Kein mar­ki­ges Be­kennt­nis

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Burk­hard Ewert b.ewert@noz.de

Ver­mut­lich hat An­ge­la Mer­kel das Be­schwö­ren der eu­ro­päi­schen Stär­ke in Ab­gren­zung zu den USA so nicht ge­meint. Sich von an­de­ren Macht­blö­cken der Welt ab­zu­gren­zen war kei­ne re­vo­lu­tio­nä­re Tat und auch kei­ne kom­pro­miss­lo­se Ab­kehr. Es war ei­ne nüch­ter­ne Be­schrei­bung der Tat­sa­chen, wie sie an­de­re be­reits seit Län­ge­rem se­hen – zu­meist je­ne, die viel un­ter­wegs sind und über­all spü­ren, wie das west­li­che Ge­sell­schafts­mo­dell an Zug­kraft ver­liert. Asi­en, Afri­ka, Russ­land, auch die Tür­kei: Die Welt braucht Eu­ro­pa nicht mehr. Fol­ge­rich­tig muss es selbst se­hen, wo es bleibt – nicht aus Stär­ke her­aus, son­dern eher aus Schwä­che.

Mit Do­nald Trump hat das zu­nächst we­nig zu tun. Auch Ba­rack Oba­ma maß dem Pa­zi­fik mehr Be­deu­tung bei als dem At­lan­tik.

Das ei­ne ist al­so, was Mer­kel sag­te – das an­de­re, wie es das Pu­bli­kum deu­tet. Und da lag es na­he für je­den, der Trump hasst, in die Wor­te der Kanz­le­rin ei­ne ak­tu­el­le Kri­tik und Ab­kehr hin­ein­zu­le­gen. Die li­be­ra­len Blät­ter „Washington Post“und „New York Ti­mes“mach­ten den An­fang mit die­ser Deu­tung. Sie nah­men Mer­kels Aus­sa­gen als will­kom­me­nen Be­leg für die fa­ta­le Wir­kung des Prä­si­den­ten. Da­bei war es nicht viel mehr als ein Wer­ben für Eu­ro­pa mit ei­nem Hauch von Lei­den­schaft, wie man ihn von der Kanz­le­rin kaum ge­wohnt ist. Nicht we­ni­ger, aber eben auch nicht mehr.

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