Deut­scher Ton ge­gen Trump wird rau­er

Sor­ge in USA über Mer­kel-Aus­sa­ge

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Die Gip­fel-Pre­mie­ren von US-Prä­si­dent Trump ha­ben die west­li­che Ge­mein­schaft ge­spal­ten. Nach dem Wil­len der Bun­des­re­gie­rung soll Eu­ro­pa nun vor­an­schrei­ten und das Macht­va­ku­um in der in­ter­na­tio­na­len Po­li­tik fül­len. Ist die EU stark ge­nug?

BERLIN/WASHINGTON. Nach den weit­ge­hend ge­schei­ter­ten Gip­feln von G 7 und Na­to stellt sich das po­li­ti­sche Deutsch­land ge­gen US-Prä­si­dent Do­nald Trump. Die Bun­des­re­gie­rung und die Spit­zen al­ler im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en tra­ten am Mon­tag für ei­ne Eman­zi­pa­ti­on Eu­ro­pas von den USA ein. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel warn­te Trump in­di­rekt vor ei­nem Weg in die Iso­la­ti­on: „Wer sich heu­te na­tio­na­le Scheu­klap­pen auf­setzt und kei­nen Blick für die Welt um sich her­um hat, ver­läuft sich ins Ab­seits.“

Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) leg­te mit har­ten Wor­ten nach. Er sprach den USA un­ter Trump die Füh­rungs­rol­le in der west­li­chen Wer­te­ge­mein­schaft ab. „Wer die­ser US-Po­li­tik nicht ent­ge­gen­tritt, macht sich mit­schul­dig“, sag­te der Mi­nis­ter in Berlin. Ga­b­ri­el warf der US-Re­gie­rung ei­ne Schwä­chung des Wes­tens vor und sprach von ei­nem „Aus­fall der Ver­ei­nig­ten Staa­ten“auf der Welt­büh­ne.

SPD-Chef Mar­tin Schulz warf Trump so­gar „po­li­ti­sche Er­pres­sung“vor. „Der neue US-Prä­si­dent setzt nicht auf in­ter­na­tio­na­le Ko­ope­ra­ti­on, son­dern auf Iso­la­tio­nis­mus und das ver­meint­li­che Recht des Stär­ke­ren“, so der Kanz­ler­kan­di­dat in ei­nem Bei­trag für den „Ta­ges­spie­gel“.

Bei den Gip­fel­tref­fen wa­ren mas­si­ve Dif­fe­ren­zen zwi­schen Trump und sei­nen Ver­bün­de­ten bei Mi­li­tär­aus­ga­ben, Kli­ma­schutz oder in der Flücht­lings­po­li­tik deut­lich ge­wor­den. Mer­kel hat­te an­schlie­ßend ge­sagt: „Wir Eu­ro­pä­er müs­sen un­ser Schick­sal wirk­lich in un­se­re ei­ge­ne Hand neh­men.“

Kurz vor Be­kannt­wer­den von Ga­b­ri­els Wor­ten hat­te die SPD das Vor­ge­hen von Mer­kel für un­glaub­wür­dig er­klärt. „Es ist kei­ne Kunst, im Bier­zelt über Trump zu schimp­fen“, kri­ti­sier­te Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley. Hal­tung zei­ge sich beim di­rek­ten Auf­ein­an­der­tref­fen. „Und genau da knickt Mer­kel vor Trump ein.“

Lin­ke-Che­fin Kat­ja Kip­ping ver­lang­te, Deutsch­land müs­se nun „mit dem Duck­mäu­ser­tum ge­gen­über den USA“auf­hö­ren und „ei­ne kla­re Kan­te ge­gen das Auf­rüs­tungs-Dik­tat von Trump“zei­gen. Der Grü­nen-Au­ßen­ex­per­te Jür­gen Trit­tin stell­te die Part­ner­schaft mit Trump grund­sätz­lich in­fra­ge.

In den USA stie­ßen die Äu­ße­run­gen Mer­kels auf ein ge­teil­tes Echo. Der de­mo­kra­ti­sche Ab­ge­ord­ne­te Adam Schiff be­dau­er­te ein En­de der be­son­de­ren Be­zie­hun­gen der USA zu Deutsch­land. „Wenn der Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten das ei­nen gro­ßen Er­folg nennt, tut es mir leid“, sag­te Schiff.

Die „New York Ti­mes“zi­tier­te den frü­he­ren US-Bot­schaf­ter bei der Na­to, Ivo Daal­der, mit den Wor­ten: „Die­ses scheint das En­de ei­ner Ära zu sein, in der die USA ge­führt ha­ben und Eu­ro­pa ge­folgt ist.“Die Pu­lit­zerP­reis-ge­krön­te Au­to­rin An­ne App­le­baum schrieb auf Twit­ter: „Seit 1945 ha­ben erst die UdSSR und dann Russ­land ver­sucht, ei­nen Keil zwi­schen Deutsch­land und die USA zu trei­ben. Dank Trump hat Pu­tin es ge­schafft.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.