­len Ein­stel­lung sieht Lo in Trumps Wahl auch et­was Gu­tes: „Er hat ei­nen öf­fent­li­chen Dia­log un­ter den Ame­ri­ka­nern er­zeugt. Er mag spal­ten, aber we­nigs­tens re­den wir jetzt.“

Eis­bu­den­be­sit­zer Ken Lo be­tei­ligt so­zia­le Ein­rich­tun­gen an Ein­nah­men. Fo­to: dpa

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