Kul­tur­er­be in der Tee­tas­se

Ost­frie­si­sche Tee­kul­tur und Blau­druck in Unesco-Lis­te

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Die ost­frie­si­sche Tee­kul­tur und die vor al­lem noch in Nie­der­sach­sen be­ste­hen­den Blau­druck-Werk­stät­ten zäh­len seit Mon­tag zum im­ma­te­ri­el­len Kul­tur­er­be. Bun­des­weit wur­den 34 Kul­tur­for­men und Bräu­che neu auf­ge­nom­men, teil­te die Deut­sche Unesco-Kom­mis­si­on mit. Da­zu ge­hö­ren bei­spiels­wei­se auch der Poe­try-Slam, das Mär­chen­er­zäh­len und die Por­zel­lan­ma­le­rei.

Ost­fries­land ist seit rund 300 Jah­ren ei­ne Tee­trin­ker­re­gi­on und hat ein ei­ge­nes Ri­tu­al ent­wi­ckelt, Tee zu trin­ken. Der mit lo­sen Tee­blät­tern zu­be­rei­te­te Tee wird auf ein in der Tas­se lie­gen­des Stück wei­ßen Kan­dis­zu­cker („Kl­unt­je“) ge­gos­sen. An­schlie­ßend wird ein we­nig Sah­ne am Rand der Tas­se auf den Tee­spie­gel ge­gos­sen. Sie sinkt zu­nächst nach un­ten und steigt dann wie­der nach oben. Da­bei ent­steht ein wol­ke­n­ähn­li­ches Ge­bil­de („Wulk­je“). In der Re­gel wird der Tee nicht um­ge­rührt, so­dass mit je­dem Schluck ein an­de­rer Ge­schmack ent­steht: zu­nächst die mil­de Sah­ne, dann der kräf­ti­ge Tee und zu­letzt die Sü­ße des Kan­dis.

Blau­druck ist ein Druck­ver­fah­ren, das auf Na­tur­ma­te­ria­li­en wie Lei­nen, Baum­wol­le oder Sei­de an­ge­wandt wird. Heu­te gibt es in Deutsch­land nur noch we­ni­ge Blau­druck­werk­stät­ten, dar­un­ter Fa­mi­li­en­be­trie­be in Ein­beck, Je­ver und Schee­ßel. Die dort ge­fer­tig­ten Stof­fe wer­den zu Tisch­tü­chern, Vor­hän­gen, Hem­den oder Me­ter­wa­re ver­ar­bei­tet. Auch für die Her­stel­lung von Trach­ten spielt der Blau­druck ei­ne wich­ti­ge Rol­le.

Seit 2003 un­ter­stützt die Unesco den Schutz, die Do­ku­men­ta­ti­on und den Er­halt von Kul­tur­for­men, die von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Mehr als 400 Bräu­che, Darstel­lungs­küns­te, Hand­werks­tech­ni­ken und Na­tur­wis­sen aus al­ler Welt ste­hen der­zeit auf den drei Unesco-Lis­ten.

Erst der Kan­dis, dann der Tee, zu­letzt die Sah­ne: Die ost­frie­si­sche Tee­zu­be­rei­tung hat fes­te Re­geln und zählt seit ges­tern zum im­ma­te­ri­el­len Kul­tur­er­be der Unesco. Fo­to: dpa

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