Geld schlägt Herz

Re­le­ga­ti­on: Wolfs­burg bleibt nach 1:0 in Braunschweig erst­klas­sig – Fans stür­men Platz

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sport - Von Su­san­ne Fetter

Der VfL Wolfs­burg hat sich in der Re­le­ga­ti­on ge­gen Zweit­li­gist Ein­tracht Braunschweig ge­ret­tet und spielt nächs­te Sai­son in der Fuß­ball-Bun­des­li­ga. Die Mil­lio­nen­trup­pe aus der Au­to­stadt sieg­te wie im Hin­spiel mit 1:0. Bei den Ein­tracht-Fans ent­lud sich der Frust in ei­nem Platz­sturm.

BRAUNSCHWEIG. Wie groß die Er­leich­te­rung bei den Spie­lern und den Fans des VfL war, zeig­te sich di­rekt nach dem 1:0. Kurz nach der Halb­zeit hat­te Yu­nus Mal­li den Ball auf das Tor ge­zim­mert, Braun­schweigs Kee­per Jasmin Fe­ji­zic konn­te den Ball ge­ra­de noch ab­weh­ren, doch beim Nach­schuss von Frei­tas Vieirin­ha-De war er macht­los,

Al­le stürm­ten sie zum Tor­schüt­zen. Die Spie­ler auf dem Feld und die Er­satz­leu­te, die sich am Rand schon seit Be­ginn der ers­ten Halb­zeit warm ge­macht hat­ten. Zu­sam­men ju­bel­ten da knapp 150 Mil­lio­nen Eu­ro vor der grün-wei­ßen Fan­kur­ve.

Ob Fran­cis­co Ja­vier Gar­cia Sanz auch fei­er­te? Ver­mut­lich. Das Vor­stands­mit­glied von VW ist Auf­sichts­rat­chef bei der 100-pro­zen­ti­gen Toch­ter des Au­to­bau­ers. Bis zu 70 Mil­lio­nen soll die­ser in den Bun­des­li­gis­ten pum­pen. Es war schon ein­mal mehr.

Den­noch wa­ren die Zie­le auch in die­ser Sai­son hoch. Doch die Mann­schaft zu­sam­men­ge­stellt um den Ein­zug in die Cham­pi­ons Le­ague an­zu­pei­len, muss­te um den Bun­des­li­ga-Er­halt zit­tern. Wie­so? Das zeig­te sie in der ers­ten Halb­zeit. „Wir wa­ren im Hin­spiel die bes­se­re Mann­schaft“, hat­te ihr nie­der­län­di­scher Trai­ner, der drit­te in die­ser Sai­son beim VfL, An­dries Jon­ker, ge­tönt. Ähn­lich über­heb­lich ging sein Team das Rück­spiel an.

Die Ein­tracht da­ge­gen setz­te um, was ihr Trai­ner Thors­ten Lie­ber­knecht ge­for­dert hat­te. „Dampf “woll­te er se­hen am bis­her hei­ßes­ten Tag des Jah­res. Auch bei der Ein­tracht, es ist of­fen­sicht­lich, ist VW ein wich­ti­ger Geld­ge­ber. Doch in dem nur 35 Ki­lo­me­ter von der VWA­re­na ent­fern­ten Ein­trach­tS­ta­di­on wird Fuß­ball ma­locht, wie beim Au­to­bau­er am Band. Hier gibt es kei­ne Mit­tel wie in der Chef­eta­ge.

Und genau mit die­ser Tu­gend woll­ten sie auch in die Bun­des­li­ga. Ei­ne Halb­zeit lang rann­te und kämpf­te die Ein­tracht und er­ar­bei­te­te sich gleich meh­re­re gu­te Chan­cen – auch oh­ne den ver­letz­ten Stür­mer Do­mi Kum­be­la. Christof­fer Ny­man be­kam in

der 13. Mi­nu­te im Straf­raum den Ball auf den Fuß, in der 41. Mi­nu­te zog er von der lin­ken Sei­te ab – bei­de Ma­le ging der Ball vor­bei.

Im Ge­gen­satz zu Ma­rio Go­mez, der von den Braun­schwei­ger Fan nach den Vor­komm­nis­sen im Hin­spiel von Be­ginn an mit Schmäh­ge­sän­gen be­dacht wur­de. Der Na­tio­nal­spie­ler traf in der 39. Mi­nu­te das Tor, doch Schieds­rich­ter To­bi­as Sti­e­ler hat­te zu­vor ein Foul von Yan­nick Ger­hardt an Sau­er ge­se­hen und gab den Tref­fer nicht.

In Braunschweig wer­den sie ihn nicht mehr lie­ben ler­nen, nach­dem sein ei­ge­nes Hand­spiel im Hin­spiel nicht ge­ahn­det wor­den war und er an­schlie­ßend auch noch den um­strit­te­nen Hand­elf­me­ter

zum 1:0 ver­senk­te. Doch auch am Mon­tag ver­mit­tel­te der 31-Jäh­ri­ge er­neut als ei­ner der we­ni­gen, die Be­reit­schaft den Ab­stiegs­kampf an­zu­neh­men. Im Fal­le des Ab­stiegs wä­re er ver­mut­lich trotz lang­fris­ti­gen Ver­tra­ges ge­gan­gen. Nun wird er blei­ben, und der Ver­ein ver­su­chen, um ihn her­um ei­ne Mann­schaft mit neu­em Ge­sicht zu kre­ieren.

In Braunschweig da­ge­gen kön­nen sie ihr Ge­sicht ge­trost be­hal­ten. Auch, wenn in der zwei­ten Halb­zeit nicht mehr viel ging und sich Ma­xi­mi­li­an Sau­er we­gen Hal­tens von Ger­hard Gel­brot sah, zeig­ten die Braun­schwei­ger in bei­den Par­ti­en, wie sie es in die­se Re­le­ga­ti­on ge­schafft hat­ten: mit viel Herz, har­ter Ar­beit und Un­ter­stüt­zung der Fans. Die

ver­hiel­ten sich Groß­teils äu­ßerst ru­hig und fei­er­ten ihr Team bis zum Schluss. Dass ei­ni­ge je­doch Böl­ler zün­de­ten, ei­nen Ord­ner ver­letz­ten und am En­de auf den Platz stürm­ten, um die Gäs­te­fans zu be­schimp­fen hät­te es nicht ge­braucht. Die Wolfs­bur­ger Spie­ler flüch­te­ten nach ih­rem Sieg vom Platz. Die Po­li­zis­ten schütz­ten den VfL-Fan­block vor den Ein­tracht-An­hän­gern, „Wir muss­ten ja in die Ka­bi­ne und konn­ten nicht ju­beln“, sag­te Wolfs­burgs Sport­li­cher Lei­ter Olaf Reb­be.

Dass am En­de doch das Geld die Über­hand be­hielt, dürf­te auch bei VW für Er­leich­te­rung ge­sorgt ha­ben. Trotz ei­ner schlech­ten Sai­son wa­ren die Mil­lio­nen nicht ganz ver­senkt.

Die Ent­schei­dung: Tor­schüt­ze Vieirin­ha setzt zum Ju­bel­lauf an und wird von Da­ni­el Di­da­vi be­glei­tet. Fo­to: ima­go/MIS

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