Kaum qua­li­fi­zier­te Flücht­lin­ge

Nur 15 Pro­zent auf Fach­kraft­ni­veau – Schul­mi­nis­te­rin will Sprach­för­de­rung aus­bau­en

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Klaus Wie­sche­mey­er

Nur ein Bruch­teil der Flücht­lin­ge im Nord­wes­ten ist nach An­sicht der Agen­tur für Ar­beit be­reits reif für den Ar­beits­markt. Vor al­lem bei der Spra­che hakt es. Vie­le sind ar­beits­los. Die Qua­li­fi­ka­ti­on wird noch lan­ge dau­ern.

Die Vor­sit­zen­de der Agen­tur für Ar­beit in Nie­der­sach­sen und Bremen hat vor zu viel Op­ti­mis­mus bei der be­ruf­li­chen In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen ge­warnt. „Die Hoff­nung, der Fach­kräf­te­man­gel kön­ne kurz­fris­tig durch Flücht­lin­ge zu be­he­ben sein, hat sich in Luft auf­ge­löst“, sag­te Bär­bel Hölt­zen-Sch­oh am Mon­tag in Han­no­ver.

Vie­le ver­füg­ten nur über mar­gi­na­le oder gar kei­ne Schul­bil­dung. Zu­dem klaff­ten die Selbst- und die Fremd­einschät­zung der ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten oft aus­ein­an­der. Selbst die Hoff­nung ei­ni­ger Un­ter­neh­men auf Eig­nung von Flücht­lin­gen für Hel­fer­tä­gig­kei­ten ha­be sich als „Il­lu­si­on“her­aus­ge­stellt.

Von den Flücht­lin­gen in Nie­der­sach­sen zählt die Ar­beits­agen­tur nur et­wa drei Pro­zent zu den be­ruf­li­chen Ex­per­ten wie dem sprich­wört­li­chen sy­ri­schen Arzt. Wei­te­re 15 Pro­zent sei­en in et­wa auf Fach­kräf­teni­veau qua­li­fi­ziert. Die gro­ße Mehr­heit kön­ne hin­ge­gen nur an­ge­lei­te­te Ar­bei­ten er­le­di­gen.

Nach An­ga­ben von Hölt­zen-Sch­oh sind in Nie­der­sach­sen der­zeit et­wa 21300 Men­schen aus „au­ßer­eu­ro­päi­schen Asyl­her­kunfts­län­dern“ar­beits­los ge­mel­det. Das sind 7600 Per­so­nen oder 55 Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Zwei Drit­tel die­ser Ar­beits­lo­sen sind Män­ner, 60 Pro­zent jün­ger als 35 Jah­re. Bin­nen ei­nes Jah­res hät­ten 3800 Per­so­nen ei­nen Ar­beits­platz ge­fun­den. 200 mach­ten sich selbst­stän­dig, 400 gin­gen in Aus­bil­dung. Schwer­punkt­bran­chen sei­en die Zeit­ar­beit, die Gas­tro­no­mie, der Di­enst­leis­tungs­sek­tor so­wie das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be. 9000 sei­en der­zeit in Qua­li­fi­zie­run­gen.

Hölt­zen-Sch­oh sprach bei ei­ner Ver­an­stal­tung der Initia­ti­ve „Nie­der­sach­sen packt an“, wel­che Ak­teu­re in der In­te­gra­ti­on zu­sam­men­brin­gen will. Te­nor des Tref­fens: Vor al­lem die Spra­che sei der Schlüs­sel zur In­te­gra­ti­on. Und hier müs­se man am Ball blei­ben. „Der Weg vom Flücht­ling zur Fach­kraft bleibt be­schwer­lich“, be­ton­te Hölt­zen-Sch­oh.

Auch Nie­der­sach­sens Kul­tus­mi­nis­te­rin Frau­ke Hei­li­gen­stadt (SPD) be­ton­te die Be­deu­tung des Sprach­un­ter­richts. Auch die an Schu­len ein­ge­rich­te­ten lan­des­weit rund 700 Sprach­lern­klas­sen könn­ten nicht je­des Kind in­ner­halb ei­nes Jah­res auf das er­hoff­te Sprach­ni­veau he­ben. Hei­li­gen­stadt lehnt ei­nen Ab­bau des in der Hoch­zeit der Flücht­lings­kri­se aus­ge­wei­te­ten An­ge­bots ab. Statt­des­sen prü­fe das Mi­nis­te­ri­um, „die Res­sour­cen für Sprach­för­de­rung noch wei­ter auf­zu­sto­cken“. Die Ver­mitt­lung von Deutsch als Zweit­spra­che sei ei­ne Dau­er­auf­ga­be für die Schu­len.

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Reif für den deut­schen Ar­beits­markt? Das trifft nicht auf vie­le Flücht­lin­ge in Nie­der­sach­sen zu. Fo­to: dpa

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