Auf der Su­che nach neu­en Freun­den

EU könn­te sich im Streit mit Trump Chi­na und In­di­en zu­wen­den – Mehr Han­del

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Dis­ku­tie­ren Sie auf noz.de

Die Eu­ro­päi­sche Uni­on sucht be­reits nach Part­nern für den Fall, dass die USA sich ganz auf sich zu­rück­zie­hen. Sie nimmt Chi­na und In­di­en in den Blick. Die­se Wo­che könn­te be­reits Fort­schrit­te brin­gen.

Von Det­lef Dre­wes

Ei­nen Tag nach ei­ner ent­spre­chen­den Äu­ße­rung von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ist das Schlag­wort von der grö­ße­ren Selbst­stän­dig­keit Eu­ro­pas auch in Brüs­sel an­ge­kom­men. „Es geht dar­um si­cher­zu­stel­len, dass Eu­ro­pa sein ei­ge­nes Schick­sal be­stimmt“, er­klär­te Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker am Mon­tag. Man wol­le zwar „die gu­ten trans­at­lan­ti­schen Be­zie­hun­gen fort­set­zen“. Den­noch scheint die Uni­on mehr und mehr ent­schlos­sen, sich von Wa­shing­tons Pro­tek­tio­nis­mus nicht un­ter­krie­gen zu las­sen.

Be­reits am Mon­tag traf Mer­kel in Berlin mit dem in­di­schen Re­gie­rungs­chef Na­ren­dra Mo­di zu­sam­men. Zwi­schen De­lhi und Brüs­sel wird seit 2011 über ein Frei­han­dels­ab­kom­men ver­han­delt, das aber der­zeit auf Eis liegt. Dass das ein Feh­ler sein könn­te, be­leg­te ei­ne Stu­die des Ifo-In­sti­tu­tes im Auf­trag der Ber­tels­mann-Stif­tung, die am Wo­chen­an­fang für Fu­ro­re sorg­te. Sie ver­heißt bei­den Sei­ten deut­li­che Zu­ge­win­ne, wenn man sich auf den Ab­bau von Zöl­len ei­ni­gen wür­de, die in In­di­en zum Bei­spiel bei Kraft­fahr­zeu­gen und Ma­schi­nen bis zu 100 Pro­zent be­tra­gen kön­nen. In­di­ens Wirt­schafts­leis­tung könn­te um 1,5 Pro­zent wach­sen, heißt es. Eu­ro­pa wür­de mit ei­nem jähr­li­chen Plus von 0,14 Pro­zent be­lohnt. 4,6 Mil­li­ar­den Eu­ro wä­ren zu­sätz­lich für die deut­schen Her­stel­ler drin.

Die EU bas­telt an ei­ner Stra­te­gie für die mit­tel­fris­ti­ge und län­ge­re Zu­kunft, für die sie viel­ver­spre­chen­de Part­ner braucht. Da­zu ge­hört nicht zu­letzt Chi­na, des­sen Pre­mier­mi­nis­ter Li Ke­qiang am Don­ners­tag und Frei­tag in Brüs­sel er­war­tet wird.

Dort geht es nicht mehr nur um Kla­gen über Über­pro­duk­ti­on und schlech­te Qua­li­tät – noch sind es vor al­lem chi­ne­si­sche Pro­duk­te, die EU-Be­hör­den ein­zie­hen, weil sie nicht den eu­ro­päi­schen Si­cher­heits­vor­ga­ben ent­spre­chen. Aus­ge­rech­net beim The­ma Kli­ma­schutz, das US-Prä­si­dent Do­nald Trump beim G-7-Gip­fel so rü­de ab­bü­gel­te, zie­hen Brüs­sel und Pe­king je­doch mehr und mehr an ei­nem Strang.

Bei­de ver­spre­chen sich von der in­ten­si­ve­ren Nut­zung er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en für die Zu­kunft mas­si­ve Wett­be­werbs­vor­tei­le und set­zen dar­auf, dass Strom aus Son­ne und Wind ex­trem bil­lig wird. Da­mit wä­re das Reich der Mit­te ein viel­ver­spre­chen­der po­li­ti­scher, aber auch öko­no­mi­scher Part­ner, zu­mal beim Han­del noch Luft nach oben ist.

„Wir se­hen Asi­en als lang­fris­ti­ges Pro­jekt“, sag­te am Mon­tag ein Kom­mis­si­ons­mit­glied im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Wel­che Han­dels­po­li­tik ist rich­tig? Vor den deutsch-in­di­schen Re­gie­rungs­kon­sul­ta­tio­nen: Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel emp­fängt In­di­ens Pre­mier­mi­nis­ter Na­ren­dra Mo­di auf Schloss Me­se­berg bei Berlin.

Mer­kel trifft Mo­di: der deutsch-in­di­sche Gip­fel auf noz.de/po­li­tik

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