Mehr Werk­zeu­ge ge­gen Ter­ror

Maa­ßen: IS hat nach wie vor Wil­len und Kraft zu An­schlä­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Die Re­gie­rung hat schon mäch­tig an den Si­cher­heits­ge­set­zen ge­schraubt. Dem Ver­fas­sungs­schutz reicht das nicht. Prä­si­dent Maa­ßen will ei­nen vol­le­ren „Werk­zeug­kas­ten“, um Ter­ror­ge­fah­ren wirk­sam zu be­geg­nen.

Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent Hans-Ge­org Maa­ßen for­dert an­ge­sichts der Be­dro­hung durch den is­la­mis­ti­schen Ter­ror mehr Be­fug­nis­se und neue Struk­tu­ren für die deut­schen Si­cher­heits­be­hör­den. „Es ist not­wen­dig, dass Si­cher­heits­lü­cken ge­schlos­sen wer­den“, sag­te Maa­ßen am Mon­tag bei ei­nem Ver­fas­sungs­schut­zSym­po­si­um in Berlin. Die Si­cher­heits­be­hör­den müss­ten die nö­ti­gen Werk­zeu­ge an die Hand be­kom­men. „Der Werk­zeug­kas­ten ist noch nicht wirk­lich voll.“Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) warb für „Maß und Mit­te“in der Si­cher­heits­de­bat­te. Er be­ton­te, mehr Be­fug­nis­se für Po­li­zei und Ge­heim­diens­te be­deu­te­ten kei­ne ge­ne­rel­le Ein­schrän­kung der Frei­heit der Bür­ger.

Eu­ro­pa ist in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten und Jah­ren zum Ziel zahl­rei­cher is­la­mis­ti­scher An­schlä­ge ge­wor­den. Erst vor we­ni­gen Ta­gen hat­te ein At­ten­tä­ter am En­de ei­nes

Pop­kon­zerts in Man­ches­ter ei­nen Spreng­satz ge­zün­det und 22 Men­schen mit in den Tod ge­ris­sen. Auch in Deutsch­land gab es be­reits meh­re­re At­ten­ta­te. Der bis­lang schwers­te war der An­schlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt im ver­gan­ge­nen De­zem­ber. Maa­ßen sag­te, die Ge­fahr durch is­la­mis­ti­sche An­schlä­ge blei­be auf ho­hem Ni­veau und wer­de eher noch zu­neh­men. Die Ter­ror­mi­liz IS sei in Sy­ri­en und im Irak zwar auf dem Rück­zug, ha­be aber nach wie vor den Wil­len und die Kraft zu An­schlä­gen in Eu­ro­pa. Deutsch­land sei in der Prio­ri­tät des IS nach oben ge­rückt. Maa­ßen mahn­te, auch AlKai­da könn­te ver­su­chen, sei­nen Re­pu­ta­ti­ons­ver­lust durch neue, spek­ta­ku­lä­re An­schlä­ge wett­zu­ma­chen.

Der Ver­fas­sungs­schutz­chef be­klag­te, vie­le Struk­tu­ren im deut­schen Si­cher­heits­ap­pa­rat stamm­ten noch aus ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten. „Heu­te ha­ben wir es mit ei­nem an­de­ren Ter­ro­ris­mus zu tun.“Es ge­be zahl­rei­che Tä­ter­ty­pen und Ter­ror-Sze­na­ri­en. Auch neue Ra­di­ka­li­sie­rungs­we­ge über so­zia­le Netz­wer­ke, In­ter­net-Blogs und Mes­sen­ger-Di­ens­te sei­en ei­ne Her­aus­for­de­rung. Bei den Si­cher­heits­be­hör­den ge­be es an­ge­sichts der neu­en Be­dro­hun­gen „Er­tüch­ti­gungs­be­darf“. Ge­heim­diens­te könn­ten In­for­ma­tio­nen nur dann wei­ter­ge­ben, wenn sie die­se hät­ten. „Ei­ne Fuß­fes­sel braucht im­mer auch ei­nen Fuß, der uns be­kannt ist.“

Maa­ßen sag­te, der Än­de­rungs­be­darf be­tref­fe die Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur eben­so wie da­ten­schutz­recht­li­che Fra­gen. Er un­ter­stütz­te un­ter an­de­rem den Vor­stoß von de Mai­ziè­re für ei­ne zen­tra­le Steue­rung der Ver­fas­sungs­schutz­äm­ter durch den Bund. Au­ßer­dem müs­se die Samm­lung von In­for­ma­tio­nen ver­bes­sert wer­den, auch aus dem Um­feld von Ver­däch­ti­gen.

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