Ei­ne Ge­ne­ra­tio­nen­auf­ga­be

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Dirk Fis­ser d.fis­ser@noz.de

Die so­ge­nann­te Flücht­lings­kri­se ist die Ge­schich­te gro­ßer Miss­ver­ständ­nis­se: Auf der ei­nen Sei­te Mi­gran­ten, die zum Teil mit über­höh­ten Er­war­tun­gen nach Deutsch­land ka­men und dann ent­täuscht wur­den. Auf der an­de­ren Sei­te Deutsch­land, des­sen Be­hör­den und Eh­ren­amt­li­che sich 2015 streck­ten und reck­ten, um die Men­schen, die in Son­der­zü­gen und -bus­sen aus Rich­tung Sü­den ka­men, wür­dig un­ter­zu­brin­gen.

In der Dy­na­mik des Mo­ments ging et­was Ent­schei­den­des un­ter, das heu­te für

viel Miss­stim­mung sorgt: dass das Land nicht nur vor Pro­ble­men stand, die kurz­fris­tig ge­löst wer­den muss­ten, son­dern mit ei­ner Ge­ne­ra­tio­nen­auf­ga­be kon­fron­tiert war. Und die­se ist noch lan­ge nicht be­wäl­tigt.

Jüngs­te Un­ter­su­chun­gen ha­ben be­stä­tigt: je län­ger die Auf­ent­halts­dau­er von Flücht­lin­gen in Deutsch­land, des­to hö­her die Er­werbs­quo­te. Von den Men­schen, die vor fünf Jah­ren aus den heu­te wich­tigs­ten Asyl­her­kunfts­län­dern ein­ge­reist sind, hat mitt­ler­wei­le je­der Zwei­te Ar­beit. Die­se Quo­te deckt sich mit den Lang­zeit­be­ob­ach­tun­gen bei Mi­gran­ten, von de­nen laut In­sti­tut für Ar­beits­markt­und Be­rufs­for­schung nach 15 Jah­ren knapp 70 Pro­zent Ar­beit ge­fun­den ha­ben.

Das lässt er­ah­nen, in wel­chen Zei­t­räu­men ge­dacht wer­den muss, und macht deut­lich: Es wird an­stren­gend, es wird teu­er. Aber es wird sich loh­nen.

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