Flücht­lin­ge er­zäh­len aus ih­rem All­tag

Buch mit Ge­schich­ten aus der al­ten und der neu­en Hei­mat für Deutsch­kur­se ge­schrie­ben

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Region - Von Diet­lind El­le­rich

Deutsch ist ei­ne schwie­ri­ge Spra­che, an de­ren or­tho­gra­fi­schen und gram­ma­ti­schen Fi­nes­sen selbst Mut­ter­sprach­ler nicht sel­ten schei­tern. Wie mag es da den Men­schen ge­hen, die mit dem Er­werb der deut­schen Spra­che Neu­land be­tre­ten?

„Üben, üben und noch­mals üben“, lau­tet die De­vi­se auch für die in Met­tin­gen le­ben­den Flücht­lin­ge. Ei­gent­lich ba­nal, und doch gar nicht so ein­fach, wenn über die in den Deutsch­kur­sen ver­wen­de­ten Lehr­bü­cher hin­aus kei­ne Li­te­ra­tur zur Ver­fü­gung steht, die sich zum Üben eig­net.

„Es gibt kaum Tex­te für er­wach­se­ne Le­se­an­fän­ger“, be­dau­ert Do­ro­thee Mül­ste­gen, Lei­te­rin ei­nes Deutsch­kur­ses un­ter dem Dach des Ar­beits­krei­ses Asyl, das Man­ko, das das Ver­tie­fen der Spra­che na­he­zu un­mög­lich macht. Da die meis­ten leich­ten Tex­te für Kin­der ge­eig­net oder zu lang sei­en, be­schlos­sen Kurs­teil­neh­mer und Lei­te­rin, Ab­hil­fe zu schaf­fen. Die Frau­en und Män­ner aus Af­gha­nis­tan, Pa­kis­tan, Ban­gla­desch, Sy­ri­en, Irak, Al­ba­ni­en und dem Kosovo schrie­ben ei­ge­ne Tex­te, in de­nen sie aus ih­rer Hei­mat oder aus ih­rem neu­en All­tag in Met­tin­gen er­zäh­len.

Mehr als 30 Sei­ten hat das Kurs­buch, das vor we­ni­gen Ta­gen in ei­ner Druck­auf­la­ge von 100 Stück er­schie­nen ist. Zu Recht stolz sind die Au­to­ren auf ih­re Ge­schich­ten, in de­nen sie ih­re Wün­sche, Hoff­nun­gen, Er­in­ne­run­gen, Ta­ges­ab­läu­fe, Ängs­te um die in der Hei­mat ge­blie­be­ne Fa­mi­lie und vie­le Ge­dan­ken mehr for­mu­liert ha­ben.

Fo­tos, die Zeich­nung, die ei­ne Au­to­rin aus Sy­ri­en von ih­rem Hei­mat­dorf an­ge­fer­tigt hat, ei­ne kur­ze Ein­füh­rung in die in­do-ara­bi­schen Zif­fern und die Öff­nungs­zei­ten der ver­schie­de­nen Ein­rich­tun­gen, die der Ar­beits­kreis Asyl be­treibt, er­gän­zen das Kurs­buch im DIN-A4For­mat. Le­cker wird es auf ei­ni­gen Sei­ten mit Re­zep­ten aus Sy­ri­en und Af­gha­nis­tan.

Die Kurs­teil­neh­mer, die am Buch mit­ge­ar­bei­tet ha­ben, schei­nen sich in Met­tin­gen wohl­zu­füh­len. Das wird nicht nur an den Dan­kes­wor­ten für ih­re eh­ren­amt­li­chen Deutsch­leh­rer deut­lich, son­dern auch auf dem rück­wär­ti­gen Ein­band, auf dem in meh­re­ren Spra­chen „Gu­ten

Tag“und „Auf Wie­der­se­hen“so­wie Wör­ter wie Frie­den, Glück, Freun­de und Dan­ke zu le­sen sind.

„Es hat Spaß ge­macht zu schrei­ben“, spricht Isaq Rah­ma­ni aus, was vie­le Kurs­teil­neh­mer

über ihr Buch den­ken. Jetzt wün­schen sich al­le, dass vie­le das Heft le­sen. Nicht nur die Flücht­lin­ge zu Übungs­zwe­cken, son­dern auch die Ein­hei­mi­schen, da­mit sie mehr über die neu­en

Mit­bür­ger er­fah­ren, von de­nen ei­ni­ge schon seit mehr als ein­ein­halb Jah­ren vor Ort le­ben. „Es soll ein Buch von den Ge­flüch­te­ten für al­le Met­tin­ger sein“, kün­digt Do­ro­thee Mül­ste­gen den Ver­kauf

der Bro­schü­re bei Ver­an­stal­tun­gen und in ei­ni­gen Ge­schäf­ten an. Der Er­lös ge­he zu 100 Pro­zent an den Ar­beits­kreis Asyl und wer­de für die Be­schaf­fung von Lehr­bü­chern ein­ge­setzt.

Ge­schafft! Do­ro­thee Mül­ste­gen (2. v. l.) freut sich mit ih­ren Kurs­teil­neh­mern Ha­nem Qas­sim (v. r.), You­sef Ja­kub, Has­san Ala­li und Isaq Rah­ma­ni über die Fer­tig­stel­lung des Kurs­bu­ches. Fo­to: Diet­lind El­le­rich

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