Äm­ter neh­men mehr Kin­der in Ob­hut

Bi­lanz beim Kin­der­schutz: Er­folgs­mo­dell Fa­mi­li­en­heb­am­men

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Mäd­chen oder Jun­gen, die kaum spre­chen oder blaue Fle­cken ha­ben: An­zei­chen da­für, dass das Wohl ei­nes Kin­des ge­fähr­det ist, gibt es vie­le. Ex­per­ten in Han­no­ver zie­hen Bi­lanz.

In Nie­der­sach­sen kom­men im­mer mehr Kin­der auf An­ord­nung der Ju­gend­äm­ter in Hei­me oder in Pfle­ge­fa­mi­li­en. Die Zahl der so­ge­nann­ten Inob­hut­nah­men stieg von 2300 im Jahr 2007 auf 5700 im Jahr 2015. Dar­un­ter wa­ren aber auch vie­le un­be­glei­te­te Flücht­lin­ge, die in Hei­men oder spe­zi­el­len Be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen un­ter­ge­bracht wur­den. 2014 wa­ren knapp 3900 Mäd­chen und Jun­gen be­trof­fen. Nie­der­sach­sen ha­be ei­nen wir­kungs­vol­len und ef­fek­ti­ven Kin­der­schutz, sag­te So­zi­al­mi­nis­te­rin Cor­ne­lia Rundt (SPD) am Mon­tag beim ers­ten Kin­der­schutz­kon­gress in Han­no­ver.

200 Fach­kräf­te aus der Kin­der- und Ju­gend­hil­fe tausch­ten dort ih­re Er­fah­run­gen aus. Es ging un­ter an­de­rem um Kin­der als Zeu­gen häus­li­cher Ge­walt, aber auch um Ehen von Min­der­jäh­ri­gen und Kin­der­schutz im me­di­zi­ni­schen Be­reich. Die Bi­lanz der Ex­per­ten in der Über­sicht:

Sor­ge­rechts­ent­zug: Im Ver­gleich zu vor zwan­zig Jah­ren gab es zu­letzt mehr Fäl­le, in de­nen El­tern das Sor­ge­recht für ih­re Kin­der ent­zo­gen wur­de. Das ist das Er­geb­nis ei­nes ak­tu­el­len For­schungs­pro­jekts von Bar­ba­ra Sei­den­stü­cker, Pro­fes­so­rin an der Ost­baye­ri­schen Tech­ni­schen Hoch­schu­le Re­gens­burg. 2015 wur­de bun­des­weit in mehr als 15 000 Fäl­len das Sor­ge­recht ent­zo­gen. „Im Ver­gleich zu 1994 wa­ren da­mit 2015 mehr als dop­pelt so vie­le Kin­der von Sor­ge­rechts­ent­zü­gen be­trof­fen“, sag­te Sei­den­stü­cker. Be­son­ders be­trof­fen wa­ren die un­ter Drei­jäh­ri­gen.

Kin­des­wohl: Zu­ge­nom­men ha­ben der Stu­die zu­fol­ge auch Fäl­le von Kin­des­wohl­ge­fähr­dung durch Drit­te. Aus der Schu­le, von Ärz­ten, Nach­barn und Ver­wand­ten gibt es oft Hin­wei­se. In ei­nem Drit­tel der Fäl­le ist das Kin­des­wohl tat­säch­lich ge­fähr­det, et­wa ein wei­te­res

Drit­tel stellt sich als un­be­grün­det her­aus, und beim Rest ist das Kind nicht ge­fähr­det, die Fa­mi­lie braucht aber Hil­fe.

Fa­mi­li­en­heb­am­men: Als Er­folgs­mo­dell be­zeich­ne­te So­zi­al­mi­nis­te­rin Rundt die Fa­mi­li­en­heb­am­men, die in Nie­der­sach­sen seit mehr als zehn Jah­ren im Ein­satz sind. Sie hel­fen et­wa Te­e­nie­müt­tern, psy­chisch kran­ken Müt­tern oder wel­chen, die im so­zia­len Um­feld mit Ge­walt kon­fron­tiert sind, in den ers­ten Le­bens­mo­na­ten ih­res Kin­des.

In­ves­ti­tio­nen: Das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um in­ves­tiert wei­ter in den Kin­der­schutz. Zum Bei­spiel er­hal­ten die Kin­der­schutz­zen­tren in Han­no­ver und Ol­den­burg in die­sem Jahr je­weils 195 000 Eu­ro. Die Kin­der­schutz­am­bu­lanz in der Me­di­zi­ni­schen Hoch­schu­le Han­no­ver be­kommt knapp 133 000 Eu­ro, ei­ne hal­be Mil­li­on Eu­ro tei­len sich die 20 Be­ra­tungs­stel­len im Be­reich Ge­walt ge­gen Kin­der und Ju­gend­li­che.

Mehr Fa­mi­li­en­the­men fin­den Sie im Netz auf noz.de/fa­mi­lie

Sieht Kin­der im Land wirk­sam ge­schützt: So­zi­al­mi­nis­te­rin Cor­ne­lia Rundt. Fo­to: dpa

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