„Ein ganz gro­ßes Wir-Ge­fühl“

Deut­scher Schul­preis geht an be­rufs­bil­den­de Ein­rich­tung in Ha­meln – Ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Mat­thi­as Brunnert

Ein Schü­ler der Eli­sa­beth-Sel­bert-Schu­le (ESS) im nie­der­säch­si­schen Ha­meln sagt: „Je­der wird so ak­zep­tiert, wie er ist, egal wo­her er kommt.“Ein an­de­rer freut sich: „Hier herrscht ein gro­ßes Wir-Ge­fühl.“Ganz wun­der­bar fin­det die stell­ver­tre­ten­de Schul­lei­te­rin Bar­ba­ra Bre­mert sol­che Ein­schät­zun­gen. Seit Mon­tag ist klar: Die jun­gen Leu­te ha­ben nicht über­trie­ben.

Als bun­des­weit bes­te Schu­le hat die ESS den mit 100 000 Eu­ro do­tier­ten Deut­schen Schul­preis ge­won­nen. Der Ju­bel bei der Fest­ver­an­stal­tung mit Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel in Berlin ist oh­ren­be­täu­bend. Auch Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil war zu der Preis­ver­lei­hung ge­kom­men. „Das ist ein groß­ar­ti­ger Er­folg für die Schu­le, aber auch schön für das Land Nie­der­sach­sen“,

sag­te er. Schul­lei­te­rin Gi­se­la Grim­me sagt: „Was mich ganz be­son­ders freut: Dass hier mal ei­ne be­rufs­bil­den­de Schu­le steht.“

„Wir sind stolz auf un­se­re ESS“, sagt Ha­melns Land­rat Tjark Bar­tels (SPD). „Die Schu­le ar­bei­tet mit Herz und Lei­den­schaft, und sie weckt

Freu­de und Selbst­ver­ant­wor­tung bei den Schü­le­rin­nen und Schü­lern.“Was die ESS so be­son­ders ma­che, sei­en „die päd­ago­gi­schen Grund­wer­te der Leh­rer“, meint der 21-jäh­ri­ge Ha­san im In­ter­view der Ju­ry. An­ders als frü­her wer­de er hier we­gen sei­ner aus­län­di­schen Her­kunft nicht als Klein­kri­mi­nel­ler ab­ge­stem­pelt. Die 17-jäh­ri­ge Be­la­na sagt: „Die Leh­rer setz­ten sich ein, da­mit wir ei­nen gu­ten Ab­schluss ma­chen und gu­te Chan­cen auf dem Ar­beits­markt ha­ben.“

Ha­san und Be­la­na sind zwei von knapp 2000 Schü­lern aus 34 Na­tio­nen, die die Eli­sa­beth-Sel­bert-Be­rufs­schu­le be­su­chen. Sie wer­den in Fä­chern wie Agrar­wirt­schaft, Ge­sund­heit, Pfle­ge oder So­zi­al­päd­ago­gik un­ter­rich­tet. Und sie kön­nen je­de Art von Ab­schluss nach­ho­len – bis zum Abitur. „Wir ver­su­chen, durch ver­schie­de­ne Pro­jek­te und Pro­gram­me so auf die ein­zel­nen Men­schen ein­zu­ge­hen, dass je­der in­di­vi­du­ell sei­nen Weg neh­men kann“, sagt die stell­ver­tre­ten­de ESSLei­te­rin Bre­mert. „Wir ha­ben ein gu­tes För­der­kon­zept. Und wir sind ver­netzt mit vie­len Ein­rich­tun­gen in der Re­gi­on. Die Schü­ler kön­nen so im­mer wie­der raus­ge­hen aus der Schu­le und sich aus­pro­bie­ren.“

Be­son­ders gut ge­lin­ge es der ESS, die viel­fäl­ti­gen Bio­gra­fi­en ih­rer Schü­ler zu be­rück­sich­ti­gen, fand die Ju­ry: Ne­ben in­haf­tier­ten Ju­gend­li­chen wer­den der­zeit 124 jun­ge Men­schen mit Fluch­ter­fah­rung in Sprach­för­der­klas­sen un­ter­rich­tet und in den Schul­all­tag in­te­griert. Ei­ne zen­tra­le Rol­le spie­len Pro­jek­te, die Schu­le und Be­ruf ver­bin­den. So wer­den im fach­prak­ti­schen Un­ter­richt Pro­duk­te her­ge­stellt, um sie an­schlie­ßend im In­ter­net zu ver­trei­ben. Die da­zu ver­wen­de­ten Le­bens­mit­tel wach­sen über­wie­gend im Schul­gar­ten. So sam­meln die Ler­nen­den Er­fah­run­gen mit An­bau und Ern­te, Ver­ar­bei­tung und La­ge­rung bis hin zu Ver­trieb, Ver­mark­tung und Ver­kauf.

Ganz groß­ge­schrie­ben wer­de das ei­gen­ver­ant­wort­li­che Ler­nen, sagt Bre­mert. An vier Ta­gen pro Wo­che kön­nen die Schü­ler für je zwei St­un­den selbst ent­schei­den, wor­an sie ar­bei­ten wol­len. Als Eu­ro­pa­Schu­le pflegt die ESS zu­dem Aus­tausch­pro­gram­me mit Schu­len in gut ei­nem Dut­zend Län­dern. „Da­mit ist die ESS auch ein Vor­bild für Welt­of­fen­heit und Ver­stän­di­gung“, meint Land­rat Bar­tels.

Fünf wei­te­re Prei­se in Hö­he von je 25 000 Eu­ro gin­gen an die Grund­schu­le Borchs­hö­he in Bremen, Schu­len in Hei­del­berg und Kirchheim bei München, an die Eu­ro­pa­schu­le Born­heim in Nord­rhein-West­fa­len so­wie die Deut­sche Schu­le in Rio de Janei­ro, wie die Ro­bert-Bo­schStif­tung mit­teil­te. Sie ver­gibt den Deut­schen Schul­preis seit 2006 ge­mein­sam mit der Hei­de­hof-Stif­tung. Die Be­rufs­bil­den­den Schu­len Os­ter­holz-Scharm­beck und das Ernst-Mo­ritz-Arndt-Gym­na­si­um aus Osnabrück er­hiel­ten An­er­ken­nungs­prei­se von je­weils 5000 Eu­ro.

Ho­her Be­such: Zur Preis­ver­lei­hung ka­men Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) und Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) nach Ha­meln. Fo­to: dpa

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