„Ich ma­che ei­nen Schritt auf euch zu“

Enochs beim Hei­mat­abend: Erst Zu­hö­rer bei der Fan-Kri­tik, dann en­ga­gier­ter Red­ner

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport Regional - Von Lenn­art Al­bers

Beim Hei­mat­abend von Kal­la We­fel am Sonn­tag­abend in der La­ger­hal­le rund um das The­ma VfL Osnabrück ka­men die Fans zu Wort. Dann nahm sich Chef­trai­ner Joe Enochs die Kri­tik der Fans zu Her­zen und be­ein­druck­te mit ei­nem lei­den­schaft­li­chen Auf­tritt.

Im ers­ten Teil des Abends ließ We­fel die Fans zu Wort kom­men. Zu­nächst dis­ku­tier­ten User des Treff­punkts, des Fo­rums der In­ter­net­sei­te „li­la-weiss.de“, vor al­lem über den Vor­wurf der ver­such­ten Spiel­ma­ni­pu­la­ti­on. Hier zeig­te sich be­son­ders die Ent­täu­schung der Fans, über die bei­den be­reits an die Öf­fent­lich­keit ge­tre­te­nen Spie­ler Ad­dy Wa­ku Men­ga und Marc Hei­der. „Dass Spie­ler sich so na­iv ver­hal­ten, hat mich über­rascht“, mein­te Frank Schnei­der, der aber auch dem VfL ei­ne Schuld zu­wies: „Der Ver­ein hät­te bes­ser schu­len müs­sen.“Kon­rad von Kam­pen

ging so­gar noch ei­nen Schritt wei­ter und sprach „von ei­ner Ka­ta­stro­phe für un­se­ren VfL“. Der ein­heit­li­che Te­nor der fünf Dis­ku­tan­ten des Treff­punkts lau­te­te schließ­lich: Soll­te sich auch nur ein klei­ner Ver­dacht be­stä­ti­gen, dür­fen al­le drei Spie­ler nicht mehr für den VfL auf­lau­fen.

In der zwei­ten Ge­sprächs­run­de er­neu­er­ten in der Fan­ab­tei­lung or­ga­ni­sier­te Fans ih­re Ent­täu­schung über die ver­gan­ge­ne Spiel­zeit und die Kri­tik an der Ver­eins­füh­rung. „Die Ver­ant­wort­li­chen sind nicht an der Ba­sis. Nur wenn die Kri­tik der Fans mal ernst ge­nom­men wird, kann es ei­nen Osnabrücker Weg

ge­ben“, be­haup­te­te Alex Stu­cken­berg (2. Vor­sit­zen­der der Fan­ab­tei­lung).

Emo­tio­nal wur­de es, als Enochs das Po­di­um be­trat. Der VfL-Trai­ner war sehr in­ter­es­siert an ei­ner Wer­te­dis­kus­si­on und zeig­te di­rekt, dass ihm der Ernst der La­ge be­wusst ist: „Ich weiß, dass wir auf der emo­tio­na­len Ebe­ne ein Pro­blem ha­ben. Und ich möch­te die­ses Pro­blem of­fen­siv an­ge­hen.“Da­bei be­ton­te er, di­rekt auf We­fel zu­ge­gan­gen zu sein und sich trotz ei­ner Fa­mi­li­en­fei­er den Fra­gen und der Kri­tik der Fans stel­len zu wol­len.

Das tat Enochs dann auch über ei­ne St­un­de lang. Er dis­ku­tier­te en­ga­giert mit den Zu­hö­rern, er­hob oft sei­ne Stim­me, klopf­te sich teil­wei­se auf die Brust, zeig­te sich aber auch durch ei­ni­ge Kri­ti­ken ver­letzt. „Die Vor­ur­tei­le, die ver­brei­tet wer­den, ma­chen mich sau­er. Des­halb bin ich auch sehr ge­la­den“, sag­te er, nach­dem We­fel den Vor­wurf der Spiel­ma­ni­pu­la­ti­on an­sprach.

Der VfL-Trai­ner er­zähl­te, dass ihm die­se Vor­fäl­le vie­le schlaf­lo­se Näch­te be­rei­te­ten, er aber kei­nen Er­mitt­lun­gen vor­grei­fen wer­de und zu­nächst von der „Un­schulds­ver­mu­tung“aus­ge­he.

Enochs ging dann kon­kret auf Kri­ti­ker zu. So dis­ku­tier­te er mit Fan und Treff­punk­tU­ser Vol­ker Blüml, der sich als Enochs-Kri­ti­ker be­kann­te und sich mit dem VfL-Coach auf das Po­di­um trau­te. Der Chef­trai­ner ge­stand da­bei ein, Geg­ner wie die U 23 von Mainz 05 auf­grund in­di­vi­du­el­ler Stär­ken ein­zel­ner Spie­ler wie des Sturm­ta­l­ents Aa­ron Sey­del zu stark ge­re­det zu ha­ben, schränk­te aber ein: „Ich bin nicht der Typ, der sagt: Die hau­en wir 8:0 weg.“Sym­bo­lisch hob er an­schlie­ßend ein Blatt Pa­pier und sagt en­er­gisch: „Wenn ihr so ei­nen Ty­pen wollt – bit­te, hier ist mein Ver­trag.“

An­ge­spro­chen auf sei­ne Ver­län­ge­rung um drei Jah­re, äu­ßer­te er Ver­ständ­nis für den Vor­wurf, der Ver­ein ha­be aus der lang­fris­ti­gen Ver­trags­ver­län­ge­rung mit Ex-Trai­ner Ma­ik Wal­pur­gis nichts ge­lernt, sag­te aber auch, dass er zu sei­nem Kon­zept ste­he, lang­fris­ti­ge Auf­bau­ar­beit mit jun­gen Ta­len­ten wie Stef­fen Tig­ges oder Se­bas­ti­an Klaas zu leis­ten. „Wenn ihr mich nicht mehr ha­ben wollt, wer­de ich dem Ver­ein nicht lan­ge auf der Ta­sche lie­gen“, ver­sprach er den Fans.

Der VfL-Trai­ner be­en­de­te den Abend mit ei­nem deut­li­chen Plä­doy­er: „Ich ste­he zu mei­ner ehr­li­chen Art. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on vom Ver­ein ist schlecht, aber ich möch­te da­ran ar­bei­ten. Ich ma­che hier heu­te den Schritt auf euch zu, kommt ihr mir auch ent­ge­gen.“Für die­se Wor­te und sei­nen Auf­tritt ern­te­te er viel Ap­plaus und An­er­ken­nung. „Die­se Lei­den­schaft, mit der du hier heu­te auf­ge­tre­ten bist, wün­schen wir uns im­mer“, freu­te sich ei­ne Zu­hö­re­rin aus dem Pu­bli­kum.

Auf ei­ge­nen Wunsch Gast beim Hei­mat­abend: VfL-Trai­ner Joe Enochs stell­te sich den Fra­gen der Fans und von Gast­ge­ber Kal­la We­fel. Fo­to: Lenn­art Al­bers

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